(Fast) alles Gold beim DSC: Die Fans feierten beim 2:0 gegen Union Berlin die Mannschaft, den Verein und viele prominente Ex-Arminen, die im Stadion zu Gast waren. Für alle ist es ein Genuss, mal ohne jede Abstiegsangst in ein Saisonfinale zu gehen. - © Kurt Ehmke
(Fast) alles Gold beim DSC: Die Fans feierten beim 2:0 gegen Union Berlin die Mannschaft, den Verein und viele prominente Ex-Arminen, die im Stadion zu Gast waren. Für alle ist es ein Genuss, mal ohne jede Abstiegsangst in ein Saisonfinale zu gehen. | © Kurt Ehmke

Bielefeld Tiefenentspannte Arminen genießen letztes Heimspiel der Saison

Ehrung und Applaus: Mit Thomas von Heesen und Thomas Stratos sind zwei Kicker der 111-Jahre-Elf der NW im Stadion / Fans feiern das Team

Bielefeld. Entspannter Sommerfußball: Während sich die anderen da unten um Abstieg und Klassenerhalt kloppen, kann der DSC Arminia locker auf Tradition und Emotion machen, feiern die Fans, feiert die Neue Westfälische die von ihren Usern gewählte 111-Jahre-Elf – und gewinnt am Ende der DSC auch noch mit 2:0 gegen Union. DSC-Geschäftsführer Gerrit Meinke ist Sinnbild der Lockerheit: Lachend plaudert er am Spielfeldrand, sagt: „Ist das klasse, so ein Heimspiel ohne jeden Druck – einfach nur genießen." Genießen, das ist auch das Stichwort für Präsident Hans-Jürgen Laufer – und die fast 20.000 Fans im Stadion. Laufer freut sich über die Aufstiegshelden von 1996, zehn von ihnen sind der Einladung ins Stadion gefolgt. Unter ihnen sind drei, die sich bestens verstehen – und gut Frozzeln können. Als Jörg „Jockel" Bode mitbekommt, dass mit Thomas Stratos und Thomas von Heesen zwei der alten Kumpels in die 111-Jahre-Elf gewählt worden sind, empört er sich. „Was? Was soll denn das? Wer ist denn hier von uns dreimal in die Bundesliga aufgestiegen?!" Die anderen lachen sich einen, Pech gehabt, Kollege Bode. Doch von Heesen ist gütig. „Na, ich denke, dass so eine Wahl immer auch dem ganzen Team von damals gilt." Jahrhundertkicker in Paderborn und Bielefeld Von Heesen nimmt die Ehrung locker, er kennt das schon. „Ich bin wohl der einzige, der gleich in drei Jahrhundert-Mannschaften steht", sagt er – und zählt auf: „HSV, Paderborn, Arminia." Unfassbar – sowohl in Paderborn als auch Bielefeld Jahrhundertkicker. Stratos führt die Wahl vor allem darauf zurück, „dass wir damals noch echte Typen waren". Brüllte damals einer seinen Mitspieler an, er solle mal decken, „dann machte der das auch". Heute würde zurückgebrüllt: „Was willst denn du?" Von all dem bekommen die Fans wenig mit, sie feiern das aktuelle Team, aus dem ja immerhin mit Fabian Klos auch einer in der 111-Jahre-Elf steht – und vielleicht ja auch deshalb, weil er ein echter Typ ist, einer, der sich auch mal mit den Fans anlegt, dann aber auch zurückzahlt. Eine Choreographie mit güldenem Schriftzug „Sportclub der Ostwestfalen" wird aufgestellt, dazu winkt die Südtribüne tausendfach mit kleinen DSC-Fähnchen – und rollt dazu die passende Riesen-Fahne aus. Sommermärchenstimmung. "Ich lass' mich überraschen" Die Fans sind zufrieden, so auch Martin Gladisch (22). „Der Klassenerhalt ist da, das ist super." Doch irgendwie wurmt ihn die Saison auch ein wenig. „Diese weggeschenkten Siege in Nürnberg und Freiburg zum Beispiel", sagt er, „da hat man gesehen, wie gut sie sind, wenn sie sich mal zusammenreißen." Und so weiß er auch nicht so ganz, wie er auf die nächste Saison blicken soll. „Ich lass' mich überraschen – wenn der Präsident sagt, in vier Jahren sei die Erste Liga das Ziel, mal schaun." Überraschen lässt er sich auch beim Geld. „Irgendwie jonglieren die da ein wenig, es ist echt komisch, wie wenig die darüber reden, wie sie ihre Schulden abbauen wollen." Ach, Schulden. Davon wollen Michael Vesper, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes und NRW-Familienministerin Christina Kampmann wenig hören. Gefragt nach politisch unkorrekten Visionen, sagt sie: „Nächstes Jahr der Aufstieg wäre schon ziemlich gut, und dann 111 Jahre Erste Liga." Ach ja, die Vorherrschaft der Bayern gelte es auch zu brechen. Vesper sieht es ähnlich: „Arminia sollte im Fahrstuhl den Knopf nach oben finden – und wenn sie angekommen sind, den Knopf nach unten schnell abbauen."

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