Arbeit kann auch Spaß machen: Fabian Klos mit Stephan Salger (l.) beim Medizinballtraining auf dem Sportplatz in Bruck in Österreich. - © Christian Weische
Arbeit kann auch Spaß machen: Fabian Klos mit Stephan Salger (l.) beim Medizinballtraining auf dem Sportplatz in Bruck in Österreich. | © Christian Weische

Zell am See Fabian Klos: "In diesem Sommer bleibe ich"

Der Rekordtorjäger hat das Wort: Fabian Klos schließt einen kurzfristigen Wechsel aus. Und verrät, was er aus seiner gelegentlichen Reservistenrolle gelernt hat

Philipp Kreutzer

Zell am See. Das Training am Vormittag steckte er gut weg, am freien Freitagnachmittag entspannte Fabian Klos. Zwischendurch sprach er mit nw.de über... ... die Rolle DSC-Idol Dieser Status hat sich über die Jahre entwickelt. Das hat etwas mit Leistung zu tun, aber auch mit Verhalten gegenüber Fans und Mitarbeitern. Und natürlich ist es für mich als Stürmer leichter, mich in den Fokus zu spielen als zum Beispiel für einen Innenverteidiger. Ich habe mich im Lauf der Jahre an die Rolle gewöhnt. Sie ist nicht immer nur positiv und angenehm. In guten Zeiten bin ich der Erste, der gefeiert wird. Und in schweren der Erste, der kritisiert wird. ... seine Rekordmarke Ab dem vergangenen Winter hatte ich das Thema mit den 111 Toren im Hinterkopf. Du willst den Vereinsrekord ja haben. Als ich ihn geknackt hatte, habe ich erst gemerkt, welchen Druck ich mir aufgebaut hatte. Weil ich das unbedingt erreichen wollte. Das ist ja das Größte, was du als Stürmer schaffen kannst. Rekordtorschütze von einem Verein zu sein mit so einer Historie wie Arminia, das ist außergewöhnlich. Ich hoffe, dass mir diesen Rekord keiner mehr nehmen kann. ... die Reservistenrolle Es war in der letzten Saison nicht immer einfach. Aber ich bin ruhig geblieben. Auch als ich für das Spiel in Heidenheim nicht nominiert wurde. Ich habe mit meiner Frau und mit meinem Berater Kai Michalke darüber gesprochen. Manche hätten vielleicht stur, bockig oder abwehrend reagiert. Ich habe im Training Gas gegeben. Gelernt habe ich, dass es sich lohnt, nicht die Nerven zu verlieren, nicht aufzugeben. Da hat sich bewahrheitet, was Alex Strehmel, mein früherer Co-Trainer bei Wolfsburg II, gesagt hat: Qualität setzt sich am Ende durch. ... interne Konkurrenz Jeder Stürmer hat beim Start der Vorbereitungszeit dieselben Chancen. 2018 hatte ich in Andraz Sporar, einem Nationalspieler seines Landes, ja auch starke neue Konkurrenz. Die ist immer gut. Angst habe ich vor keinem. Ich weiß, dass es an mir liegt, mich so zu empfehlen, so dass ich in der Startelf stehe. ... seine soziale Ader Ich bin nach wie vor ein bodenständiger Typ. Als ich 2011 nach Bielefeld gewechselt bin und es mit dem Profifußball so richtig losging, habe ich zu meinen Freunden zu Hause gesagt, eines wird nicht passieren: Dass ich mich verändere. Ich werde immer ich selbst bleiben. Ich komme vom Dorf. Und als ich da noch gelebt habe, habe ich in einer Einrichtung für behinderte und ältere Menschen Zivildienst gemacht. Da siehst du viel, was dir nicht mehr aus dem Kopf geht. Diese neun Monate haben mich geprägt. Und wenn ich als jemand, dem es als Fußballprofi sehr gut geht, etwas zurückgeben kann, tue ich das. Deshalb war ich im Mai bei Peter, dem Fan, dessen großer Wunsch es war, mich noch vor seinem Tod zu treffen. ... seine Zurückhaltung Manchmal kann es besser sein, nix zu sagen. Fußballer sind nur Menschen und manchmal unzufrieden mit sich. Dann ist es besser, das erst mit sich selbst auszumachen. Aber ich stelle mich ja auch nach schlechten Spielen vor die Mikros. Die Leute sollen ruhig auf mich einhauen. Das ist besser, als wenn die Mannschaft es abbekommt. Ich kann damit mittlerweile gut umgehen. ... seine Zukunft Gerüchte wie jetzt, ich ginge zu Uerdingen, gibt es immer. Aber ich plane nicht, Arminia zu verlassen. Ich kann mir - Stand jetzt - sehr gut vorstellen, den Vertrag, der bis 2019 läuft, frühzeitig zu verlängern. Weil ich noch ein paar Jahre bleiben möchte und meine Zukunft unter gewissen Umständen auch später in Bielefeld und im Verein sehe. Aber es liegt ja nicht nur an mir. Ich bin in einem Alter, in dem ich mir Gedanken machen muss, was ich mache, wenn der Vertrag nicht verlängert wird. Es wäre deshalb dumm, Anfragen abzublocken. Ich muss mich nach Alternativen für den nächsten Sommer umschauen. Aber nicht nach Alternativen für diesen Sommer.

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