Bielefeld Arminia-Fan traf im Wartezimmer sein Idol

Dieter Ohnesorge traf 1968 im Wartezimmer sein Arminia-Idol. Die Begegnung versetzt ihn noch heute in freudige Stimmung

Ansgar Mönter

Bielefeld. Dieter Ohnesorge öffnet seinen voll bepackten Leitz-Ordner und zieht eine Klarsichtmappe mit einem vergilbten Blatt Papier hervor. Darauf steht in roter Schrift: "Dem lieben Dieter zum steten Andenken. Dein Arminia-Freund. (Unterschrift) Uli Braun, Bielefeld, den 5. März 1968." Dem 60-jährigen Arminia-Fan bedeutet dieser abgegriffene Zettel sehr viel. Dafür hat er mehrere Gründe. "Ich war mit zwölf Jahren beim Arzt am Goldbach", erzählt Ohnesorge. Da sah ich Uli Braun im Wartezimmer sitzen und war ganz aufgeregt." Kurze Zeit später auf dem Untersuchungsstuhl fragte er die Arzthelferin, ob der Herr im Wartezimmer wirklich der Arminia-Spieler sei. Sie bestätigte und fragte, ob sie Patient Braun mal reinholen solle zu ihm. "Wir haben uns kurz unterhalten, ich weiß nicht mehr worüber, ich war so aufgeregt", erzählt Ohnesorge. Uli Braun hat das wohl gemerkt. Er ging und kam mit dem persönlich niedergeschriebenen Gruß an seinen kleinen Fan wieder. Das Blatt Papier wird noch heute wie ein wertvoller Schatz in der Wohnung vor Dieter Ohnesorge verwahrt. 1968, mit zwölf Jahren, war er damit für ein paar Tage der Star unter den Schülern an der Stapenhorstschule - damals noch Volksschule. "Alle wollten den Zettel sehen", sagt er. Manche waren ganz neidisch. Ein Freund zum Beispiel. "Der hat Wasser darüber ausgeschüttet, ich vermute, mit Absicht", erinnert sich Ohnesorge. Die Freundschaft war danach beendet. Ein fahrender Lebensmittelhändler führte Dieter Ohnesorge in den 1960er Jahren zur Alm. Der Kaufmann war sogar Vereinsmitglied und nahm seinen kleinen neunjährigen Kunden namens Dieter erstmals mit ins Stadion. Das war der Beginn des Fanseins. Ohnesorge wurde Stammgast auf der Tribüne, auf dem alten Block 3, heute Südtribüne. Er trug Kutte und hatte eine beeindruckende Arminiafahne von zwei Mal eineinhalb Meter Größe "mit den Autogrammen der Spieler", wie er sagt. Die Namen der Arminiastars von damals kann er noch heute flott aufzählen: Uli Braun, ganz klar, Gerd Roggensack und Ernst "Johnny" Kuster vorne, Andreas Triebel im Tor, Detlef Kemna und Dieter Schulz in der Abwehr. In seinem Leitz-Ordner hat Ohnesorge Spielberichte, Spielszenenfotos, Mannschaftsfotos, ein Bild von US-Jazz- und Schlagersänger Bill Ramsey, der 1966 auf der Alm zu Besuch war, und selbst gestaltete Blätter mit Arminen abgeheftet. Ins Stadion kann er seit einigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gehen. Mit dem Herzen ist Ohnesorge aber immer noch dabei, genauso wie früher. Die Spiele hört er im Radio oder sieht er im TV, wenn sie gezeigt werden. "Und wenn Arminia verliert, ist das Wochenende für mich immer noch dahin" sagt er.

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