Bielefeld/Liverpool Fan-Geschichten: Ein echter Liverpooler liebt Arminia

Lee Owen wurde über eine Punkband zum Anhänger des DSC

Ansgar Mönter

Bielefeld/Liverpool. Er ist Engländer, er wohnt in Liverpool - und er ist Fan des DSC Arminia Bielefeld: Lee Owen (40) ist unter den Anhängern der Schwarz-Weiß-Blauen sicher eine Kuriosität, allein schon wegen seiner Herkunft. Und auch der Weg zur Arminia ist ungewöhnlich. Eine Punkband brachte ihn dahin. Eigentlich ist Owen Fan des Liverpooler Vereins FC Everton, aktuell im Tabellenmittelfeld der Premiere League platziert. Doch 2008 kam die zweite Fußballliebe hinzu. Die Punkband "Flat Back Four" tourte durch Europa. Ein Freund von ihm spielt dort mit. Ein Konzert gab es in Bielefeld. Mike Rüschoff, Betreiber der Desperados-Bar, hatte die Band hergeholt. Rüschoff hat einst in Liverpool studiert. Owen nahm Kontakt auf, lernte den Fanclub "The Firm" kennen - und landete im Dezember 2008 das erste Mal auf der Alm. Arminia spielte gegen Borussia Dortmund 0:0. "Seitdem komme ich drei bis vier Mal pro Saison zu Heimspielen von Arminia", sagt der Liverpooler. Besonders heiß ist er in den vergangenen Jahren auf die Derbys gegen Münster gewesen. In deren Stadion war er auch mal, beim 0:4. "My worst day", schreibt Owen. Sein schlimmster Arminiatag. Der DSC ist nicht einfach nur ein spleeniges Hobby von ihm. Lee Owen ist Fan durch und durch. Zwei Tattoos zieren seinen Körper. Eines zeigt das Vereinswappen von Everton, "my first love"; das andere das von Arminia Bielefeld, "my German mistress" (meine deutsche Geliebte). Ein erfolgreicher Missionar in Sachen Schwarz-Weiß-Blau ist er außerdem: Seine Freundin Katie hat ihn schon begleitet zu seinen Fußballausflügen nach Deutschland. Sie war gleich begeistert. Beim ersten Mal war sie beim Aufstiegsspiel 2013 gegen Osnabrück dabei. Bekanntlich ging es gut aus, Arminia stieg auf. Die Party danach war "amazing", wie Owen berichtet. "Meine Freundin dachte, es sei immer so. Aber sie hat schnell gelernt", fügt er an. Kumpel Kevin ist auch mal mitgekommen. Und nun hat es sogar seine Enkelin Paige (5) erwischt. Die Kleine ist zumindest schon mit Arminia-Shirt ausgestattet. Lee Owen hat mittlerweile einige Freunde rund um die Alm gefunden. Bei Mitgliedern von The Firm kommt er unter, wenn er hier ist, auch mit Tim Santen, Pressesprecher von Arminia, ist er gut befreundet. Den Fußball in Deutschland findet er ebenso attraktiv wie den in England. Einen erheblichen Vorteil aber gibt es hier: Die Eintrittspreise sind nicht so gigantisch teuer. "Ein normales Ticket in Everton kostet 50 Euro", schreibt er. Und das sei längst nicht das teuerste. Mit ein paar Getränken und etwas zu Essen komme man schnell auf 100 Euro Kosten. Außerdem hätten die kleineren Clubs der Premiere League deutlicher das Nachsehen gegenüber den schwerreichen Vereinen mit Großsponsoren, darunter FC Chelsea, Manchester City, Manchester United oder FC Liverpool. Einen reichen Lieblingsverein hat sich Lee Owen in Deutschland nicht ausgesucht. Dafür einen, der ihm viel Spaß bereitet - und für den er unter seinen Freunden in England ziemlich oft Kopfschütteln erntet: "All of my friends know I follow Arminia, most think I'm crazy." (Alle meine Freunde wissen, dass ich Arminia-Fan bin, die meisten denken, ich sei verrückt).

realisiert durch evolver group