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BAU // Stuttgart , Fußball 2.Bundesliga VfB Stuttgart Aufstiegsfeier auf dem Wasen: Fans stehen auf Toiletten. | Verwendung weltweit - © picture alliance/Pressefoto Baumann
BAU // Stuttgart , Fußball 2.Bundesliga VfB Stuttgart Aufstiegsfeier auf dem Wasen: Fans stehen auf Toiletten. | Verwendung weltweit | © picture alliance/Pressefoto Baumann

Bielefeld/Köln Gefährliche Keime in Trinkwasser und Speisen in vielen Fußballstadien

Experten sehen Caterer in der Schuld / Schüco-Arena unbelastet

Anneke Quasdorf
02.06.2017 | Stand 03.06.2017, 09:58 Uhr

Köln. Gefährliche Keime im Trinkwasser und auf verkauften Speisen sind in den Stadien der Fußball-Bundesliga offenbar ein verbreitetes Problem. Nach Recherchen der ARD-Radiosender sind in den vergangenen Jahren fast in jedem dritten Bundesligastadion Legionellen festgestellt worden, zumeist im Duschbereich der Teams. Gefährdet sind aber auch Fans, die an den Verkaufsständen Essen erwerben. Experten entnahmen für die Untersuchung in München, Köln und Bremen bei Heimspielen heimlich Proben. Im Bremer Weserstadion wurden dabei auf zwei untersuchten Fischbrötchen Fäkalkeime gefunden. Eines der Brötchen war laut Gutachten zudem mit Eiterbakterien belastet. In Proben aus Waschbecken in Herrentoiletten in München und Bremen waren auch die Grenzwerte für die Gesamtkeimzahl im Trinkwasser überschritten. Für die Schüco-Arena in Bielefeld gibt es Entwarnung: Von 2007 bis heute wurden in den mehr als acht Betrieben, die für das Catering zuständig waren, laut Gesundheitsamt "mehr als 217 Hygienekontrollen" durchgeführt. "Dabei fanden sich bis auf eine Richtwert- und eine Grenzwertüberschreitung bei Bierproben keine Auffälligkeiten", sagt Peter Schmid, Leiter des Gesundheitsamtes, auf Anfrage von nw.de. "Bei diesen Auffälligkeiten handelte es sich auch nicht um Krankheitserreger, sondern um Verkeimungen." Auch das Trinkwasser werde regelmäßig von den Stadtwerken untersucht, Fälle von Legionellen habe es in den vergangenen zehn Jahren nicht gegeben. "Gesunde Menschen können Keime ab" Doch wie hygienisch kann es denn überhaupt zugehen an Orten, wo sich zehntausende Menschen versammeln, aufs Klo gehen, sich unter Umständen nicht die Hände waschen und danach Wechselgeld, Treppengeländer und Türgriffe berühren? Muss es da nicht automatisch zu problematischen Verunreinigungen von Speisen und Getränken kommen? "Nein", sagt Hygiene-Experte Schmid. "Das ist die wilde Theorie eines Laien. Natürlich gibt es an solchen Orten immer Keime auf Essen und im Trinken - aber gesunde Menschen können das ab." Zudem gebe es keine Studie, die belege, dass es an Orten mit Massenansammlungen automatisch zu mehr Erkrankungen komme oder dass es einen Zusammenhang gebe zwischen dem Klogang von Besuchern und Verunreinigungen. "Es ist ja auch wichtig, hier genau zu differenzieren: Mitarbeiter des Gesundheitsamtes prüfen Speisen und Getränke immer vor der Ausgabe. Das heißt, wenn es Hygienemängel gibt, passieren die hinter dem Tresen oder dort, wo die Lebensmittel zubereitet werden." Gary Zörner, Chef des Labors für chemische und mikrobiologische Analytik (Lafu), vermutet hingegen sehr wohl, dass hinter den Verunreinigungen die Verkäufer stehen, die das Essen und das Wechselgeld unbewusst mit der gleichen Hand berühren und fordert deshalb "für solche Fälle dringend nötige Hygiene-Schulungen." Vereine wehren sich Die werden allerdings nach Angaben der Vereine bereits durchgeführt, sie verweisen auf hohe Qualitätsstandards und entsprechende Eigenkontrollen, die keine auffälligen Befunde ergeben hätten. "Unser Caterer hat versichert, dass er jedem ernstzunehmenden Untersuchungsergebnis nachgeht, um seinen eigenen sehr hohen Qualitätsstandard auch weiterhin gerecht zu werden", teilte Werder mit. Bei den Bayern würden "sämtliche Mitarbeiter regelmäßig gemäß den gesetzlichen Vorgaben sowie des Infektionsschutzgesetzes nachweislich belehrt." Und die Kölner teilten mit, dass "alle Mitarbeiter regelmäßig zum Thema Handhygiene unterwiesen" werden und sämtliche hierfür "relevanten Unterlagen und Unterweisungen den Mitarbeitern jederzeit zugänglich" sind. Leichte Beschwerden durch verunreinigte Speisen sind daher wohl unvermeidbar - und schnell verklungen, sofern die Betroffenen ein intaktes Immunsystem haben. Laut Professor Thomas Kistemann vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn könnten Fans, "wenn Sie eine Immunschwäche haben, mit einer Infektion mit solchen Keimen, über die da berichtet wird, sehr schwer erkranken. Da kann es sogar Todesfälle im Einzelfall geben." Durch Legionellen wären im Fall des Falles nur die Spieler gefährdet, denn diese übertragen sich beim Duschen. Mit Material vom SID

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