Jürgen Prüfer, Trainer des Herforder SV, hat nach dem entscheidenden Sieg gegen Meppen die obligatorische Bierdusche hinter sich und freut sich nun auf die Eliteliga. - © FOTO: YVONNE GOTTSCHLICH
Jürgen Prüfer, Trainer des Herforder SV, hat nach dem entscheidenden Sieg gegen Meppen die obligatorische Bierdusche hinter sich und freut sich nun auf die Eliteliga. | © FOTO: YVONNE GOTTSCHLICH

Ex-Armine Prüfer führt Herforder SV zum Aufstieg

Neues Ziel der Frauenfußballerinnen heißt Klassenerhalt

VON WALTER DOLLENDORF

Herford. Jürgen Prüfer war mit seiner Familie in Urlaub, als er einen Anruf bekam, der sein sportliches Leben veränderte. Ob er sich vorstellen könne, eine Frauenfußball-Mannschaft zu trainieren, fragte Birgit Schmidt, Vorsitzende des Herforder SV. "Ich habe die Reise unterbrochen und nach kurzer Bedenkzeit zugesagt", sagt der Fußball-Lehrer.

Nach Stationen beim Karlsruher SC, Arminia Bielefeld Amateure, Spvg. Brakel, TuS Dornberg, Eintracht Rheine und SC Herford nahm Prüfer im Oktober 2010 sein erstes Engagement im Frauenfußball an. Seit dem vergangenen Sonntag ist klar, dass es ein erfolgreiches ist, denn mit dem 3:2-Erfolg gegen den SV Meppen machten die Herforderinnen vorzeitig den Aufstieg in die 1. Liga perfekt.

"Als ich in Herford zusagte, hatte ich keinerlei Berührungspunkte zum Frauenfußball", sagt der 47-Jährige. Das Team war damals nach dem ersten Abstieg 2009 sofort wieder in die Eliteliga zurückgekehrt, es passte aber innerhalb der Mannschaft nicht. "Wir haben damals jemanden gesucht, der konzeptionell arbeitet und der in der Lage ist, eine Mannschaft zu entwickeln", sagt Birgit Schmidt.

Der Tipp, Jürgen Prüfer anzusprechen, kam von Christian Wück, einem weiteren Ex-Arminen, der im Trainerstab des DFB arbeitet. "Er hat uns zu einem Glücksgriff verholfen", sagt die HSV-Vorsitzende. Den Abstieg in der Saison 2010/11 konnte Prüfer nicht verhindern, doch in der 2. Bundesliga entwickelte er die Mannschaft nach seinen Vorstellungen weiter. "Ein Team, ein Herz, ein Ziel", steht auf den Aufstiegs-Shirts der Herforder Spielerinnen und damit ist Prüfers Maxime exakt umschrieben. Alles ist dem Teamgedanken unterzuordnen; wer sich nicht in die Gruppe einfügt, hat bei diesem Trainer keine Chance.

Rückschläge blieben nicht aus; zweimal scheiterte der HSV hauchdünn am dritten Aufstieg in die 1. Liga. Vor dieser Saison schwor Prüfer seine Schützlinge auf das gemeinsame Ziel ein. "Dass es jetzt geklappt hat, ist das Ergebnis harter Arbeit", sagt der Coach. Tägliches Training, auch samstags, ist unter seiner Regie Pflicht. "Die Spielerinnen ziehen super mit, deshalb haben sie es verdient, dass sie alle mitkommen in die 1. Liga", sagt der Trainer.

Dass der kleine, bislang nur 16 Frauen umfassende Kader, in der Breite verstärkt werden muss und auch wird, ist allen klar. Das neue Ziel formuliert Jürgen Prüfer so: "Der Aufstieg ist geschafft, jetzt wollen wir den Klassenerhalt."

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DIE ABWEHR HÄLT DICHT:

In den ersten beiden Heimspielen der 2. Bundesliga holte der Herforder SV jeweils nur einen Punkt, doch insgesamt zeichnete sich das Team durch große Konstanz aus. Die erste von zwei Niederlagen kassierte der HSV erst am letzten Spieltag der Hinrunde mit 0:1 bei VfL Wolfsburg II.

Auch die zweite setzte es mit dem 0:3 bei Turbine Potsdam II im Gastspiel bei der Zweitvertretung eines Champions-League-Teilnehmers. Die entscheidenden Spiele entschieden die Herforderinnen aber für sich. Spätestens nach dem 3:0-Erfolg Anfang Dezember gegen den alten Rivalen FSV Gütersloh befand sich die Elf klar auf Aufstiegskurs. Das HSV-Team überzeugt mit ungeheurer Dynamik und einer gut strukturierten Abwehr. Erst 15 Gegentore hat die Elf in 19 Spielen kassiert.

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