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Schrecksekunde: Samir Benamar verschluckte beim Training seine Zunge und musste ins Krankenhaus.
Schrecksekunde: Samir Benamar verschluckte beim Training seine Zunge und musste ins Krankenhaus.

Arminia Bielefeld Samir Benamar gibt nach Trainings-Unfall Entwarnung

DSC-Neuzugang war kurz bewusstlos / Klos nach eigener Verletzung sensibilisiert

Peter Burkamp und Martin Fröhlich
30.07.2015 | Stand 30.07.2015, 23:00 Uhr |

Bielefeld. Kollektives Aufatmen bei den Arminen-Profis und den Verantwortlichen: Neuzugang Samir Benamar, der nach einem Zusammenprall mit Fabian Klos zwischenzeitlich bewusstlos war und dem die Zunge in den Rachen gerutscht war, geht es wieder gut. Nach einer Untersuchung in der Ambulanz durfte er das Franziskus Hospital nach einer Stunde wieder verlassen. Der Verdacht auf Gehirnerschütterung bestätigte sich nicht.

Kurz vor Ende des Vormittagstrainings war Benamar mit Klos in einem Luftduell zusammengeprallt. Als der 22-Jährige liegenblieb, reagierten die Umstehenden schnell. „Als ich Samir auf dem Spielfeld erreicht habe, sah ich, dass seine Augen verdreht waren. Mit Hilfe von Christian Müller konnte ich den Mund geöffnet halten und so die Zunge nach vorne ziehen“, erinnerte sich Physiotherapeut Michael Schweika.

Die Gefahr beim Verschlucken der Zunge liegt darin, dass die Zunge die Luftröhre blockiert und kein Sauerstoff mehr in den Körper gelangt. „Dann muss man sehr schnell reagieren“, wie der Bielefelder HNO-Arzt Roger Trutti sagt: „Mehr als 30 bis 60 Sekunden sollte das nicht dauern.“ Beim sogenannten Verschlucken wird aber nicht die Zungenspitze verschluckt. „Durch die Bewusstlosigkeit entspannt sich die Muskulatur maximal und die komplette Zunge rückt nach hinten“, so Trutti. Die einzig richtige Maßnahme sei der Griff in den Mund des Bewusstlosen. „Die Zunge muss nach vorn gezogen und festgehalten werden“, sagt Trutti. Entsteht dadurch ein Würgereflex, hat das oft den Effekt, dass der Bewusstlose wieder wach wird. „Ansonsten sollte man ihn in die stabile Seitenlage bringen, falls er sich noch erbricht.“

Arminias Stürmer ist ein gebranntes Kind

„Wir waren alle froh, dass er sich hinsetzen konnte und geredet hat“, berichtete Fabian Klos. Arminias Stürmer ist ein gebranntes Kind. Er selbst hatte nach einem Zusammenstoß mit dem Kaiserslauterer Mo Idrissou im Oktober 2013 schwere Verletzungen und Brüche im Gesicht erlitten. „Natürlich denke ich immer noch an diese Situation. Seitdem bin ich sensibilisiert, wenn einer länger liegenbleibt, egal ob es der Mitspieler oder einer des Gegners ist“, sagte Klos. Er sei sehr erleichtert gewesen, als sein Mitspieler wieder aufrecht saß.

„Trotzdem habe ich zum Trainer gesagt, dass Benamar unbedingt zur Untersuchung ins Krankenhaus sollte“, erzählte Klos. Der gerufene Rettungswagen war auch schnell am Trainingsgelände. „Warum dann noch der Hubschrauber kam, weiß ich auch nicht“, meinte Klos. „Es war einfach ein unglücklicher Zwischenfall. So etwas wird weiter passieren. Zum Glück hatten die Physios alles gut im Griff. Wir waren alle froh, dass Benamar nichts passiert ist.“ Kaum hatte Benamar das Krankenhaus wieder verlassen, meldete er sich bei seinem Team und sorgte für Erleichterung.

Meier: "Kann schnell lebensgefährlich werden"

Betroffen zeigte sich auch Trainer Norbert Meier, der die Szene miterlebt hat, im Videointerview mit nw.de: „Sowas kann schnell lebensgefährlich werden. Da sieht man mal, wie schnell gute Laune in einen Schockzustand umschwingen kann.“ Weiter äußerte sich Norbert Meier über den FSV Frankfurt, den er trotz des verpassten Saisonstarts gegen RB Leipzig für einen schwer zu bespielenden und unbequemen Gegner hält.

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