Schon im Spiel gegen Köln zeigte sich der Ehrgeiz Jeff Saibenes an seinem Ärger über die Fehler seines Teams. - © Christian Weische
Schon im Spiel gegen Köln zeigte sich der Ehrgeiz Jeff Saibenes an seinem Ärger über die Fehler seines Teams. | © Christian Weische

Kolumne Albrechts Arminia: Gestiegene Ansprüche und die Sache mit der Realität

Arminia steht gut da, ist aber sichtlich verärgert, nicht noch viel besser dazustehen. Wie sich der Verein gewandelt hat.

Patrick Albrecht

„Jonathan Clauss hat sieben, acht Flanken. Davon kommen fünf in dieser Höhe", sagte Jeff Saibene nach der 0:1-Niederlage in Bochum und zeigte mit der Hand auf sein Knie. „Da können wir lange reden und machen. Die Flanken müssen kommen, so einfach ist das." Dass Jeff Saibene konkret einzelne Spieler kritisiert, sieht ihm nicht ähnlich. Und es zeigt, dass der 50-Jährige angefasst war. Daran wird auch der 2:1-Testspielsieg gegen den SV Meppen nur bedingt etwas ändern. Der Luxemburger ist in diesen Tagen sehr unzufrieden mit seiner Mannschaft. Ein Blick auf die vergangenen Spiele gibt ihm Recht: In Darmstadt gewann der DSC nach schmeichelhafter Leistung dank zweier Last-Minute-Treffer glücklich mit 2:1, gegen Köln und in Bochum setzte es schließlich zwei Niederlagen. Saibene ist kein Schönredner. Er haut in die Kerbe, wenn es sein muss. Und es ist nicht seine erste schwierige Phase mit Arminia. Im Oktober letzten Jahres verloren Saibene und Co. drei Spiele hintereinander. Nach einem erfolgreichen Start gab es zwischen Spieltag 10 und 18 aus neun Spielen lediglich acht Zähler. Saibene blieb ruhig - und die Mannschaft fing sich wieder. Nach der 2:3-Niederlage im Schneetreiben von Regensburg ging es kontinuerlich aufwärts. Damals zeigte sich Saibene ähnlich unzufrieden wie nach dem jüngsten Spiel in Bochum. Sollte sein Unmut auch diesmal Früchte tragen, tritt schnell Besserung ein. Die Frage ist nicht ob, sondern wann es wieder aufwärts geht Trotzdem darf man an der Melanchthonstraße mit dem Saisonstart einverstanden sein. Der derzeitige Unmut rührt aus gestiegenen Ansprüchen, doch 12 Punkte aus neun Spielen sind in Ordnung. Wie sehr sich die Mannschaft unter Saibene entwickelt hat, ist klar ersichtlich. In beinahe jeder Partie hat die Saibene-Elf mehr vom Spiel. Arminia hat sich von einem wackligen Abstiegskandidaten zu einer Mannschaft entwickelt, die wie selbstverständlich in einem komplizierten Auswärtsspiel wie in Bochum das Zepter übernimmt. Die Gegner kennen die Qualität des Teams, konzentrieren sich oft nur auf die Defensive. Wichtig ist nun aufzuzeigen, wo es hakt. Leistungsträger wie Andreas Voglsammer und Fabian Klos (zusammen lediglich vier Tore) bleiben unter ihren Möglichkeiten, auch die Defensive um Kapitän Julian Börner wirkt plötzlich nicht sattelfest. Defensiv ist der DSC zu anfällig, vorne fehlt es an Präzision. Zuspiele und Flanken kommen zu ungenau, große Chancen werden nicht genutzt. Das alles sind aber keine unlösbaren Probleme. Eine Systemfrage stellt sich nicht, die Mannschaft ist intakt und hat einen Trainer, der die Dinge klar beim Namen nennt. Die Formkurve wird wieder nach oben zeigen. Es bleibt abzuwarten, wann das sein wird.

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