Arminias Trainer Meier setzt auf geduldiges Offensivspiel gegen Aue

"Harakiri funktioniert nicht"

Arminias Trainer Meier setzt auf geduldiges Offensivspiel - © Arminia
Arminias Trainer Meier setzt auf geduldiges Offensivspiel | © Arminia

Bielefeld. Arminias neuer Trainer Norbert Meier feiert am Samstag gegen Aue sein Heimdebüt. Im Interview mit Jörg Fritz und Peter Burkamp verdeutlicht der 55-jährige Fußball-Lehrer, dass er noch einiges verändern will und besonders die Position von Stürmer Fabian Klos verbessern möchte. Meier glaubt an das Potenzial seiner Mannschaft: "Es ist immer ein positiver Grundgedanke da."

Herr Meier, in Düsseldorf gab es 35 starke Minuten von Arminia. Wie viele sind gegen Aue nötig, um erfolgreich zu sein?
NORBERT MEIER:
"Es sind immer 90 Minuten, die du weitestgehend fehlerfrei spielen musst. Die Saison hat gezeigt, dass immer wieder kleine Fehler große Auswirkungen haben können. Wir haben in Düsseldorf in der 2. Halbzeit nicht desolat gespielt, aber wir haben es von der Ordnung nicht mehr so so hinbekommen, auch weil Düsseldorf durch das relativ überraschende 1:0 selbstbewusster geworden ist. Ich selbst habe in Düsseldorf gearbeitet, wir haben damals lange Zeit kein Heimspiel verloren. Man darf nicht davon ausgehen, in Düsseldorf 90 Minuten das Spiel bestimmen zu können."

Wie schätzen Sie die Situation ein. Kann am Samstag schon eine Vorentscheidung im Abstiegskampf fallen?
MEIER:
"Nein, es wird keine Vorentscheidung fallen. Die Situation erfordert viel Zusammenrücken und viel Arbeit. Das war mir klar. Ich bin kein Zauberer. Von der Ordnung her und vom Auftreten haben wir das in Düsseldorf 35 Minuten wirklich gut gemacht. Wir müssen die Fehler minimieren, sonst wirst du um den gesamten Lohn deiner Arbeit gebracht."

Mangelt es der Mannschaft an Selbstvertrauen?
MEIER:
"Die Situation ist nicht einfach. Wir haben keine Vorbereitung mehr, sondern steigen von null auf hundert ein, und es ist noch ein weiter Weg. Aber alle haben den Willen und den Glauben daran, dass wir in den zur Verfügung stehenden Spielen das Bestmögliche, den Klassenerhalt für Arminia, erreichen können."

Bielefelds neuer Trainer Norbert Meier. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Bielefelds neuer Trainer Norbert Meier. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Schalke setzt auf eine Psychologin in einer kritischen Phase. Wie stehen Sie dazu?
MEIER:
"So etwas kann man miteinbeziehen. Da muss man aber auch die unterschiedlichen Möglichkeiten von Schalke und Arminia in Betracht ziehen. Wir haben in Effi Kompodietas jemanden dabei, der für wesentliche Trainingsinhalte zuständig ist, der eine gute Aura im Umgang mit der Mannschaft hat. Erfolgserlebnisse sind wichtig, und wir müssen die Dinge, die wir im Training erarbeiten, im Spiel umsetzen."

In den letzten drei Spielen hat Arminia kein Tor geschossen. Bereitet Ihnen das Sorgen?
MEIER:
Wenn du hinten keine Treffer zulässt, hast du immerhin einen Punkt garantiert. Daher würde uns zunächst auch ein Tor reichen, wenn wir hinten zu Null spielen. In Düsseldorf hatten wir eine richtig gute Möglichkeit durch Sahar. Fabian Klos hat eine längere Zeit nicht mehr getroffen. Wir sind dabei, gewisse Dinge seines Spiels umzustellen.

Können Sie das präzisieren?
MEIER:
Klos ist ein Centerspieler. Er kann dann torgefährlich werden, wenn er im Strafraum ist und nicht auf eine Außenposition weicht. Seine Aufgabe ist es, mit der hängenden Spitze das Aufbauspiel des Gegners zu unterbinden. Wenn wir davon ausgehen, dass Fabian Klos ein Strafraumstürmer ist, dann müssen wir ihm und seinen Stärken auch gerecht werden. Wenn er bis zum eigenen Strafraum hinter den Leuten herläuft, dann ist das sicherlich ?ne tolle Geschichte, aber vorn fehlt ihm dann irgendwann die Kraft für gute Situationen. Ist Fabian Klos derjenige Spieler, der sich 15 Meter in der eigenen Hälfte die Bälle selbst holen muss, dann zeugt das davon, dass wir sehr tief stehen und der Weg zum gegnerischen Tor sehr weit ist, auch für Fabian Klos.

In der jüngeren Vergangenheit erweckte die Mannschaft den Eindruck, in Ballbesitz nicht konsequent nachzurücken.
MEIER:
In Düsseldorf haben wir mit Thomas Hübener einen gehabt, der auf der Sechs für Stabilität sorgen sollte. Du hast dann die äußeren Spieler, die einrücken müssen. Ansatzweise haben wir das in Düsseldorf gemacht. Wir hatten auch einige gute Kombinationen über die linke Seite. Dann kam aber die Flanke zu spät. Wir können nicht alle Themen innerhalb von wenigen Tagen abarbeiten. Festzuhalten bleibt, dass wir auch zu Zeiten Düsseldorfer Dominanz nicht Chancen im Minutentakt zugelassen haben. Und wir hatten auch unsere Möglichkeiten.

Sie haben es angedeutet: Es gibt mehrere Problemfelder. Wie packen Sie es in der Kürze der Zeit an?
MEIER:
Wie überall im Leben: Du nimmst die allerwichtigsten Dinge und musst Prioritäten setzen. So gestaltet, dass die Mannschaft das sofort versteht.

Wie können Sie der aktuellen Heimschwäche begegnen?
MEIER:
Sie sehen die Ausgeglichenheit in der 2. Liga. Auch Spitzenmannschaften tun sich schwer. Nehmen sie St. Pauli. Die haben seit dem 11. November jetzt das erste Mal wieder zu Hause gewonnen. Zuhause bist du mehr in der Pflicht, das Spiel zu machen, es sei denn, du spielst gegen Mannschaften, die sehr auf Ballbesitz aus sind. Wichtig ist, dass du auch mal in Führung gehen kannst. Das verschafft dir eine breite Brust. Dabei ist es wichtig, dass du geduldig bist. Dieses Sekt-oder-Selters-Spiel oder Harakiri nach vorn wird nicht funktionieren. Du musst dich auf den Gegner einstellen und überlegen: Wo kannst du ansetzen?

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