Arminia Bielefeld Neuzugang Brunner: Aus der Komfortzone ins Abenteuer

Arminia: Neuzugang Cédric Brunner hat für den Wechsel nach Bielefeld erstmals seine Heimatstadt Zürich verlassen. Doch die neuen Kollegen erleichterten dem Schweizer die ersten Schritte in der Fremde

Philipp Kreutzer

Zell am See. Zürich ist die Stadt mit der weltweit zweithöchsten Lebensqualität. Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls im März dieses Jahres eine Studie des Beratungsunternehmens Mercer. Nur in Wien lebt es sich demnach noch besser. Einer, der Zürich sehr gut kennt, zieht dennoch erst einmal Bielefeld vor. Die in der Studie berücksichtigten Kriterien wie politische Stabilität, Gesundheitsversorgung und Kriminalität weiß Cédric Brunner zwar zu schätzen. Mindestens genauso sehr interessiert ihn jedoch seine eigene Entwicklung. Genau dafür sieht der Schweizer aktuell bei Arminia die besten Möglichkeiten. Deshalb hat er beim DSC einen Zwei-Jahres-Vertrag unterzeichnet. „Ich bin jetzt in einem guten Alter, um etwas zu versuchen", sagt der 24-Jährige im Trainingslager des DSC in Zell am See. Menschlich und als Sportler weiterentwickeln „In Deutschland hat der Fußball einen anderen Stellenwert als in der Schweiz", weiß er, „das sieht man ja zum Beispiel an den Zuschauerzahlen bei den Spielen oder auch daran, wie viele Leute neulich bei unserem Trainingsauftakt waren." Auch deshalb findet er ein Engagement in der zweiten Bundesliga reizvoller als einen Verbleib beim FC Zürich. Und das, obwohl Brunner mit seinem Heimatverein kürzlich zum zweiten Mal nach 2016 den Schweizer Pokal gewann. Im Halbfinale gelang dem Abwehrspieler beim 2:1-Erfolg über den Lokalrivalen Grasshoppers in der Nachspielzeit der Siegtreffer. Zudem biete ihm der Wechsel die Chance, sich nicht nur als Sportler, sondern auch als Mensch weiterzuentwickeln. „Ich kenne bisher nur Zürich, habe bis zuletzt bei meinen Eltern gewohnt. Ich mache jetzt den Schritt raus aus der Komfortzone." Freundin Sophie hilft ihm dabei. Sie ist ebenfalls Zürcherin, studiert aber in München und begleitet ihren Cédric in den ersten Wochen in Bielefeld. Der Psychologiestudent aus Zürich Dass Brunner ein kluger Kopf ist und nicht nur auf den Fußball schaut, verdeutlicht auch sein Psychologiestudium, das er parallel zur sportlichen Karriere vorantrieb. „Aber die Verantwortlichen beim FC Zürich waren nicht glücklich darüber, dass ich studiere, weil es ja zum Beispiel bei Klausuren zu Terminproblemen kommen kann", erzählt er. Das Studium hat er unterbrochen und will es eventuell nach der aktiven Laufbahn wieder aufnehmen. Die Eingewöhnung in Bielefeld, sagt er, verlaufe nicht nur dank seiner Freundin, sondern auch wegen der neuen Kollegen problemlos. „Wir waren gleich in meiner ersten Woche in Bielefeld bei Mitspielern zum Grillen eingeladen, einmal bei Brian Behrendt, einmal bei Stefan Ortega", erzählt er, „das finde ich nicht selbstverständlich." Verwundert hat ihn die herzliche Aufnahme allerdings nicht. Ex-Armine Rodriguez hat den DSC empfohlen Vor seinem Wechsel hatte sich Brunner unter anderem bei einem ehemaligen Mitspieler in der FCZ-Jugend über die Armina informiert. Francisco Rodriguez, in der Rückrunde der Saison 2015/16 beim DSC und inzwischen beim FC Luzern am Ball, habe ihm auch aufgrund der guten Stimmung in der Mannschaft zugeraten, nach Bielefeld zu gehen. „Es ist bisher alles so eingetroffen, wie ich es erwartet habe", sagt Brunner nun im Trainingslager, „alle sind nett und bodenständig." Entscheidend für den Wechsel waren vor allem die Gespräche mit Jeff Saibene. Als profunder Kenner des Schweizer Fußballs und inzwischen auch der zweiten Liga in Deutschland konnte Arminias Cheftrainer dem Zürcher glaubhaft aufzeigen, weshalb sich der Schritt raus aus der Komfortzone und hinein ins Abenteuer Bielefeld lohnen könnte. Zumal Brunner gute Chancen hat, nach dem Abschied von Florian Dick die Position des Rechtsverteidigers zu übernehmen. „Ich bin mit Ambitionen hergekommen und will Stammspieler werden", sagt der Neuzugang. Klar, ein Platz in der ersten Elf würde Cédric Brunners persönliche Lebensqualität in Bielefeld zusätzlich aufwerten.

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