Lothar Buttkus in der Schüco Arena. Seinem Arbeitsplatz, der mehr gewesen sein dürfte, als das. - © Wolfgang Rudolf
Lothar Buttkus in der Schüco Arena. Seinem Arbeitsplatz, der mehr gewesen sein dürfte, als das. | © Wolfgang Rudolf

Arminia Arminias Stimme: Erinnerungen an Lothar Buttkus

Mit 71 Jahren starb der frühere DJ und ewige Bielefelder

Björn Vahle

Bielefeld. Was man als Kind zum ersten Mal erlebt, das umgibt später gerne eine Aura der Erhabenheit, ein beinahe erdrückendes, überlebensgroßes "Wow", wenn man sich zurückerinnert. So ist es mit meinem ersten Stadionbesuch. Und dem Moment, als ich die Stimme von Lothar Buttkus zum ersten Mal hörte. Wie alt ich genau war, weiß ich nicht mehr. Aber jeder, der die Stimme der "Alm" und später der "Schüco Arena" kennt, der kann sich vorstellen, was das für ein Erlebnis war. Sie war so druckvoll, dass es schien, sie erzeuge ihr eigenes Echo, wenn sie aus den Stadionlautsprechern tönte. Sie hatte eine Farbe und eine Spannung wie Leder - ich weiß nicht, warum ich daran denken muss - aber eben auch dessen einzigartigen Glanz. Für mein junges Ich klang sie fast wie eine Computerstimme. So überlegt, so unverkennbar akzentuiert sprach sie die Sätze, mit klug gewählten Pausen und einer ihr eigenen Betonung, die für jeden Halbsatz eine neue Tonhöhe fand. Oft verstand man beim Zuhören erst im Nachhinein, warum der Satz dadurch etwas gewonnen hatte. Ein ewiger Moment nur für Lothar, bei jedem Tor Das muss man bei all dem anderen Getöse, das ein volles Stadion erzeugt, erstmal hinkriegen. Die Leute hörten Lothar zu. Außer vielleicht, wenn er gerade sagte, so dass man sein Grinsen hören konnte: "Tor für Arminia. Tor für die Blauen!" Denn dann befand sich das Stadion im kollektiven Taumel. Spätestens beim Vornamen des Torschützen hatte Lothar dann aber wieder die Aufmerksamkeit aller für sich. Für einen ewigen Moment, bei jedem Tor. So bekannt seine Stimme jedem Fan ist, so wenig suchte Buttkus von sich aus das Rampenlicht. Lange Zeit wusste ich gar nicht wie er aussieht, geschweige denn wie er heißt. Mein Vater, dem ich meinen ersten Stadionbesuch verdanke, wusste ihn aus für mich unerfindlichen Gründen. So wie Eltern eben immer alles wissen. "Haha, Lothar", sagte er lächelnd, wenn Buttkus sprach. Damit war alles gesagt. Lothar war Arminia. Er gehörte dazu, wie der Ball zum Spiel. Es wird nicht mehr dasselbe sein Erst Jahrzehnte später traf ich Lothar einmal persönlich. Für meinen Bruder organisierte ich dessen Heiratsantrag im Stadion. Dafür musste ich nach oben in die Sprecherkabine, um die kleine Präsentation, die wir für die Videowand vorbereitet hatten, in den Ablauf einzuspeisen. Lothar war schon da, zwei Stunden vor Anpfiff. Er würdigte mich keines Blickes. Aber warum auch. Ich war ja sicherlich nicht der erste, der solche Sonderwünsche dort oben anmeldete. Lothar war schon mitten in der Vorbereitung, ich störte da wahrscheinlich wie eine lästige Fliege. Deshalb nahm ich ihm auch nicht übel, dass er so kurz angebunden war. Wahrscheinlich war er mit klaren Vorstellungen für seine Moderationen aufgewacht, dass meine Pläne dazwischen kamen, wusste er da ja noch nicht. So ist das wohl, wenn man etwas mit Begeisterung tut: Lothar wollte es einfach immer gut machen. Nun ist Lothar Buttkus im Alter von 71 Jahren gestorben. 35 Jahre war er unverzichtbarer Teil des Stadionerlebnisses in Bielefeld. Generationen von Fans kennen es nur so. Am Samstag hat der DSC wieder ein Heimspiel. Es wird, so viel ist sicher, nicht mehr dasselbe sein.

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