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Fehlverhalten | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Dynamo-Zündler sorgen für Eklat

Spielunterbrechung Mitte der zweiten Halbzeit wegen Pyrotechnik

VON DENNIS ROTHER

Dresden. Es ist die 64. Spielminute. Arminia Bielefeld hat gerade das 2:0 geschossen, als aus dem Fanblock von Dynamo Dresden plötzlich dichte Rauchschwaden aufsteigen. Gleichzeitig fliegen Böller aufs Feld, Leuchtraketen landen direkt hinter Dynamos Torwart Benjamin Kirsten. Schiedsrichter Manuel Gräfe bleibt keine Wahl: Er unterbricht das Spiel.

Arminias Fans machten gestern dagegen weniger Probleme. "Wir sind mit 16 Fanbussen angereist", sagte Christian Venghaus, Fanbeauftragter des DSC.

Bereits auf der Autobahn hatte die Dresdner Polizei den Tross in Empfang genommen und von dort mit einem Großaufgebot durch die Stadt zum Stadion geführt. "Solch ein Geleitzug kommt öfters vor, in dieser Personalstärke war er aber selten", sagte ein Polizist, als er die Einfahrt zum Gäste-Block für den ersten Arminia-Bus öffnete.

"Das ist ein Hochrisikospiel", hatte Dresdens Polizeisprecher Marko Laske bereits am Mittwoch gesagt. Im Hinspiel hatten Dynamo-Fans in Bielefeld gewütet, obendrein ging es diesmal um alles oder nichts. Die Dresdner Polizei wurde deswegen von Einsatzkräften aus Thüringen und Schleswig-Holstein verstärkt. 1.000 Polizisten waren im und am Stadion, dazu sicherten 330 Bundespolizisten die An- und Abreise der DSC-Fans. Das Konzept ging auf: Bis auf kleinere Rangeleien zwischen Sicherheitspersonal und Dynamo-Fans blieb es auf den Rängen und abseits des Platzes weitgehend ruhig.

Bis zur 64. Minute. Arminias Anhänger flippten nach dem 2:0 aus vor Freude, ein kleiner Teil der Dynamo-Fans war wegen der schwachen Leistung ihrer Mannschaft wütend. Einfach in das gellende Pfeifkonzert der fast 30.000 Schwarz-Gelben einzustimmen, reichte ihnen nicht. Rund 100 Fans zogen ihre schwarz-gelbe Kluft aus und standen plötzlich komplett schwarz gekleidet direkt hinter den Absperrgittern.

Schwarz wurde auch der Rauch, der aus der Mitte des Fanblocks stieg. Als eine Leuchtrakete über der Mittellinie verglühte, hatte Schiedsrichter Manuel Gräfe genug gesehen: Er schickte die Teams vom Platz. Die Sprechchöre aus dem Dresdner Block wurden aggressiver: "Wir sind Dynamo, und ihr nicht", rief die Fankurve in Richtung eigener Spieler. Nach Wiederanpfiff beruhigte sich die Lage.

Die rund 100 schwarzgekleideten Dynamo-Fans hielten aber nach Schlusspfiff noch Mahnwache hinter dem eigenen Tor. Als der Abstieg klar war, rollten sie für ihre eigenen Spieler ein Banner aus: "Ihr habt eine Stunde Zeit, um unsere Stadt zu verlassen." Am Zaun brannte währenddessen eine Fahne. Wegen der Drohkulisse ließ sich kein Dresdner Akteur mehr in der Kurve blicken.

Ernst wurde es nach Spielende noch kurz auf dem Wiener Platz in Dresden. Rund 100 Dynamofans warfen Feuerwerkskörper und Flaschen auf Einsatzkräfte. "Die Abreise der Gäste-Fans verlief aber problemlos", sagte Polizeisprecherin Jana Ulbricht.

Information
Bombendrohung im Hotel

In der Nacht von Samstag auf Sonntag gingen im Spielerhotel von Arminia Bielefeld zwei anonyme Bombendrohungen ein. Evakuiert werden musste das Gebäude aber nicht. Mutmaßliche Dresden-Fans haben außerdem versucht, den DSC-Tross am Schlafen zu hindern. Ab 12 Uhr wurden immer wieder Böller in der Nähe des Hotels gezündet.
Bei den Trainingseinheiten auf der Anlage des Dresdner SC am Samstag blieben die Spieler aber unbehelligt.

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