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Bielefeld langweilig? Nein! Arminias Spieler und Fans bewiesen bei der Aufstiegsfeier das Gegenteil. - © Christian Weische
Bielefeld langweilig? Nein! Arminias Spieler und Fans bewiesen bei der Aufstiegsfeier das Gegenteil. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Why always Bielefeld?

Wie die Presse in Darmstadt über Arminia und Bielefeld herzieht

Björn Vahle
29.06.2015 | Stand 29.06.2015, 17:51 Uhr

Bielefeld. Mario Balotelli antwortet seinen Kritikern gern umgehend. Der exzentrische Ballzauberer, der immer wieder mit den Medien (und dem Gesetz) in Konflikt kommt, hat einen Satz geprägt: "Why always me?" stand auf dem Unterhemd, das er nach einem geschundenen Elfmeter enthüllte, der den Sieg für sein Team brachte. Schaut man dieser Tage nach Hannover und Darmstadt, könnte man fragen: Why always Bielefeld? Was ist passiert? Die "Neue Presse" aus der Leinestadt nannte das baufällige Urwaldstadion am Böllenfalltor in seiner Samstagsausgabe "Ekel-Stadion". Das "Darmstädter Tagblatt", in einem Anfall von Lokalpatriotismus, sprang dem Bundesliga-Neuling bei. Wie denn überhaupt Kritik aus einer Stadt kommen könne, die im Ranking der aufregendsten Städte Deutschlands sogar hinter Bielefeld steht. Seit der Relegation gegen Arminia im vergangenen Jahr sei doch wohl Darmstadt eine Marke, Hannover hingegen eine graue Maus. Schlimmer noch als Bielefeld. Es müssen folgende drei Fragen erlaubt sein: Was? Zum? Geier? Oder eben: Why always Bielefeld? Warum kommt scheinbar jedem beschreiberlaubnissten Redaktionsmitglied dieses Landes Bielefeld in den Sinn, wenn es um Langeweile geht? Und wie kommt das Lokalblatt aus Darmstadt zu einer solchen Kritik? Immerhin ähnelt das Stadtion der 98er ja tatsächlich vage einem der ordentlicheren Sportplätze der bolivianischen Provinz (Sorry, Bolivien. Du kannst nun wirklich nichts dafür.). Vielleicht ist das aber nicht die richtige Frage. Vielleicht ist die richtigere Frage: Wie gering muss das Selbstwertgefühl einer Stadt sein (wir verallgemeinern hier mal), wenn sie eine Stadt diskreditieren muss, die, glaubt man einer Werbekampagne, 130 Worte für "Verlieren beim Fußball" kennt? Bei dessen Heimatverein, den die ach so phönixhaften aus Darmstadt vor einem Jahr erst kurz vor knapp besiegten, die Fans im Stadion nach den ersten fünf Minuten der neuen Saison patzig maulen: "Schon wieder dieselbe Grütze wie letztes Jahr." Hat Darmstadt also nötig, sich so eine Stadt verbal unterzuordnen, und das völlig ohne Anlass? Wie Mario Balotelli pflegt die Arminia für gewöhnlich postwendend zu antworten. Dem bitteren Abstieg folgte der souveräne Wiederaufstieg, eine atemberaubende Pokalgeschichte, die den DSC-Fans bundesweit Respekt einbrachte.   Und das alles mit Mitteln, die denen des SV Darmstadt 98 so unähnlich nicht sind. Vielleicht verbindet die ehemaligen Relegations-Rivalen also doch etwas, denn die Wahrheit ist: Metropolen von Weltrang sind Darmstadt und Bielefeld nicht, werden es wohl nie sein. Graue Mäuse wie aus dem Lehrbuch. Ist es dort deshalb langweilig? In einer der Städte gar mehr als in der anderen? Wohl kaum. Darum: Why always Bielefeld? Why not Darmstadt?

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