Ein guter Griff: Arminias Sport-Geschäftsführer Samir Arabi holte Christopher Hemlein (l.) 2014 vom NEC Nijmegen. - © Christian Weische
Ein guter Griff: Arminias Sport-Geschäftsführer Samir Arabi holte Christopher Hemlein (l.) 2014 vom NEC Nijmegen. | © Christian Weische

Bielefeld Arabis Bilanz: Mehr Gewinne als Nieten

DSC-Präsident Laufer kündigt Sparkurs für nächste Saison an

Peter Burkamp
24.05.2017 | Stand 24.05.2017, 17:21 Uhr

Bielefeld. Es ist gerade noch mal gut gegangen. Arminia hat am letzten Zweitliga-Spieltag die Klasse gehalten. Jetzt kommt die Zeit der Aufarbeitung. Da sich schon früh abzeichnete, dass es eine schwere Saison werden würde, glaubten und glauben einige Kritiker in Sport-Geschäftsführer Samir Arabi den Schuldigen für das schwache Abschneiden gefunden zu haben. Im Abstiegsfall wäre die Kritik auch aus den Gremien sicherlich heftiger ausgefallen, selbst eine Trennung schien möglich. Davon ist aktuell nicht die Rede. „Samir Arabi hat einen Vertrag", stellt Hans-Jürgen Laufer klar. Der DSC-Präsident und seine Aufsichtsratkollegen erwarten, dass die nächste Bilanz des Geschäftsführers besser ausfällt. Im März 2011 war Arabi als sportlicher Leiter eingestiegen. Im Herbst 2016 wurde er Sport-Geschäftsführer. Arabi steht qua Stellenbeschreibung für die Auswahl der Trainer und der Profis. Fakt ist, dass er mit wenig Geld auskommen muss und im Vergleich mit vielen Zweitligisten beim Werben um Verstärkungen den Kürzeren zieht. Ablösesummen können, wenn überhaupt, nur in geringer Höhe gezahlt werden. Das ist angesichts der Schuldenlast der gesamten Arminia-Gruppe von immer noch mehr als 20 Millionen Euro nachvollziehbar. In der abgelaufenen Saison musste die Fananleihe zurückgezahlt werden – rund 1,8 Millionen Euro, die an anderer Stelle eingespart werden mussten. „Auch für die kommende Saison haben wir uns einen Sparkurs auferlegt", betont DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer. Mehrkosten im Trainerbereich und geringere Einnahmen beim Merchandising sowie im Zuschauerbereich müssen trotz außerplanmäßiger Pokaleinnahmen aufgefangen werden. Große Sprünge wird Arabi also auch jetzt nicht machen können. Die Beispiele von Sandhausen, Aue und Heidenheim zeigen allerdings, dass auch mit schmalerem Budget der Klassenerhalt möglich ist. Es folgt eine Bilanz und Bewertung von Arabis Neuzugängen und der Trainerauswahl in den vergangenen sechs Jahren. 2011/12: Neuanfang in der 3. Liga Als Arabi begann, stand allein Onel Hernandez unter Vertrag. Peu à peu stellte er einen Kader zusammen. Manuel Hornig, Tom Schütz, Patrick Platins, Fabian Klos, Felix Burmeister, Patrick Schönfeld, Marc Rzatkowski und Sebastian Hille – um nur die wichtigsten zu nennen – bildeten das Gerüst einer Mannschaft, die einen schlechten Auftakt erlebte. Trainer Markus von Ahlen gelang es nicht, den Fehlstart der neu zusammengestellten Mannschaft zu managen und eine positive Perspektive aufzuzeigen. Co-Trainer Stefan Krämer schaffte später den Klassenerhalt. Bewertung: Pech mit dem Start und dem Coach, der ein sehr guter Nachwuchstrainer ist. Viel mehr war kaum drin. 2012/13: Zweites Jahr, 3. Liga Christian Müller, Sebastian Glasner, Marc Lorenz, Pascal Testroet, Philip Riese, Jerome Propheter und Stephan Salger kamen dazu, und der auf wenigen Positionen ergänzte Kader der Vorsaison schaffte den Aufstieg. Dass Glasner kaum, Testroet wenig und Erdogan Yesilyurt keine Rolle spielte, fiel nicht weiter ins Gewicht. Ziel erreicht – Arabi hat ganz viel richtig gemacht. 2013/14: Als Aufsteiger in der 2. Liga Jan Fießer und Oliver Petersch waren viel verletzt und selten fit. Pascal Schmidt und Jerome Propheter kamen über den Talentstatus nicht hinaus. Arne Feick spielte solide, Francky Sembolo und Anass Achabar bekamen unter Trainer Stefan Krämer zu selten eine Chance, um sie fair bewerten zu können. Die Sommer-Transfers hatten mehr Schatten als Licht. Im Winter kamen Vujadin Savic, Ben Sahar und Kacper Przybylko hinzu – alle trugen mehr oder weniger stark dazu bei, dass der DSC nach dem Trainerwechsel zu Norbert Meier die Relegation erreichte. Was im Rückspiel gegen Darmstadt geschah, ist bekannt. Möglicherweise kam der Trainerwechsel zu spät, der Kader hatte das Potenzial für den Klassenerhalt. Trefferquote bei den Zugängen: Ausgeglichen. 2014/15: Wieder Drittligist Mit Hilfe der Neuzugänge Alexander Schwolow, Sebastian Schuppan, Florian Dick, Christoph Hemlein, David Ulm, Dennis Mast, Julian Börner und im Winter noch Manuel Junglas, die mehr oder weniger Volltreffer waren, gelang der Wiederaufstieg und der Einzug ins Pokal-Halbfinale. Peer Kluge und Koen van der Biezen erwiesen sich als Fehlgriffe. Arabis Einkaufsbilanz war top. 2015/16: Zurück in der 2. Liga Ergänzt durch die Zugänge Brian Behrendt und Wolfgang Hesl erlebte der DSC unter Norbert Meier eine in der Defensive starke Saison und schaffte frühzeitig den Klassenerhalt. Christopher Nöthe spielte eine starke Serie auf Linksaußen. Mit Abstrichen Michael Görlitz, vor allem aber Björn Jopek, Amin Affane und Steffen Lang überzeugten kaum bis gar nicht. Die Wintereinkäufe Seung-Woo Ryu, Francisco Rodriguez und Andreas Voglsammer deuteten ihr Potenzial an. Arabis Einkaufsbilanz: ausgeglichen. 2016/17: Das zweite Jahr 2. Liga Norbert Meiers später Abgang Richtung Darmstadt warf vieles durcheinander. Rüdiger Rehms Erfolge sprachen als Trainer für ihn, ähnlich wie Markus von Ahlen kam er mit dem Fehlstart nicht zu Recht. Die Neuzugänge? Nur Manuel Prietl und Florian Hartherz bekamen unter den drei Trainern (ohne Interimscoach Carsten Rump) mehr Einsatzzeiten. Tomasz Holota saß zuletzt sogar bei der U 23 auf der Bank. Michael Mak fand nie zu seiner Form, Malcolm Cacutalua deutete sein Können an, wirkte jedoch nicht immer sicher, und Leandro Putaro vermochte sich keinen Stammplatz zu erkämpfen. Winterneuzugang Sören Brandy ist wegen häufiger verletzungsbedingter Ausfälle bislang keine Hilfe, Reinhold Yabo einer der Garanten des starken Schlussspurts. Unterm Strich ist Arabis Bilanz nicht überzeugend, doch mit seinem letzten Schuss traf er Jeff Saibene, der den Ligaerhalt sicherte. Arabis Bilanz gemessen am Saisonziel: gerade noch ausgeglichen.

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