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Fester Blick: Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs spekuliert in dieser Saison auf einen Titel - den Gewinn des DFB-Pokals. - © imago
Fester Blick: Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs spekuliert in dieser Saison auf einen Titel - den Gewinn des DFB-Pokals. | © imago

Bielefeld/Wolfsburg Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs im Interview über Arminia

"Wir müssen hellwach sein"

Jörg Fritz
28.04.2015 | Stand 28.04.2015, 14:02 Uhr

Bielefeld/Wolfsburg. Über die unglückliche 0:1-Niederlage in Mönchengladbach ärgerte sich Klaus Allofs auch am Tag danach noch sehr. "Wir waren einen Moment unaufmerksam", sagte der 58 Jahre alte Geschäftsführer Sport des VfL Wolfsburg. Allofs, der seit November 2012 nach zuvor 13-jähriger Tätigkeit in Bremen beim VfL Wolfsburg die sportlichen Geschäfte leitet, äußert sich im Gespräch mit Jörg Fritz über das am Mittwoch bevorstehende Halbfinale im DFB-Pokal auf der Alm gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld. Herr Allofs, der VfL Wolfsburg hat seit vier Spielen nicht mehr gewonnen. Befindet sich die Mannschaft in einem kleinen Leistungsloch? KLAUS ALLOFS: Zu dieser Einschätzung kann man kommen. Andererseits haben wir sowohl beim 1:1 gegen Schalke, beim 0:1 in Mönchengladbach und auch beim 2:2 in Neapel ordentlich gespielt. Beim 1:4 in Wolfsburg gegen die Italiener mussten wir der fehlenden internationalen Erfahrung Tribut zollen. Wir haben keine Krise. Nur die Ergebnisse stimmen derzeit nicht. Die Vizemeisterschaft ist greifbar nahe. Wie wichtig ist dieser Titel für den Verein? ALLOFS: Wir haben eine rasante Entwicklung gemacht, stehen aber erst am Anfang. Wir sind noch lange kein Bayern-Jäger. Wichtig ist für uns der nächste Schritt. Für mich ist die direkte Champions-League-Qualifikation von größter Bedeutung. Dann hätten wir Planungssicherheit. Sie sind seit zweieinhalb Jahren in Wolfsburg tätig. Haben Sie diese Erfolge so schnell erwartet? ALLOFS: Dieser Prozess ist nahezu ohne Rückschläge erfolgt, was nicht unbedingt zu erwarten war. Hat Ihre Arbeit für Sie in Wolfsburg nicht einen medialen Vorteil, da es dort ruhiger zugeht als in Metropolen wie München oder Hamburg? ALLOFS: Nein. Auch wir müssen gewinnen. Es herrscht in Wolfsburg kein medialer Dornröschenschlaf. Auch wir werden von den regionalen und überregionalen Medien kritisch beäugt. Der VfL ist kein Biotop. Gerade in finanziellen Dingen müssen wir uns überregional erklären. Ist das Team Dieter Hecking und Klaus Allofs in Wolfsburg vergleichbar mit dem früheren Bremer Traumpaar Thomas Schaaf und Allofs? ALLOFS: Der rote Faden bleibt, da man sich an Prinzipien hält. Die Arbeit in Bremen und Wolfsburg ist ähnlich strukturiert. Das gilt auch für beide Vereinsführungen. Sind Schaaf und Hecking in den Arbeitsweisen ähnlich? ALLOFS: Meine Zusammenarbeit mit beiden Fußballlehrern ist sehr vertrauensvoll ausgerichtet. Loyalität ist dafür die Voraussetzung, ohne Kumpanei aufkommen zu lassen. Sie haben Ihren Vertrag vorzeitig um drei Jahre verlängert. Welche Ziele verfolgen Sie? ALLOFS: Richtig ist, dass es auf eine Verlängerung hinausläuft. Unterschrieben ist aber noch nichts. Wir wollen permanent zu den besten vier Mannschaften in Deutschland gehören und den Abstand zu Bayern sowohl sportlich als auch finanziell verringern. Die Voraussetzungen dafür haben wir. Die Teilnahme an der Champions League 2015/16 ist eine große Herausforderung für den VfL. Wie gehen Sie die Königsklasse an? ALLOFS: Erst einmal müssen wir uns für diesen Wettbewerb direkt qualifizieren, was aber wohl gelingen sollte. Wir müssen im Schnelltempo lernen und uns noch intensiver im sportlichen Bereich fokussieren. In der Champions League fließt viel Geld - auch nach Wolfsburg. Werden weitere Stars verpflichtet? ALLOFS: Mit der Verpflichtung von Andre Schürrle in der Winterpause haben wir einen Vorgriff auf die kommende Champions-League-Saison getätigt. Natürlich sind wir bemüht, die Teamqualität zu verbessern. Weitere Superstars sind aber nicht geplant. Auch die Verbesserung der Infrastruktur nimmt für uns eine besondere Bedeutung ein. Dazu zählen beispielsweise das neue VfL-Center mit der Geschäftsstelle oder die im März eröffnete VfL-Fußballwelt. Ein Titel mit dem Gewinn des DFB-Pokals ist in dieser Saison möglich. Wie wichtig wäre ein solcher Erfolg? ALLOFS: Wir sind ein noch junger Verein und haben die ganz großen Erfolge noch nicht aufzuweisen. Wir wurden 2009 Meister und haben 1995 das Pokalfinale gegen Borussia Mönchengladbach verloren. Gerade Titel und Endspielteilnahmen bedeuten Schwung für die öffentliche Wahrnehmung. Wie schätzen Sie den Gegner Arminia Bielefeld ein? ALLOFS: Ich könnte folgende Rechnung aufstellen: Der vermeintliche Klassenunterschied zwischen einem Bundesliga-Spitzenteam und dem Drittligisten erscheint nicht mehr so groß. Wir müssen hellwach sein, da Arminia drei Erstligisten ausgeschaltet hat. Der Respekt ist groß. Es wird dort gut gearbeitet. Wir sind aber Favorit. Dieses Selbstbewusstsein haben wir. Kennen Sie Arminias Trainer Norbert Meier noch aus Ihrer Zeit bei Werder Bremen? ALLOFS: Nein, aber im Nationalteam haben wir einige Spiele miteinander bestritten.

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