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SC Paderborn/Arminia Bielefeld Born und Arabi vor dem OWL-Derby im Interview: "Paderborn ist Favorit"

Die Rollen sind bereits vorher klar verteilt

Gelöste Stimmung vor dem Ernstfall: Paderborns Sport-Geschäftsführer Michael Born (l.) und Bielefelds Sportlicher Leiter Samir Arabi im lockeren Gespräch vor dem Derby. - © Marc Köppelmann
Gelöste Stimmung vor dem Ernstfall: Paderborns Sport-Geschäftsführer Michael Born (l.) und Bielefelds Sportlicher Leiter Samir Arabi im lockeren Gespräch vor dem Derby. | © Marc Köppelmann

Paderborn. Die Vorsaison macht's möglich. Nach dem Bundesliga-Abstieg des SC Paderborn sowie dem Zweitliga-Aufstieg von Arminia Bielefeld sorgen die Derbys wieder für Zündstoff in der ostwestfälischen Fußballszene. Vor dem Gastspiel der Leinenstädter in der Paderborner Benteler-Arena (Samstag, 13 Uhr) sprach Werner Schulte mit Arminias Sportlichem Leiter Samir Arabi und Paderborns Sport-Geschäftsführer Michael Born über die Ausgangslage für beide Klubs.

Herr Born, Herr Arabi, wie groß ist die Vorfreude in beiden Lagern auf die bevorstehende Wiederauferstehung des OWL-Derbys nach der rund anderthalbjährigen Abstinenz?
Samir Arabi:
Bei uns sicherlich größer als auf der anderen Seite. Wenn beide Vereine in der vergangenen Saison ihre Ziel erreicht hätten, würde es dieses Derby am Samstag ja noch nicht wieder geben. Aber im Ernst: Paderborn hat in der vorherigen Spielzeit einen überragenden Job gemacht und war ganz nah am Klassenerhalt.
Michael Born: Das Derby sei Arminia ja gegönnt, aber zum jetzigen Zeitpunkt hätte ich natürlich gern darauf verzichtet, wenn wir den Klassenerhalt geschafft hätten.

Laut Papierform begegnen sich am Samstag beide Mannschaften auf Augenhöhe. Nach den ersten vier Saisonspielen wurden jeweils drei Punkte verbucht. Ist diese Bilanz eher enttäuschend oder zum jetzigen Zeitpunkt noch ausreichend?
Born:
Mit dieser Ausbeute können wir natürlich nicht zufrieden sein, aber es darf jetzt nichts dramatisiert werden. Auch in der Aufstiegssaison hatten wir unter Trainer André Breitenreiter während der Startphase noch so einige Probleme.
Arabi: Grundsätzlich sind wir mit unserer Leistung in den ersten drei Spielen zufrieden, obwohl da noch Luft nach oben war. Nur bei der 0:2-Heimniederlage gegen Braunschweig war die Vorstellung des Teams inakzeptabel.

Herr Arabi, Arminia hat nach dem Wiederaufstieg acht externe Neuzugänge verpflichtet. Aber kaum jemand hat es bis dato in die Startelf geschafft.
Arabi:
Das hat verschiedene Gründe. Björn Jopek ist in der Vorbereitungsphase längere Zeit ausgefallen, Samir Benamar hatte den bedauerlichen Trainingsunfall und Brian Behrendt ist erst spät zu uns gestoßen. Immerhin hat sich Christopher Nöthe inzwischen festgespielt und auch Michael Görlitz hat bereits einige Spielanteile bekommen. Es ist davon auszugehen, dass ihnen im Laufe der Saison weitere Neuzugänge folgen werden.

Stichwort Derby. Eine ganz besondere Begegnung oder nur eine Partie von 34 Saisonspielen?
Born:
Grundsätzlich hat das Derby für die Fans stets eine hohe Bedeutung. Ich will das Spiel aber nicht allzu hochhängen, schließlich geht's für uns auch am kommenden Samstag lediglich um drei Punkte.
Arabi: Ich sehe das ähnlich, aber irgendwie gibt es im Vorfeld doch immer besondere Begleiterscheinungen, die mediale Aufmerksamkeit ist deutlich größer. Vor einem Spiel gegen andere Gegner fahre ich in der Regel nicht zu einem Doppel-Interview.

Ist der Sieger, so es denn einen geben wird, die Nr. 1 in OWL?
Born:
Sportlich sind die Rollen auf dem Papier klar verteilt. Immerhin trifft ein Erstliga-Absteiger auf einen Zweitliga-Aufsteiger. Ich nehme die Favoritenrolle an, weil es einfach unser Anspruch ist, zu Hause gegen Arminia Bielefeld zu gewinnen, wenngleich sich unsere Mannschaft erst noch finden muss.
Arabi: Ich bin natürlich Realist. In der Vorsaison waren wir schließlich noch durch zwei Ligen voneinander getrennt. Paderborn hat sich den Favoritenstatus hart erarbeitet. Aus meiner Sicht ist die Ausgangslage also ähnlich, dennoch ist es unser Ziel, etwas aus Paderborn mitzunehmen.

Welchen Eindruck haben die beiden Manager bislang von der aktuellen Qualität der 2. Bundesliga gewonnen?
Born:
Die Liga ist insgesamt sehr ausgeglichen und hochattraktiv. Gezielte Prognosen sind zurzeit kaum möglich. RB Leipzig hat zur neuen Saison mehr investiert als alle anderen Klubs zusammen und läuft seiner Rolle als Topfavorit im Augenblick noch etwas hinterher. Stattdessen hat der SV Sandhausen die ersten drei Saisonspiele gewonnen. Als mitgehandelter Aufstiegskandidat tut sich auch Fortuna Düsseldorf momentan noch schwer.
Arabi: Meine Meinung ist grundsätzlich deckungsgleich. Die 2. Liga zeichnet eine hohe Leistungsdichte aus. Fehler werden schnell bestraft. Oft entscheiden Kleinigkeiten über die Sieger- oder Verlierer-Straße.

Wie beurteilen Sie die jeweiligen Stärken oder möglicherweise auch Schwächen des Gegners?
Born:
Arminia ist mental stark und steht in der Defensive sehr gut. Gegen diese Mannschaft Tore zu erzielen, ist gar nicht so einfach.
Arabi: Trotz der zahlreichen Abgänge hinterlassen die Paderborner grundsätzlich noch einen recht stabilen Eindruck. Dabei hatten sie zuletzt noch das Pech, ihre Innenverteidigung verletzungsbedingt mehrfach umstellen zu müssen. Im offensiven Bereich verfügt der SCP über eine individuelle Klasse, die Spiele entscheiden kann.

Welchen Spieler des Gegners würden Sie vielleicht auch gern im eigenen Kader sehen?
Arabi:
Marvin Bakalorz beobachte ich schon länger. Er hat in Paderborn eine sensationelle Entwicklung durchgemacht.
Born: Arminia hat einige interessante Spieler im Kader. Christoph Hemlein war zum Beispiel in der Vorsaison richtig stark. Fabian Klos, der seine Qualität in der 3. Liga eindrucksvoll unter Beweis stellte, wird in der 2. Liga auch seine Tore machen.

Sollte es einen Verlierer geben, dann würde sich dieses Team zunächst mal im Tabellenkeller festsetzen. Stimmt das im Vorfeld nicht ein bisschen nervös?
Arabi:
Wir werden die Punkte natürlich keinesfalls leichtfertig verschenken. Andererseits fällt zum jetzigen Saison-Zeitpunkt auch noch keine endgültige Entscheidung. Das Derby ist also kein Endspiel.
Born: Das sehe ich ganz genauso. Vor Spielen beschäftige ich mich aber nur allzu ungern mit dem Gedanken an eine Niederlage.

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