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Auch am Schreibtisch zu finden: Jörg Weber, Schulleiter des Carl-Severing-Berufskollegs in Bielefeld. - © Wolfgang Rudolf
Auch am Schreibtisch zu finden: Jörg Weber, Schulleiter des Carl-Severing-Berufskollegs in Bielefeld. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Ex-Armine sucht Talente für den Profifußball

Jörg Weber war Coach in Bielefeld, Verl und Paderborn - heute sichtet er als Schulleiter nebenbei für den SCP

Ariane Mönikes
11.02.2017 | Stand 11.02.2017, 17:29 Uhr

Bielefeld. Wäre Jörg Weber (51) damals im Training nicht mit Torwart Wolfgang Kneib zusammengestoßen, wäre seine Karriere vielleicht ganz anders verlaufen. Weber, damals noch keine 20 Jahre alt und gerade zum Wehrdienst eingezogen, riss sich das Kreuzband an. "Das warf mich zurück", sagt er heute, fast 33 Jahre später. Weber galt damals schon als besonnen, taktisch gut ausgerichtet. Ein Stratege, kein Bolzer sei er gewesen, erinnert sich ein ehemaliger Mitspieler von Arminia. 1984 hatte er in Detmold sein Abitur gemacht. Er hatte als Profi nicht nur Fußball im Kopf, fasste kurze Zeit nach dem Zusammenprall schon die Entscheidung, nicht auf Teufel komm raus im Fußballgeschäft zu bleiben, sondern auch an die Zeit danach zu denken. Heute ist Jörg Weber Schulleiter des Carl-Severing-Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung, führt eine Schule mit knapp 90 Lehrern und 2.100 Schülern. "Ich bin Schulmanager", sagt er. Zwar unterrichtet er noch sechs Stunden in der Woche, nimmt im Frühjahr neun mündliche Prüfungen in BWL ab. Trotzdem verbringt er mehr Zeit am Schreibtisch als im Klassenraum. "Im Sommer", erzählt Weber, "gehen sieben Kollegen." Die müssen ersetzt werden. Weber hält Ausschau nach neuen Talenten. Das Gespür, diese Menschen unter vielen zu entdecken, braucht er auch am Spielfeldrand. "Liebhaberei, kein Zweit-Job" Denn Weber ist Scout, seit 2014 späht er für den SC Paderborn nach neuen Talenten. "Eine Liebhaberei, kein Zweit-Job", sagt der promovierte Sportwissenschaftler. Denn nur wenn es die Zeit zulässt, fährt er am Wochenende quer durch Deutschland und schaut sich Spiele von Dritt- und Regionalligamannschaften an. Dass er früher selbst gespielt hat und auf der Trainerbank saß, helfe ihm enorm. "Ich weiß, wie Trainer denken, was sie wollen", sagt er. Als Trainer René Müller (ab Juni U23-Trainer bei Arminia) im November 2016 vom SCP freigestellt wurde, sei er vom Verein gefragt worden, ob er für einige Wochen das Ruder übernehme. "Das hätte ich mit meinem Job als Schulleiter aber nicht vereinbaren können", sagt Weber. Die Trainerkarriere ist vorbei, obwohl er auch sie eigentlich schon beendete, bevor sie so richtig begann. 1996, Weber hatte zwei Jahre zuvor seine erste feste Stelle als Lehrer für Wirtschaftswissenschaften und Sport am Dietrich-Bonhoeffer-Berufskolleg in Detmold angetreten, heuerte er beim TuS Paderborn-Neuhaus, wie der SC Paderborn damals noch hieß, als Co-Trainer unter Günther Rybarczyk an. 2000 ging er zum Regionalligisten SC Verl, arbeitete an der Seite von Dieter Hecking. Als der ging, wurde Weber Cheftrainer. Zwei Jahre blieb er, dann wurde er beurlaubt. "Die Wunden sind mittlerweile verheilt", sagt Weber. Wer heute einen Vertrag als Trainer unterschreibt, müsse wissen, dass die Kündigung früher oder später komme. "Die Halbwertszeit von Fußballtrainern ist kurz." Weber ging 2004/05 zum Oberligisten VfB Fichte, ein Jahr später zum FC Gütersloh. Im Juli 2006 übernahm er die zweite Mannschaft von Arminia Bielefeld. Am 13. Februar 2007 wurde er Co-Trainer der ersten Mannschaft, arbeitete eng mit Jahrhundert-Trainer Ernst Middendorp zusammen. Damals war er schon stellvertretender Schulleiter am Hanse-Berufskolleg in Lemgo, ließ sich ein halbes Jahr lang beurlauben. Anschließend musste er wieder eine Entscheidung treffen, für oder gegen den Fußball. "Länger als ein halbes Jahr hätte ich nicht von der Schule weg bleiben können", sagt Weber heute. "Da hätte ich kündigen müssen." "Das Risiko war mir zu groß" Er traf sich mit Fußball-Funktionär Heribert Bruchhagen, der Ende der 80er seinen Job als Lehrer am Kreisgymnasium in Halle an den Nagel gehängt hatte, um Manager beim FC Schalke zu werden. Weber entschied anders als Bruchhagen. "Das Risiko war mir zu groß", sagt er. Der Familienvater hat zwei Kinder, einen Sohn (21) und eine Tochter (16). Als Fußballtrainer müsse man flexibel sein, sagt er. Er aber hängt sehr an seiner Familie, wollte mit ihr in Detmold wohnen bleiben. Bis 2011 war er noch drei Jahre Chef-Scout bei Arminia. Als er Schulleiter in Bielefeld wurde, fragte Michael Born, damals Manager beim SC Paderborn, nach, ob er nicht den SCP als Scout unterstützen könne. Heute sucht er Talente, schaut, wer Potenzial hat. Wie an seiner Schule.

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