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Arminia: Meiers grimmiger Geburtstag

Spieler verteilen beim 2:4 in Rostock Geschenke an den Gegner

TORSTEN ZIEGLER
22.09.2014 | Stand 22.09.2014, 11:07 Uhr
Arminia: Meiers grimmiger Geburtstag - © Arminia
Arminia: Meiers grimmiger Geburtstag | © Arminia

Rostock. Um Mitternacht von Freitag auf Samstag überraschte das Funktionsteam den DSC-Trainer mit einer Torte. Das sollte aber schon das einzige Geschenk gewesen sein, das Arminia für den 56 Jahre alt gewordenen Norbert Meier parat hatte.

Spendabel zeigten sich die ostwestfälischen Drittliga-Kicker dennoch. Großzügig luden sie Hansa Rostock drei Mal zum Toreschießen ein, den vierten Treffer steuerten sie sogar selbst in Form eines Eigentores bei. Das Geburtstagskind fasste die 2:4 (0:2)-Schlappe entsprechend grimmig zusammen: "Ich habe heute Vieles gesehen und nehme Vieles mit." Das klang wie eine Drohung und war auch so gemeint, wie Meier verdeutlichte: "Es können sich ja schnell mal Veränderungen im Kader ergeben."

So positiv, wie sich Arminia zuletzt in sieben Pflichtspielen ohne Niederlage präsentiert hatte, so rar waren diesmal die schönen Momente. Das späte Aufbäumen, als nach dem 0:3 in der 66. Minute fast alles verloren schien und Hansa-Coach Peter Vollmann seine Elf "mächtig wackeln" gesehen hatte, ließ sich gewiss als Pluspunkt werten. Auch die Tatsache, dass der Schlussspurt trotz der vorangegangen Reisestrapazen und des Mittwoch-Samstag-Rhythmus? physisch möglich war, zählte zu den beruhigenden Aspekten des warmen Spätsommernachmittags an der Ostseeküste. "An der Müdigkeit lag es gar nicht, sonst hätten wir am Ende nicht so drücken können", betonte Kapitän Fabian Klos. Aber was führte dann zu diesem insgesamt halbgaren Auftritt, für den Klos erst die "Worte fehlten", den er schließlich doch als "grottenschlecht" und "unter aller Kanone" bezeichnete?

"Wir haben teilweise fahrlässig agiert"

Meier registrierte eine Leistung mit "geringerer Laufbereitschaft als zuletzt" und mit nicht "genügender Aggressivität". Und das, "obwohl ich genau davor gewarnt hatte". Überheblichkeit sei es jedoch nicht gewesen, so Meier, obwohl diese Vermutung naheliegt, wenn eine Partie mit diesen eindeutigen Voraussetzungen total anders als erwartet verläuft. Auf der einen Seite hatte Hansa seit 280 Tagen kein Heimspiel mehr gewonnen und in dieser Spielzeit in der DKB-Arena nur einen von zwölf möglichen Punkten geholt, auf der anderen hatte sich Arminia nach 13 von 15 möglichen Punkten aus den letzten fünf Partien vermeintlich stabilisiert. Doch dann gingen die Schüsse brutal nach hinten los. Schon nach vier Minuten hatte sich Hansa erstmals auf der rechten Seite locker durchkombiniert und war in Person von Dennis Srbeny am klar besten Bielefelder, Torwart Alexander Schwolow, gescheitert.

Norbert Meier (l.) will nicht glauben, was er sieht. Auch Sportchef Samir Arabi schimpft. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Norbert Meier (l.) will nicht glauben, was er sieht. Auch Sportchef Samir Arabi schimpft. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

In der Folge reichte es dem Gastgeber, auf Arminen-Fehler in der Vorwärtsbewegung zu lauern. "Wir haben teilweise fahrlässig agiert", sagte Meier und spielte damit nicht nur auf die Ballverluste auf der rechten Seite an, die zu zwei sicher verwandelten Foulelfmetern (26./28. Minute) führten, sondern hatte mehrere Szenen im Kopf. Auch das Verhalten in der viel zu spät gestarteten Drangperiode nach dem 0:3-Rückstand (Eigentor Schuppan; 66.) ärgerte Meier. Da bekam Pascal Testroet sein Fett ab ("Ich weiß gar nicht, wo er in der einen Szene mit dem Ball noch hin wollte"), da rüffelte er einen anderen anonym (vermutlich Florian Dick) für mangelnde Disziplin beim K.o.-Konter zum 2:4 (86.). "Einer von uns ist abgestellt, als zweiter Mann neben Salger zu stehen. Er versteckt sich aber irgendwo auf dem Platz mit der Tarnkappe. Das ist verantwortungslos, es passt zum Ablauf des Tages, dass wir genau dieses Tor kassieren", monierte Meier, dessen Geburtstag eben nur gut angefangen hatte. Und mehr nicht.

Information
Disput mit dem Schiedsrichter

Nach dem Schlusspfiff baute Fabian Klos seine 1,94-Meter vor Harm Osmers auf und redete und gestikulierte heftig auf den Schiedsrichter ein. "Ich hatte von Beginn an den Eindruck, dass er durchgängig alle Kleinigkeiten gegen uns entschied. Das habe ich ihm gesagt", schilderte Klos seinen Disput. Der DSC-Kapitän war aber trotz der zwei Elfmeter davon entfernt, nach einer Ausrede zu suchen: "Hauptschuldig sind wir."

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