Frei zum Kopfball: Arminias Fabian Klos (2. v. r.) vergibt eine große Chance. Die Paderborner Thomas Bertels, Nicklas Helenius (v. l.) staunen, während Keeper Daniel Heuer Fernandes glänzend reagiert. - © Wolfgang Rudolf
Frei zum Kopfball: Arminias Fabian Klos (2. v. r.) vergibt eine große Chance. Die Paderborner Thomas Bertels, Nicklas Helenius (v. l.) staunen, während Keeper Daniel Heuer Fernandes glänzend reagiert. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld OWL-Derby rettet Effenberg den Job

SCP-Präsident Finke setzt weiter auf seinen Cheftrainer. Helenius und Gastgeber verschlafen die erste Halbzeit. Beide Trainer sind mit dem Spielverlauf zufrieden



Bielefeld. Sturheit, Hartnäckigkeit und Kampf lauten die Eigenschaften, mit denen Arminia Bielefeld in der jüngeren Vergangenheit beste Eigenwerbung betrieben hat. Die Zweitligakollegen aus Paderborn sehen sich nach ihrer Selbsteinschätzung als Helden, die nie aufgeben. 25.064 Zuschauer in der Schüco-Arena sahen von diesen Superlativen im Gipfeltreffen der beiden besten ostwestfälischen Fußballmannschaften zumindest spielerisch nur einen verschwindend geringen Teil. Das 1:1 (0:1) erwies sich als ostwestfälische Hausmannskost, die für die Arminen im ersten und für die Gäste aus Paderborn im zweiten Abschnitt schwer verdaulich war. Die Gäste gingen in der 30. Minute durch Nicklas Helenius in Führung. Für den verdienten Bielefelder Ausgleich in der zweiten Halbzeit sorgte Christopher Nöthe (62.). „Letztlich geht der Punkt in Ordnung. Wir haben den SC Paderborn auf Distanz gehalten", sagte Arminias Kapitän Fabian Klos, der die fünfte Gelbe Karte sah und am Sonntag in Heidenheim gesperrt ist. So waren sich denn auch beide Trainer bei ihren Bewertungen einig, dass es eine gerechte Punkteteilung in diesem Nachbarschaftsduell gegeben habe. Den etwas zufriedeneren Eindruck hinterließ Stefan Effenberg, der während des gesamten Spiels bei Dauerregen in einem dünnen blauen Pullover an der Außenlinie stand. „Es war ein Schritt nach vorn", meinte der SCP-Coach, der sich als Gewinner dieses Derbys fühlen durfte. „Effe" bekam grünes Licht von seinem Präsidenten Wilfried Finke. „Die Mannschaft hat sich gut präsentiert, es gibt keine Diskussion. Wir halten an ihm fest. Dafür nehmen wir notfalls auch den Abstieg in Kauf", sagte Finke. Für den SC Paderborn hat sich die Ausgangssituation nicht maßgeblich verbessert. „Es war ein kleiner Schritt nach vorn, der uns aber auch nicht groß weiterhilft", sagte Thomas Bertels. Der SC Paderborn ist somit seit zehn Meisterschaftsspielen sieglos. Optimistischer fiel die Analyse von Paderborns Trainer Stefan Effenberg aus, der bei der Besetzung der Startelf überraschend einen Torwartwechsel vornahm. Statt Lukas Kruse stand Daniel Heuer Fernandes zwischen den Pfosten, der eine ordentliche Partie zeigte und in der 72. Minute die mögliche Bielefelder Führung nach einem Klos-Kopfball verhinderte. „Unsere Taktik ist in der ersten Halbzeit voll aufgegangen", meinte Effenberg. „In den zweiten 45 Minuten fehlte uns aber die Genauigkeit." Sein Bielefelder Kollege Norbert Meier sah in der ersten Hälfte eine Arminen-Mannschaft, „die fahrig und zu abwartend" spielte und erst nach diesem „Hallo-Wach-Effekt mehr als verdient zum 1:1 kam." Fabian Klos brachte es auf den Punkt: „In den ersten 45 Minuten sind wir viel zu wenig gelaufen, haben uns zu wenig bewegt und gingen nicht aggressiv genug in die Zweikämpfe." Die Gastgeber erlaubten sich extrem viele Ballverluste und wirkten bei ihren Offensivanstrengungen viel zu harmlos. Meiers Plan mit Michael Görlitz, der beim Hinspiel in Paderborn den Siegtreffer zum 2:1 erzielt hatte, ging nicht auf. Gegen die schlechteste Defensive der Liga brachten die Arminen offensiv wenig zustande, was Auswirkungen auf das Verhalten der Fans hatte, bei denen echte Derbystimmung in dieser Phase nicht aufkommen wollte. Nach einer angemessenen Pausenansprache von Norbert Meier und der Einwechslung von Seung-Woo Ryu änderte sich das bis dahin düstere Bild aus Sicht der Bielefelder schlagartig. Mit seinem Einbahnstraßenfußball hatte der Aufsteiger dann auch umgehend Erfolg. Nach einem schönen Zuspiel von Manuel Junglas markierte Christopher Nöthe (62.) mit seinem vierten Saisontreffer das verdiente 1:1. Fabian Klos (72.) und Sebastian Schuppan (80.) besaßen zwei gute Möglichkeiten für eine Ergebnisverbesserung, was vielleicht des Guten zu viel gewesen wäre. Kommentar "Effe" erarbeitet sich großen Vertrauensvorschuss In den letzten Tagen und Wochen hatte Stefan Effenberg etliche Nackenschläge einstecken müssen. Bisweilen und insbesondere nach dem Trainingslager-Skandal um Ex-Stürmer Nick Proschwitz, fühlte er sich von so mancher Medienberichterstattung gar persönlich tief getroffen. Sein Arbeitsplatz in Paderborn entwickelte sich zusehends zum Pulverfass. Der Chefcoach des abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten enttäuschte auch nach dem Start des Restprogramms mit eklatanten Lieferschwierigkeiten. Ein Trainer auf Abruf. Bis gestern. Trotz der auch weiterhin drohenden Abstiegsgefahr setzte der SCP-Präsident am Sonntag nach Derbyschluss ein deutliches Zeichen. Was den Zeitraum bis zum Saisonschluss betrifft, zog Wilfried Finke nach einstimmigem Vorstandsbeschluss einen endgültigen Schlussstrich unter die zuletzt teils heftig geführte Trainerdiskussion. Effe bleibt Coach. Basta. Für eine gegenteilige Entscheidung war dem Vereinsboss die Zeit inzwischen ohnehin ein bisschen davongelaufen. Das Risiko, künftig in der Drittklassigkeit zu verschwinden, bleibt allerdings. Ein Vertrauensbeweis, den sich Stefan Effenberg nach der Derby-Vorstellung seiner Elf vielleicht sogar verdient hat. Ein Punkt ist an sich zu wenig, die neue personelle Handschrift produzierte in Bielefeld aber durchaus Lichtblicke. Angesichts der jüngsten SCP-Vorstellung sieht die sportliche Zukunft zumindest nicht mehr ganz so düster aus Kontakt zum Autor

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