Freude nach dem Arminia-Sieg gegen Regensburg. - © Wolfgang Rudolf
Freude nach dem Arminia-Sieg gegen Regensburg. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Arminia-Analyse: Ein Plädoyer für Sturm und Drang

Philipp Kreutzer

Bielefeld. Sekunden nach dem Abpfiff durften alle noch mal lachen. „Arminia Bielefeld gewinnt mit 4:2 gegen Jahn Regensburg", verkündete Stadionsprecher Sebastian Wiese und verstärkte damit unfreiwillig die ohnehin vorhandene Heiterkeit auf den Rängen. Für den kleinen Versprecher hatten alle Verständnis, schließlich stand auch Wiese unter dem Eindruck eines außergewöhnlich aufregenden, weil turbulenten und torreichen Spiels. Ins Schleudern gerieten beim 5:3-Sieg des DSC außerdem ja auch andere. Vor allem die Abwehrreihen kamen in einer hektischen, von Gegenpressing und direktem Spiel in die Spitze geprägten Begegnung mehrfach durcheinander, bevor Arminia den Erfolg dank später Treffer von Fabian Klos und Patrick Weihrauch fixierte. „Der Sieg war weder verdient noch unverdient", befand Klos, „es war einfach ein komisches, vogelwildes Spiel." Nach seinem wuchtigen Kopfball zum 4:3 auf Edmundsson-Flanke sei er zunächst keineswegs sicher gewesen, das Siegtor erzielt zu haben: „Dafür haben wir zu sorglos verteidigt." Beim frühen 0:1 durch Marco Grüttner verhielten sich in Florian Hartherz, Brian Behrendt und Julian Börner gleich drei Abwehrspieler des DSC zu passiv. Genauso unsortiert war die Defensive bei den Gegentreffern zum 2:2 durch Jann George und beim 3:3 erneut durch Grüttner. Alle drei Treffer bereitete Regensburg über seine starke rechte Seite vor. Anschließend verhinderte Torwart Stefan Ortega zweimal in Eins-gegen-eins-Duellen einen 3:4-Rückstand der im Abwehrverhalten manchmal teilnahmslosen Bielefelder. Saibene mit Defensivleistung nicht zufrieden Nur gut für den DSC, dass die Gäste defensiv mindestens genauso konfus agierten. Beim 1:1 ließen sie Börner nach einer Edmundsson-Ecke reichlich Platz. Arminias Kapitän wuchtete den Ball mit der Schulter ins Netz. Dem 2:1 für Arminia ging ein Fehlpass von Innenverteidiger Asger Sörensen voraus, Andreas Voglsammer vollendete nach präziser Hereingabe von Jonathan Clauss. Und die 3:2-Führung des DSC erzielte Regensburg gleich selbst: Einen ungefährlichen hohen Ball in den 16-Meterraum köpfte Benedikt Saller nach einem Missverständnis mit Torhüter Philipp Pentke unbedrängt ins eigene Tor. „Heute hat der Sturm die Abwehr gerettet", sagte Klos, „es gab aber schon genug Spiele, in denen es andersherum war." Sieben Punkte aus vier Spielen bezeichnete der Stürmer vor der nun anstehenden Länderspielpause als „voll okay. Aber sechs Gegentore in zwei Spielen sind nicht okay". Beim HSV hatte es zuvor eine 0:3-Niederlage gegeben. Auch Jeff Saibene war mit der Defensivleistung seiner Mannschaft nicht zufrieden. „Wir waren sehr, sehr anfällig", räumte Arminias Trainer ein. Dennoch überwog für ihn das Positive. Nicht nur, weil der DSC gewonnen hatte. Sondern auch, weil es ein Sieg des Offensivfußballs mit großem Unterhaltungswert war. Saibene nutzte das Geschehene, um ein grundsätzliches Plädoyer für Sturm und Drang zu halten. „Wir haben vorletzte Saison zu Hause gegen Braunschweig sechs Tore geschossen, letzte Saison fünf gegen St. Pauli und jetzt wieder fünf. Das ist meine Philosophie, ich will nach vorne spielen", sagte er im Wissen um den Verbesserungsbedarf seiner Mannschaft im Defensivverhalten. Offensiv ist die Entwicklung schon in vollem Gang, Arminia strahlte nach vorn viel Gefahr aus. Fabian Klos hob Saibene heraus. „Ich habe gesagt, wir dürfen ihn noch nicht auswechseln. Ich habe es gespürt. Was für ein geiles Tor er dann macht", schwärmte der Trainer, vom 4:2-Sieg sichtlich beglückt. Oh, 5:3 muss es natürlich heißen, pardon. Egal, Hauptsache gewonnen. Wird sich auch Sebastian Wiese gedacht haben.

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