Intensiver Beobachter: Arminia Bielefelds Präsident Hans-Jürgen Laufer wünscht sich einen ruhigeren Saisonverlauf als in der abgelaufenen Spielzeit. FOTO: Christian WEISCHE - © Christian Weische
Intensiver Beobachter: Arminia Bielefelds Präsident Hans-Jürgen Laufer wünscht sich einen ruhigeren Saisonverlauf als in der abgelaufenen Spielzeit. FOTO: Christian WEISCHE | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Arminias Präsident: „Ich erwarte einen einstelligen Platz“

Interview: Arminias Präsident Hans-Jürgen Laufer spricht über das neue Gesicht der Mannschaft.

Jörg Fritz
25.07.2017 | Stand 24.07.2017, 21:06 Uhr

Seit 2013 ist Hans-Jürgen Laufer der Präsident bei Arminia Bielefeld, außerdem ist er der der stellvertretende Aufsichtsratschef des Klubs. Im Interview spricht er darüber, was er in der neuen Saison auf den DSC zukommen sieht. Er erklärt außerdem warum er und seine Präsidiumskollegen sich im November zur Wiederwahl stellen Herr Laufer, die Zittersaison 2016/17 ist abgehakt. Was erwarten Sie von der neuen Spielzeit? Hans-Jürgen Laufer: Ich erwarte keine Zittersaison. Es stimmt mich hoffnungsfroh, wie das Team miteinander arbeitet und wie das Trainerteam untereinander funktioniert. Welchen Tabellenplatz erwarten Sie im Mai 2018? Laufer: Die Liga ist extrem ausgeglichen. Jeder kann jeden schlagen. Überteams wie Stuttgart und Hannover sehe ich diesmal nicht. Wichtig ist, dass wir einen guten Start hinlegen. Ich erwarte daher einen einstelligen Platz. Das Bild der Mannschaft hat sich verändert. 13 Spieler verließen den Klub, sechs externe Spieler wurden verpflichtet. Welche Chancen bietet dieser Umbruch? Laufer: Ich bin den Spielern, die Arminia verlassen haben, dankbar. Sie haben sich sehr für den DSC eingesetzt. Allerdings gibt es im Profifußball keine Sentimentalitäten. In diesem Bereich wird ergebnisorientiert gearbeitet und entschieden. Es zählt nur der Erfolg. Es war bei Arminia daher an der Zeit für einen Neubeginn. Wir mussten eine Reorganisation im personellen Bereich vornehmen. Wir haben es mit Bedacht gemacht. Junge Leute sind wichtig, um sich und uns sportlich weiter zu entwickeln. Arminia muss weiterhin sparen, obgleich der Klub mehr Fernsehgelder erhält als vor zwölf Monaten. Warum? Laufer: Mit Geschick und Glück haben wir den Klassenerhalt geschafft. Der Weg dahin war aber teuer. Wir haben durch die Trainerentlassungen beispielsweise zu viel Geld ausgegeben. Dem müssen wir jetzt Rechnung tragen. Auch sollte nicht vergessen werden, dass wir die Fananleihe in Höhe von 1,8 Millionen Euro zurückgeführt haben. Vor einem Jahr haben Sie sich das Ziel gesetzt, einen Platz in der Liste der Top-25-Klubs in Deutschland anzustreben. Daraus ist nichts geworden. Laufer: Das ist immer noch unser Ziel. Wichtig ist, dass in Bielefeld niemand durchdreht – bei Erfolgen oder Misserfolgen. Nur mit Ruhe und Gelassenheit kommen wir dorthin. Dieser Weg lässt sich nur mit jungen Spielern bestreiten. Mit Keanu Staude und Henri Weigelt haben wir zwei Eigengewächse in unseren Reihen, die den Sprung zu den Profis geschafft haben. Wir erhoffen uns eine Signalwirkung, dass Arminias Juniorenteams durchaus ein Sprungbrett für Profikarrieren sind. Trainer Jeff Saibene hat in seinem Vertrag eine Aufstiegsprämie ausgehandelt. Laufer: Ich habe nichts anderes von ihm erwartet. Jeff will immer das Maximale erreichen. Deshalb ist diese Klausel auch völlig in Ordnung. Schmunzeln musste ich aber schon ein wenig. Bei der kommenden Jahreshauptversammlung im November stehen Vorstandsneuwahlen an. Werden Sie erneut kandidieren? Laufer: Meine Kollegen Hermann J. Richter in seinen Funktionen als Vizepräsident und Schatzmeister, Bernard Kiezewski als Verantwortlicher für die Abteilungen sowie ich als Präsident stellen uns im Block erneut zur Wahl. Im Falle unserer Wahl haben wir neue Ziele, auf die wir zu einem späteren Zeitpunkt genauer eingehen. Es ist noch zu früh, darüber zu reden. Welchen Stellenwert genießt Arminia in der Region? Laufer: In der Region hallt immer noch der 6:0-Kantersieg gegen Eintracht Braunschweig nach. Damit haben wir eine Duftmarke in ganz Deutschland gesetzt. Es war das Schlüsselspiel der Liga. Wir servierten dem VfB Stuttgart und Hannover 96 den Aufstieg in die Bundesliga. Nicht zu vergessen die Motivationspredigt unseres Co-Trainers Carsten Rump, die bundesweit Beachtung fand. Wir sollten uns nicht kleiner machen. Wir sind schon wer. Allerdings sollten wir Demut nicht vergessen. Stur, hartnäckig und kämpferisch müssen wir unseren Weg fortsetzen. Die Verbindlichkeiten in Höhe von 22,4 Millionen Euro sind ein Klotz am Bein, der schnellere Vorwärtsbewegungen behindert. Wird diese Belastung ein dauerhafter Zustand sein? Laufer: Ich hoffe nicht. Allerdings ist es betriebswirtschaftlich auch nicht zwingend erstrebenswert, den Verein auf Nullschulden runterzubringen. Wir probieren es in kleinen Schritten, wohl dosiert. Die 22,4 Millionen Euro beinhalteten auch die Rückzahlungssumme für die Fananleihe. Ich kann versichern, dass die neue Zahl positiver aussieht.

realisiert durch evolver group