Jonathan Clauss im Spiel gegen den HSV. - © Christian Weische
Jonathan Clauss im Spiel gegen den HSV. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Jonathan Clauss will nur noch spielen und nicht mehr zocken

Der 25-Jährige ist nach der Niederlage gegen den HSV zwar enttäuscht, hat aber trotzdem Glücksgefühle

Philipp Kreutzer

Bielefeld. Es ist erst gut zwei Wochen her, da saß Jonathan Clauss etwas unzufrieden daheim in Osthoffen bei Straßburg und fragte sich, ob er in dieser Saison überhaupt noch ein Spiel bestreiten werde. Mittlerweile ist seine Gemütsverfassung eine andere, schließlich hat er kürzlich erstmals für seinen neuen Verein Arminia Bielefeld auf dem Platz gestanden. Und zwar nicht auf irgendeinem: Im Hamburger Volksparkstadion erlebten am Montag fast 47.000 Zuschauer in der Partie der Arminia beim HSV das rund 20-minütige Debüt des französischen Außenverteidigers mit. „Für mich war das nach den zwei Monaten zu Hause ein sehr schönes Gefühl", erzählt der Elsässer in einem Mix aus Deutsch und Französisch. Zugleich betont Clauss aber: „Für uns als Mannschaft war es schon sehr enttäuschend, weil wir 0:3 verloren haben." Clauss bringt wichtige Qualitäten mit Der 25-Jährige hatte seinen vorherigen Klub US Quevilly nach dem Abstieg in die dritte französische Liga im Sommer verlassen. Als Mitte August aufgrund der Meniskusverletzung von Arminias Rechtsverteidiger Cédric Brunner die Anfrage aus Bielefeld kam, brach Clauss sofort zum Probetraining auf. Eine solche Chance bietet sich für einen Spieler wie ihn, der es nach der Ausbildung bei RC Strasbourg Alsace bei unterklassigen Vereinen probieren musste, schließlich nicht täglich. Dabei bringt Clauss durchaus Qualitäten mit, die Sport-Geschäftsführer Samir Arabi und Cheftrainer Jeff Saibene denn auch überzeugten: Der 1,78-Meter-Mann ist fix auf den Beinen, dribbel- sowie zweikampfstark und ein guter Vorbereiter: 2017/18 legte er acht Tore auf. Ein Argument, ihn trotz der rasch verlaufenden Genesung Brunners mit einem Ein-Jahres-Vertrag auszustatten, war zudem die Tatsache, dass Clauss auch auf der linken Seite verteidigen kann. So ist er auch eine Alternative zum bislang beinahe konkurrenzlosen Florian Hartherz. Als Vollstrecker tritt „Jo" selten auf. Als er es doch einmal tat, machte er in ganz Frankreich auf sich aufmerksam. Im Januar 2017 startete Clauss im Trikot des Drittligisten Avranches im Spiel gegen Laval einen Sololauf, den er mit einem erfolgreichen Linksschuss beendete. Die Szene inklusive des erstaunten „Oh la la" des TV-Kommentators wurde bei Youtube zehntausendfach geklickt. Solche Auftritte würden nun auch die DSC-Fans gern von Clauss sehen. Möglichst schon am Samstag gegen Regensburg. Aufmerksamkeit der unliebsameren Art wurde ihm zuletzt aber auch zuteil – und zwar selbstverschuldet. Weil er vor gut einem Jahr auf Fußballspiele wettete, erhielt Clauss eine Sperre von drei Partien, zwei davon auf Bewährung. Auf Begegnungen der eigenen Mannschaft oder der direkten Konkurrenz setzte er allerdings nicht. „Er ist uns gegenüber offen damit umgegangen", betont Samir Arabi, „wir haben das damit abgehakt." Clauss selbst sagt: „Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe daraus gelernt und mache das nicht noch einmal." Die vier Spielkarten, die er sich auf den rechten Arm tätowieren ließ, stünden keinesfalls für eine Neigung zum Zocken, sondern für die Liebe zur Familie, versichert er. Genauso wie bei den Jokern auf der Haut beginnen sein eigener Vorname und diejenigen seiner engsten Verwandten mit dem Buchstaben J: Vater Jean Luc, Mutter Josiane und Schwester Julie. Zocken, sagt Jonathan Clauss, wolle er nur noch auf der Playstation. Spielen dagegen möglichst oft. Aber auf dem Rasen.

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