"Die Kameradschaft unter den Spielern war damals kolossal": Udo Pehle zeigt ein Mannschaftsfoto aus dem Jahr 1923. Sein Vater "Mondo" Pehle sitzt vorne, ganz links. - © Wolfgang Rudolf
"Die Kameradschaft unter den Spielern war damals kolossal": Udo Pehle zeigt ein Mannschaftsfoto aus dem Jahr 1923. Sein Vater "Mondo" Pehle sitzt vorne, ganz links. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Der Mann, der den Namen „Alm“ erfunden hat

Der Spieler und spätere Anhänger Heinrich "Mondo" Pehle erfand in den frühen 1920er Jahren die Stadionbezeichnung. Sein Sohn Udo Pehle hält sein Andenken hoch

Ansgar Mönter

Bielefeld. Udo Pehle breitet die Schwarz-Weiß-Fotos auf seinem Tisch aus und betrachtet das Mannschaftsfoto von Arminia Bielefeld aus dem Jahr 1923. "Unten, ganz links, sitzend, das ist mein Vater." Heinrich Pehle, 1903 geboren, war ein blonder 20-Jähriger, als er für den DSC spielte. Er war aber nicht irgendwer. Pehle gilt als Erfinder des historischen Stadionnamens "Alm". "Er war es, der sagte, als er auf den Platz kam, hier sieht es ja aus wie auf der Alm", erzählt Sohn Udo Pehle (76). Fortan übernahmen auch andere im Verein den Begriff. Heinrich Pehle war für ein paar Jahre "Läufer" in der Mannschaft. Niemand nannte ihn Heinrich, alle riefen ihn Mondo. "Das war der Name seines Hundes, der ihn oft zum Training begleitet hat", erinnert sich der Sohn. Mondo Pehle spielte unter anderem mit Walter Klaus-Oehler im Team. Klaus-Oehler war kurzzeitig Nationalspieler. "Die Mitspieler mussten ihn Herr Klaus-Oehler rufen, nicht Walter", berichtet Udo Pehle. Klaus-Oehler war Offizier und Major im Ersten Weltkrieg. Auf Förmlichkeit und Hierarchie wurde damals offensichtlich Wert gelegt. Mondo Pehle war Arminia bis zu seinem Lebensende - er starb 1974 - immer verbunden. Nach seiner Spielerkarriere war er Obmann des Teams, später treuer Almgänger. "Wir gingen zum Sportplatz, sagte er, wenn er mich mitnahm", erzählt Udo Pehle. Sehr gut kann sich der Sohn noch an die Treffen der ehemaligen Arminen in den 1960 Jahren erinnern. "Der Kreis traf sich in der Gaststätte ?Zur Sonne? nahe des Berliner Platzes, um über vergangene Zeiten zu plaudern." Mit dabei waren unter anderem Tinnef Röhe und Willy Tiekötter. Damals wurde gemeinsam gesungen, "dazu fassten sich alle an den Händen". Beliebt war das Arminialied nach der Melodie "Zu Mantua in Banden": "Armin? bin ich und will es sein, solang? mein Auge sieht; Und wenn ich einst gestorben bin und lie? im Totenschrein; als braver Bursch? wie ich gelebt, will begraben sein. Legt mir aufs Grab den Fußball hin, das Fähnlein in die Hand; und zieht mir um die kalte Brust das schwarz-weiß-blaue Band." Bei einem glühenden Anhänger wurde die im Liedtext geäußerte Bitte laut Pehle umgesetzt. Es war nach seinen Informationen ein ehemaliger Spieler namens Schwarz. "Sein Wunsch wurde ihm tatsächlich erfüllt und der Bestatter handelte entsprechend", sagt Pehle. "So befinden sich die Arminia-Farben noch heute unter der Erde." Udo Pehle selbst ist nie so ein glühender Fan geworden wie sein Vater. Nahe fühlt er sich dem Verein dennoch, allein durch die Familiengeschichte. "Alles rund um Arminia interessiert mich."

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