Bielefeld Arminia im Pokal-Halbfinale: Noch ein Sieg bis Berlin

Selbstbewusste Gastgeber sehen Partie gegen Wolfsburg gelassen entgegen

Bielefeld. Wenn es Trainingsziel war, die Spieler voller Vorfreude und Selbstvertrauen ins Pokal-Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg zu schicken, hat Norbert Meier alles richtig gemacht. Von Tom Schütz über Manuel Junglas bis zu Alexander Schwolow - Arminias Profis strahlten am Tag vor dem großen Spiel in der ausverkauften Schüco-Arena, große Ruhe und Gelassenheit aus. Alle wissen um die Stärke des Bundesligazweiten. "Wolfsburg ist Champions-League-Kandidat, eine Mannschaft, die im Normalfall nicht auf unserem Level steht", drückte Norbert Meier sehr vornehm den kleinen Unterschied zwischen den beiden Klubs aus. Ligaübergreifend rangiert Wolfsburg 35 Plätze über dem DSC. Aber Bange machen gilt nicht. Auf die Frage, wo er sich am 30. Mai (Termin des Pokalfinales) befinde, antwortete Tom Schütz schmunzelnd: "Wenn es gut läuft in Berlin." Arminias Profis wissen um ihre Chance, und sie wissen, was sie erwartet. "Wir müssen um unser Leben rennen. Diese Chance, nach Berlin zu kommen, kriegen wir vielleicht nur einmal im Leben", sagte Manuel Junglas. "Möglichst lange zu null spielen", lautete seine einfache Devise, "denn gegen einen Bundesligisten einem Rückstand hinterherzulaufen, ist schwer", weiß der 26-Jährige."Alles im Kollektiv lösen" Der Mittelfeldspieler und bislang dreifache Pokalschütze, der schon gegen Frankfurt und Bayern im Pokal spielte, ist einer der Routiniers im Team, "die schmerzlos ihr Ding runterspielen und nicht in Ehrfurcht erstarren", wie Norbert Meier sagte. Dabei ist das gar nicht so einfach, wenn auf der anderen Seite Spieler wie Luiz Gustavo ("Den haben meine Jungs gerade noch bei der WM in Brasilien gesehen") und Kevin de Bruyne stehen. Über Wolfsburgs Ausnahmeangreifer hat sich Norbert Meier natürlich spezielle Gedanken gemacht. Einen "technischen Berater" (Meier), sprich Manndecker, wird der DSC-Trainer jedoch nicht auf de Bruyne ansetzen. "Wir müssen erneut eine gute Grundordnung haben und alles im Kollektiv lösen." Meier versucht, mit seiner Mannschaft in Sachen Taktik ständig im Dialog zu bleiben. Nachdem er Wolfsburg zuletzt mehrmals gesehen hatte, habe er einige Ideen verworfen. "Das habe ich der Mannschaft erzählt, die Jungs beschäftigen sich viel mit Fußball. Wir haben hier keine Dummhansels", sagte Meier. Offenbar ist es dem Trainer gelungen, ein Vertrauensverhältnis zu der "Mannschaft ohne Stinkstiefel" (Junglas) aufzubauen. "Du musst dich interessieren, in die Seelen reinkommen", meinte Meier, der auch mal eine Rückmeldung einfordert, wenn einer seiner Spieler abends eine Englisch-Abiturarbeit schreibt. Und weil sich Meier nicht nur für Fußball interessiert, verübelt er es auch keinem seiner Spieler, wenn dieser sich gedanklich mit Berlin beschäftigt. Und zwar nicht wegen "eines Wochenendausflugs mit der Freundin und einer Fahrt mit dem Gummiboot auf der Spree. Auch ich habe schon an Berlin gedacht. Das ist doch nur menschlich", sagte der DSC-Trainer. Norbert Meier gönnt seiner Mannschaft und den Fans die Teilnahme am Pokalendspiel: "Aber vorher müssen wir noch viel leisten." Gegen Wolfsburg gewinnen. Wer dabei die Tore schießt, ist Manuel Junglas egal: "Von mir aus auch die Eckfahne."

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