Klare Vorstellungen: Arminia Bielefelds neuer Trainer Rüdiger Rehm sorgt für einige Veränderung im Spielsystem. - © Christian Weische
Klare Vorstellungen: Arminia Bielefelds neuer Trainer Rüdiger Rehm sorgt für einige Veränderung im Spielsystem. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Arminias Trainer Rüdiger Rehm: „Eine Dreierkette wird es nicht geben“

Interview über das Trainingslager in Leogang und Rehms Ziele

Arminias Trainer im Interview Rüdiger Rehm spricht über das Trainingslager in Leogang, Fabian Klos und seine Einstellung zur falschen Neun. Seine Devise: „Ohne Stürmer geht es nicht". Herr Rehm, was hat Ihnen am Trainingslager in Leogang gefallen? Rüdiger Rehm: Wir hatten hier exzellente Voraussetzungen. Das Hotel und die Bedingungen zum Trainieren waren absolute klasse. Es gibt nichts, was man großartig verbessern müsste. Was hätte besser sein können? Das Wetter beispielsweise? Rehm: Während der Trainingseinheiten hat es nicht einmal geregnet. Wir haben uns die freien Tage richtig ausgesucht. An ihnen hat es kräftig geschüttet. Wir waren also wettermäßig nicht in unserer Arbeit beeinträchtigt. Auf welchem Stand befindet sich die Mannschaft? Rehm: Die Mannschaft ist absolut im Soll. Wir haben noch einige Dinge, an denen wir arbeiten werden. Wir haben noch Defizite im Umschaltspiel nach vorne. Kontersituationen müssen noch klarer und schneller gespielt werden. Den direkten Weg zum Tor könnten wir noch schneller finden. Die defensive Abstimmung hat zum Teil schon gut ausgesehen, aber wir hatten noch nicht die Gegner, die uns defensiv gefordert haben. Wie sieht der weitere Arbeitsverlauf nach der Rückkehr in Bielefeld aus? Rehm: In der laufenden Woche bestreiten wir drei Spiele. Am Wochenende nach der Rückkehr absolvieren wir insgesamt fünf Übungseinheiten inklusive der Spiele. Wer waren für Sie die Überraschungen in Leogang? Rehm: Überraschend war für mich, dass bis zuletzt niemand Müdigkeit gezeigt oder einen gravierenden Leistungsabfall hatte. Dieser Wille, diese Einstellung des gesamten Teams ist gut. Die Jungs machen einen guten Job. Deshalb will ich hier jetzt keinen einzelnen Spieler herausheben. Wann klärt sich die Torwartfrage? Rehm: Wir hatten am Montag ein kleines Problem bei Hesl und Davari mit dem rechten Arm. Beide waren verbunden. Aber es ist nichts Schlimmes. In der letzten Trainingswoche wird diese Frage entschieden. Hesl ist in den Mannschaftsrat gewählt wohl. Ist diese Entscheidung nicht ein Fingerzeig? Rehm: Das hat für mich bei der Aufstellung nichts zu bedeuten. Er hat eine große Erfahrung, und die Spieler trauen ihm zu, sie gut zu vertreten. Welchen Eindruck haben Sie vom alten und neuen Kapitän Fabian Klos? Rehm: Klos ist jemand, der vorne wegmarschiert. Im Vorfeld war ich gespannt, wie er mit unserer Spielphilosophie klar kommt. Er macht es hervorragend. Er leistet einen super Job. Er führt die Jungen nicht nur verbal, sondern marschiert auch in der ersten Reihe. Das ist für einen Kapitän absolut würdig. In der Abwehr haben Sie sehr viele Möglichkeiten. Rehm: Die Qual der Wahl ist immer gut. Die Saison wird nur erfolgreich, wenn 20 Spieler auf einem guten Nenner sind. Es ist wichtig, dass verletzte Spieler gleichwertig ersetzt werden. Jeder Spieler muss dann wissen, was er auf dem Platz zu tun hat. Wir wollen 20 Profis haben, die wir eins zu eins tauschen können. Unser Ziel muss sein, keine Qualitätsverluste zu haben. Es spielt immer der, der formstärker ist. Erfahrung ist sicherlich auch ein Punkt. Es gibt sehr viele Bausteine, die letztlich entscheiden, in welche Richtung die Meinung des Trainers ausschlägt. Nur Erfahrung reicht nicht. Ein dichtes Gedränge herrscht auch im Mittelfeld. Rehm: Alle machen einen sehr guten Job. Daniel Brinkmann wird dort jetzt auch seine Möglichkeiten bekommen. Ich hatte ihn vorher auf eine andere Position im Sturm geschoben. Jetzt hat er es verdient, auf der Sechs zu spielen. Er hat eine exzellente Technik und fußballerischen Sachverstand und kann daher clever agieren. Er muss aber hundertprozentig fit sein. Es wird von weiteren Zugängen geredet. Aber noch ist niemand gekommen. Warum? Rehm: Ganz kurzfristig und unbedingt brauchen wir niemanden. Wir müssen die Breite des Kaders auf einem hohen Niveau halten. Deshalb könnten wir eine oder zwei Verstärkungen noch gut gebrauchen. Im offensiven Bereich? Rehm: Beides, sowohl offensiv als auch defensiv. Wir haben zwar alle Positionen doppelt besetzt, aber ich habe immer noch gern einen zusätzlichen Mann. Er müsste im jüngeren Alter sein. Es ist aber schwierig, so jemanden zu finden. Ich habe hier einen engeren Personenkreis bereits im Sinn. Die Umsetzung ist aber nicht einfach, da andere Vereine in Konkurrenz zu uns stehen. Welche Platzierungen streben Sie mit Arminia an? Rehm: Es muss so sein, dass wir uns verbessern wollen. Platz elf und 43 Punkte wären somit auch schon ein Erfolg. Die Mannschaft ist so gut wie zusammen geblieben. Also heißt es für mich als Trainer, ich muss versuchen, sie besser zu machen. Die Liga ist interessanter vom Namen geworden. Die Frage ist, ob sie auch von der Qualität besser geworden ist. Das können wir aber noch nicht einschätzen. Ziel ist es, besser zu sein als in der Vorsaison. Wenn wir am Ende feststellen sollten, dass wir uns qualitativ verbessert haben, aber die Liga auch stärker geworden ist, können wir auch damit zufrieden sein. Was halten Sie von der Dreierkette? Rehm: Nichts. Man hat automatisch drei Spieler in der Abwehr. Im Endeffekt nehme ich einen offensiven Spieler raus und setze einen defensiven ein. Eigentlich ist es eine Fünferkette, da die beiden Außenverteidiger zurück kommen. Hole ich sie nicht zurück, habe ich ein Riesenproblem, weil die Kette nicht die ganze Breite abdecken kann. Ich stabilisiere mit der Dreierkette vielmehr meine Defensive, kann aber mein Offensivspiel nicht nach vorne bringen. Aber das ist meine Idee. Meinungen sind unterschiedlich. Wen stufen Sie als Aufstiegsfavoriten ein? Rehm: VfB Stuttgart und Hannover 96 als Erstligaabsteiger. Ich glaube, dass der VfL Bochum sich auch gut verstärkt hat. Sie könnten das Überraschungsteam werden. Sie haben einen Vertrag bis 2018. Wie lauten Ihre mittelfristigen Ziele? Rehm: Ich wäre sehr glücklich, wenn ich den Vertrag über zwei Jahre erfolgreich erfüllen könnte. Dann werden wir uns mit Sicherheit wieder zusammensetzen. Spieler träumen davon, in der Bundesliga zu spielen. Ist dies bei Trainern auch der Fall? Rehm: Als Spieler war ich dafür nicht gut genug, da hätte ich mich auch nicht in die 1.Liga geholt. Vielleicht noch nicht einmal in die 2. Liga. (lacht) Ich bin kein Träumer. Für Träume muss man nichts tun. Ich nenne es Ziele. Als Spieler habe ich mir die 2. Bundesliga erarbeiten müssen. Denn vom Talent hätte ich es nicht geschafft. Genauso ist mit dem Trainerjob. Ich habe mir die 2. Liga verdient. Was dann kommt, ist Zukunftsmusik. Ich werde weiterhin akribisch arbeiten.. Wohin führt der Weg des Fußballs? Die EM hat kaum neue Erkenntnisse geliefert. Rehm: Die EM hat die Erkenntnis geliefert, dass viele Mannschaften die Defensive bevorzugt haben, weil sie kürzere Zeiten zur Vorbereitung hatten. Eine effektive Defensive ist schneller erlernbar als die Offensive. Einige Nationen wären sicherlich froh gewesen, wenn sie einen Angreifer-Typen wie Fabian Klos in ihren Reihen gehabt hätten. Rehm: Deutschland auch. Ich sage, ohne Stürmer geht es nicht. Bei mir gibt es keine falsche Neun. Ich gewinne auch gerne 1:0, aber es muss nicht 15 Mal sein. Es geht auch um Attraktivität im Fußball. Den Zuschauern muss etwas geboten werden.

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