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Gründe für Arminias Abstieg: Krämer zu stur, Kader zu schwach

VON PETER BURKAMP
23.05.2014 | Stand 23.05.2014, 11:27 Uhr
Krämer zu stur,

Kader zu schwach - © Arminia
Krämer zu stur,
Kader zu schwach | © Arminia

Bielefeld. Schon Generationen von DSC-Verantwortlichen befanden sich in dieser Situation. Nach der Trauer über den Abstieg werden die Scherben aufgefegt und wird Bilanz gezogen. Weniger Fehler als die anderen machen - so lautet angesichts magerer finanzieller Möglichkeiten stets die Prämisse. Gelingt das nicht, verpasst Arminia ihre Ziele. So wie in dieser Saison, als im sportlichen Bereich einiges schief lief.

  • Die Personalplanung: Ambitioniert waren die Arminen, sonst hätten sie nicht mit Sören Brandy verhandelt. Bei Union Berlin soll der Stürmer jedoch ein Vielfaches verdienen. Stattdessen kam Francky Sembolo, den Stefan Krämer angeblich wollte. Der Trainer fand letztlich keine Verwendung für ihn. Der grundsätzlich gute Plan, mit Oliver Petersch und Jan Fießer Zweitligaerfahrung einzubauen, scheiterte daran, dass Petersch aus gesundheitlichen Gründen so gut wie gar nicht und Fießer über weite Strecken nicht einsetzbar war.

    Zu wenig herausgeholt: Ex-Trainer Stefan Krämer ließ sich nichts sagen. Sportchef Samir Arabi (r.) gefiel selten, was er sah. - © FOTO:WEISCHE
    Zu wenig herausgeholt: Ex-Trainer Stefan Krämer ließ sich nichts sagen. Sportchef Samir Arabi (r.) gefiel selten, was er sah. | © FOTO:WEISCHE

    Dann erschien Anass Achahbar mit viel Vorschusslorbeer. Auch er kam bei Krämer nicht an den Start - ein gut gemeinter, letztlich verschenkter Transfer. Mit Ende der Wechselfrist kehrte Arne Feick zurück. Ein Kämpfertyp, aber keine Offensivkraft. Krämer setzte fast ausschließlich auf seine Aufsteiger, da die Nachwuchskräfte Jerome Propheter, Patrick Mainka, Khalil Kleit und Pascal Schmidt für ihn aus diversen Gründen keine Alternativen darstellten. Nach gutem Start wurde spätestens mit dem verletzungsbedingten Ausfall von Fabian Klos deutlich, dass diese Mannschaft kaum zweitligatauglich war.

    Aus der Not geboren, legte der DSC im Winter nach: Mit Vujadin Savic, Kacper Przybylko und Ben Sahar kam Qualität dazu. Vermutlich wäre es besser gewesen, vor der Saison mehr zu investieren. Die Tabelle legt nahe, dass der OWL-Nachbar bei ähnlichem Budget mehr Glück auf dem Transfermarkt hatte.

  • Die Trainer: Zu lange hielt der Liebling der Fans an seiner Linie und an einigen Spielern (Rahn) fest. Erst auf eine Dienstanweisung hin soll Krämer Lorenz links offensiv gebracht haben. Mit zwei Stürmern zu spielen, bezeichnete er stets als Option, gezogen hat er sie wenn überhaupt erst kurz vor Spielende.

    Negativer Höhepunkt des Dauerthemas Angriff war der Einsatz von Abwehrchef Hornig als Sturmspitze. Zumindest ungünstig war Krämers Wechseltaktik gegen Dresden. In der Nachspielzeit fiel der Ausgleich durch ein Kopfballtor. Zuvor waren zwei kopfballstarke Arminen rausgegangen. Fragwürdig viele Wechsel und eine schwache Vorstellung gegen Ingolstadt (0:2) führten zur Beurlaubung. Norbert Meier, der den DSC immerhin in die Relegation führte, hat auch viel gewechselt.

    Nicht immer waren seine Entscheidungen nachvollziehbar. Wo war Lorenz in der Schlussphase? War Savic nur verletzt oder eher unwillig? Meier gelang es, die Defensive zu stabilisieren. Zuletzt hieß es, dass bei einigen Profis die Fitness fehlte - dafür sind die Trainer verantwortlich.
  • Die Führung: Seit Stefan Krämer weg ist, bröckelt der Heiligenschein, der ihn bis über den Jahreswechsel hinaus zu umgeben schien. Die Gemeinschaft der Verantwortlichen - Krämer, Geschäftsführer Marcus Uhlig und der sportliche Leiter Samir Arabi - hatte schon während der Ergebniskrise im Herbst einen Knacks bekommen. Arabis Kritik an Krämers Aufstellungspraxis vor dem Derby in Paderborn tat ein Übriges. Der sehr bemühte und stets besonnen wirkende Uhlig vermochte nicht mehr zu vermitteln.

    Keine Frage, Krämer hat mitgerissen, er war durch sein Auftreten für viele die lange Zeit vermisste Identifikationsfigur. Er war aber auch stur, Vereinsvertreter könnten sagen: beratungsresistent. Verletzungspech, zu wenig Qualität im Kader und aus dem vorhandenen Potenzial zu wenig herausgeholt - das bedeutet Abstieg.
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