Ähnliche Frisur, ähnliche Leidenschaft: Unternehmensgründer Sebastian Borek (l.) und Arminia-Cheftrainer Jeff Saibene benötigen echte Teams, um zum Erfolg zu kommen. Darüber sprachen sie am Mittwochabend in den Räumlichkeiten der SchücoArena. - © Christian Weische
Ähnliche Frisur, ähnliche Leidenschaft: Unternehmensgründer Sebastian Borek (l.) und Arminia-Cheftrainer Jeff Saibene benötigen echte Teams, um zum Erfolg zu kommen. Darüber sprachen sie am Mittwochabend in den Räumlichkeiten der SchücoArena. | © Christian Weische

Bielefeld Herrlich: Die schönsten Anekdoten von Arminia-Trainer Jeff Saibene

Arminia als mutigste Entscheidung

Bielefeld. Bald verlängert Trainer Jeff Saibene aller Voraussicht nach seinen Vertrag bei Arminia Bielefeld. Fachlich wie charakterlich ein Glücksfall für den Verein, da ist sich das DSC-Umfeld ziemlich einig. Warum das so ist, das ließ sich jetzt bei einer Talkrunde erahnen. In dieser gab der 49-Jährige unter anderem zu, dass ihm sein Berater dringlichst von den Blauen abgeraten hatte. Saibene bewies aber Mut und überstimmte ihn. Eingeladen hatte die "Founders Foundation", die Start-ups in der Gründungsphase unterstützt. Nun öffnete sich die Branche vor rund 200 Gästen in den Räumen der SchücoArena, lud mit Saibene einen Fachmann aus dem Profisport ein. "In Sachen Teamführung und Talentfindung gibt es erstaunlich viele Parallelen zwischen Unternehmen und Sportmannschaften", sagte Organisator Jannis Johannmeier. "Für die Spieler bist du dann erstmal der Trottel" Moderator Sebastian Borek, selbst erfolgreicher Gründer, entlockte dem Zweitliga-Trainer spannende Aussagen. So gab Saibene zu: "Ich war sehr blauäugig in der Jugend." Eigentlich habe er sofort alles auf die Karte Fußball gesetzt. "Aber ich kannte die richtigen Leute. Sonst wäre ich nicht aus Luxemburg herausgekommen, denn das Spielniveau dort ist nicht gut genug." Auch für seine Rolle als Chef hat Saibene klare Vorstellungen. Als Coach delegiere er lieber, als ein Alleinentscheider zu sein. Wenn ihn sein Trainerteam überstimme, sei er der Letzte, der seinen eigenen Willen durchdrücke. Das Schwierigste in der täglichen Arbeit sei, den Teamspirit aufrechtzuerhalten, erklärte Saibene. "Es ist für jeden Profi überlebenswichtig, ob er selbst am Wochenende spielt. Ich kann aber nur elf von 24 Spielern auswählen." Er erkenne nach der Kadernominierung sofort an der Mimik, wie enttäuscht der Rest sei. "Da kann man noch so ein gutes Verhältnis pflegen. Für die Spieler bist du dann erstmal der Trottel." Trotzdem ein Wohlfühlklima zu schaffen, sei kompliziert. Saibene meinte: "Das ist eine Charakterfrage und für Trainer während der Karriere nur schwer zu lernen." "Ich kenne keine Spielerfrauen" Über eine Smartphone-App stellte das Publikum Fragen an den Übungsleiter, die Moderator Borek in den Talk integrierte. Ob Jeff Saibene den HSV noch retten könne? "Da ist so viel passiert, das würde ich mir aktuell nicht antun", sagte er. Ob Spielerfrauen Einfluss auf die Arbeit besitzen? Die knappe Antwort: "Ich kenne keine Spielerfrauen." Auf die Frage nach mutigen Entscheidungen in seinem Job musste der 49-Jährige kurz grübeln. "Die mutigste Entscheidung war, vor einem Jahr überhaupt zur Arminia zu kommen." Sein Berater habe ihn zunächst für wahnsinnig erklärt, erinnerte sich der Coach gut gelaunt. "Nie im Leben darfst du das machen, hat er mir gesagt. Er hätte den Verein zweimal gesehen und sie wären so schlecht gewesen. Noch dazu hat der Verein Schulden. Tu dir das nicht an." Doch Saibene, der seinen damaligen Vertrag beim Schweizer Erstligisten FC Thun ohnehin nicht über die Saison hinaus verlängern wollte, hatte eine andere Meinung - und die war entscheidend. "Ich kann eigentlich nur gewinnen, habe ich mir damals gesagt", verriet der Arminia-Trainer. "Die Mannschaft galt als untrainierbar. Mein Gedanke war: Stell dir vor, du kannst sie retten." Die Tragweite der Entscheidung wurde ihm kurz danach bewusst. "In der Nacht vor meiner Vorstellung saß ich nachts im Hotel, hatte Schweißausbrüche und Panik. Dann habe ich meine Frau angerufen. Ich breche das alles ab, habe ich ihr gesagt." Zwölf Stunden später das erste Training. "Ich kannte nur Fabian Klos und Florian Dick. Der Rest sah gleich aus", sagte der Luxemburger und amüsierte sein Publikum prächtig. "Heute aber bin ich sehr froh, mutig gewesen zu sein." Ein Start-up benötigt Visionen für die Zukunft, ein Fußballverein auch. "Unsere Vision ist, in den kommenden drei Jahren an der Bundesliga zu schnuppern", sagte Saibene unter Applaus. Dass er selbst langfristig beim DSC bleibt, ist realistisch. "Ich fühle mich sehr wohl", sagte Saibene. "Und mein Sohn sagt mir oft: Wenn ich einmal nicht mehr in Bielefeld arbeite, werde ihm etwas fehlen."

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