0

Arminia Bielefeld Meiers Spieler erkämpfen ein bemerkenswertes 0:0 auf St. Pauli

Klos entschuldigt sich für vergebene Chance

Jörg Fritz
27.07.2015 | Stand 26.07.2015, 20:40 Uhr |

Die Hamburger Woche verlief für Arminia Bielefeld äußerst verheißungsvoll und gibt ein gutes Gefühl für die kommenden Aufgaben in der 2. Fußball-Bundesliga. Dem 2:0-Testspielsieg vor zehn Tagen gegen den Bundesligisten Hamburger SV folgte ein hochverdientes 0:0 am Millerntor gegen den FC St. Pauli, der nunmehr seit sechs Zweitligaspielen sieglos gegen die Ostwestfalen ist. „Die Arminen haben uns das Leben schwer gemacht“, meinte St. Paulis Trainer Ewald Lienen nach dem Saisonauftakt, der im erweiterten Stadion von 29.546 Zuschauern verfolgt wurde, darunter 3.000 Besucher, die sich als Arminen-Anhänger zu erkennen gaben. Dieser Teil des Publikums hatte 45 Minuten lang großen Spaß am Auftreten des Aufsteigers, der mit Beginn der zweiten Halbzeit seine Nervosität und den Respekt vor dem Gegner endgültig abgelegt hatte. „In den ersten 45 Minuten spielten wir zu ängstlich“, meinte Innenverteidiger Julian Börner. Dieser Meinung war auch Torhüter Wolfgang Hesl, der neben Brian Behrendt und Michael Görlitz zu den drei Neuerwerbungen zählte, die Trainer Norbert Meier in die Startelf berief. „Wir waren in dieser Phase zu passiv und kamen fast immer einen Schritt zu spät.“Ordnung in der zweiten Halbzeit Meier reagierte zur Halbzeit und sorgte mit der Einwechslung von Christoph Hemlein für Behrendt für mehr Ordnung. Hemlein rückte für Manuel Junglas, der seinen etatmäßigen Sechserposten einnahm, auf die rechte Außenbahn. „Diese Umstellungen haben sich ausgezahlt“, sagte Norbert Meier, der das „0:0 als Ergebnis der besseren Art“ bezeichnete. Arminia blieb somit im siebten Spiel hintereinander ohne Gegentor, was für die Zukunft hoffen lässt. Meier: „Die Null steht hinten, obgleich wir nicht ausschließlich defensiv spielen. Es ist das Ergebnis unserer Ordnung. Sie ist die Basis in unserem Spiel.“ Die guten Testspielresultate waren somit keine Makulatur, sondern ein erster Hinweis auf ein gut funktionierendes Kollektiv Viel hätte nicht gefehlt und der freche Aufsteiger wäre mit einem Dreier nach Hause gefahren. Ab der 75. Minute übernahmen die Bielefelder das Kommando, während die Gastgeber dieser Temposteigerung nichts entgegenbringen konnten. „Wir haben den Mut gehabt, in der Schlussphase auf Sieg zu spielen“, stellte ein zufriedener Bielefelder Coach fest. St. Paulis Torhüter Robin Himmelmann verhinderte mit zahlreichen Glanzparaden einen Sieg des Außenseiters. Die größte Chance hatte Kapitän Fabian Klos in der 83. Minute, als er nach einer Flanke von Christian Müller freistehend nur einen schwachen Kopfball zustande brachte. „Ich habe mich bei meinen Mannschaftskollegen entschuldigt“, sagte der Torjäger. „Normalerweise verwandle ich solche Chancen blind.“ Sebastian Schuppan (87.) mit einem Kopfball sowie Dennis Mast in der Nachspielzeit hatten zwei weitere gute Möglichkeiten für einen Bielefelder Treffer. Wolfgang Hesl, der mit einigen guten Paraden einen Rückstand der Arminen verhinderte, fasste die 90 Minuten treffend zusammen. „Wir können noch zulegen“, meinte der Keeper, der sich auf den ersten Heimauftritt gegen den FSV Frankfurt freut. „Das 0:0 in St. Pauli gibt uns Selbstvertrauen.“ Nach diesem „guten Start“, so Norbert Meier, ist mit 20.000 Zuschauern am Freitag zu rechnen. Die Neugierde auf die neue Arminia ist groß. Lesen Sie auf der nächsten Seite alles über die überraschende taktische Ausrichtung im Spiel Mit der taktischen Ausrichtung hatte wohl auch St. Paulis Coach Ewald Lienen nicht gerechnet. Für das erste Zweitligaspiel der Saison 2015/16 hatte sich Arminia Bielefelds Trainer Norbert Meier ein offensives 4:4:2-System ausgedacht, in dem Christian Müller neben Fabian Klos in der Offensive spielte. Müller, vielseitig verwendbar, erfüllte diese Aufgabe mit Bravour. „Er hat ein richtig gutes Spiel gemacht“, lautete das Lob seines Trainers. „Er war der aktivere Part im Angriff“, meinte Meier nach Müllers beeindruckendem 90-Minuten-Auftritt am Millerntor, „der ohne Kräfteverschleiß von ihm bestritten wurde.“ Der gebürtige Berliner, der zu den technisch versiertesten Spielern im Aufgebot der Arminen gehört, befindet sich in der Form seines Lebens. Müller, der bereits in den Testspielen fünfmal erfolgreich war, profitiert von der erstmals seit Jahren verletzungsfrei absolvierten Vorbereitungsphase. „Er ist topfit“, meint sein Trainer.Müller und Klos harmonisieren Mit seiner Schnelligkeit und seinen technischen Fähigkeiten ist der verletzungsanfällige Spieler (21 Operationen) gerade bei Auswärtsspielen die ideale Ergänzung bei Kontern zu Torjäger und Kapitän Fabian Klos. Beide harmonieren gut miteinander auf dem Platz. Aber auch als Zehner hat sich Müller zu einer festen Größe im Mittelfeld der Bielefelder entwickelt und liefert sich dort einen packenden Zweikampf mit David Ulm um einen Platz in der Startelf. In der Vergangenheit haben sich fast alle Stürmer schwer getan, sich gegen den gesetzten Fabian Klos zu behaupten, der in 133 Meisterschaftsspielen 62 Tore erzielte, zumal die Variante mit zwei Stürmern zumindest bei Meier-Vorgänger Stefan Krämer verpönt war. Eric Agyemang (neun Tore in 39 Meisterschaftsspielen), Sebastian Glasner (zwei Tore in 14 Meisterschaftsspielen), Pascal Testroet (neun Tore in 51 Meisterschaftsspielen), Francky Sembolo (kein Tor in acht Meisterschaftsspielen) sowie Koen van der Biezen (ein Tor in zwölf Meisterschaftsspielen) mussten dem übermächtigen Klos Tribut zollen. Lediglich Kacper Przybylko bildete in der Abstiegssaison 2013/14 eine Ausnahme. Fünf Tore in 16 Meisterschaftsspielen waren im Zusammenspiel mit Klos eine ordentliche Quote. Mit Spannung wird die weitere Entwicklung von Neuzugang Christopher Nöthe erwartet, der nach einem Trainingsrückstand auf dem Weg zu seiner Bestform ist. In Fürth zählte der 27-jährige Stürmer in den vergangenen Jahren immer zu den erfolgreichsten Torschützen.

realisiert durch evolver group