Minden Arminia-Fan Kirschneck hat Traumjob bei Fußball-Kult-Magazin "11 Freunde"

Von der Lego-Alm auf die große Spielwiese

VON CHRISTIAN BENDIG
Jens Kirschneck liebt den englischen Fußball. - © FOTO: LORENZ
Jens Kirschneck liebt den englischen Fußball. | © FOTO: LORENZ
Arminia-Fan bei Fußball-Kultmagazin "11 Freunde" - © Minden
Arminia-Fan bei Fußball-Kultmagazin "11 Freunde" | © Minden

Minden. Die Liebe zum Fußball entdeckte Jens Kirschneck bereits im Kindesalter. "Während andere Jungs mit Lego-Steinen Autos und Flugzeuge bauten, habe ich Fußballstadien nachgebaut." Seit einem Besuch der Bielefelder Alm als Zehnjähriger ist der ehemalige Schüler des Herder-Gymnasiums Anhänger von Arminia Bielefeld. "Bis dahin hatte ich ein mir heute peinliches Intermezzo als Bayern-Fan", erinnert sich Kirschneck.

Sein Werdegang als Fußball-Journalist zeichnete sich zuerst nicht unbedingt ab. Eine Ausbildung zum Stadtinspektor bei der Stadt Minden folgte nach dem Abitur. Erst einige Jahre später, neben dem Literaturstudium, begann Kirschneck beim Bielefelder StadtBlatt zu schreiben.

Nach der Episode StadtBlatt arbeitete Kirschneck als freier Journalist für große Tageszeitungen und machte sich dann 2002 gemeinsam mit Marcus Uhlig, dem heutigen Geschäftsführer von Arminia Bielefeld, selbstständig. Nebenher betrieb der heute 47-Jährige ein Geschäft für Fußball-Liebhabereien mit Büchern und historischen Trikots im Angebot, ehe der Anruf aus Berlin kam.

Philipp Köster, Arminia-Fan und aus Bielefeld stammend, hatte sich im Jahr 2000 mit einem Partner in Berlin mit "11 Freunde" selbstständig gemacht. "Ich habe eine Nacht über das Angebot geschlafen und es dann gemacht", blickt Kirschneck zurück. Das "Magazin für Fußballkultur" hatte da die schwierigsten Zeiten bereits hinter sich.

"Kinder auf der Spielwiese"

"Der Legende nach versuchten die beiden Gründer, die erste Auflage von 1.500 Exemplaren am Rande eines Pokalendspiels zu verkaufen. Es sind acht Stück weggegangen." 2003 stand "11 Freunde" vor dem Aus. "Es hat erwartungsgemäß nicht funktioniert. Sie waren pleite." Retter in der Not war ein Kölner Verlag. Von da an ging es steil bergauf, bis hin zur Nummer drei unter den deutschen Fußball-Magazinen.

Köster und Kirschneck als Kremer-Zwillinge - © FOTO: 11 FREUNDE
Köster und Kirschneck als Kremer-Zwillinge | © FOTO: 11 FREUNDE

"Wir sind eine andere Farbe der Fußball-Berichterstattung und sehen uns selbst ein wenig als Kinder auf der Spielwiese", erläutert Kirschneck das Erfolgsrezept der monatlich erscheinenden Zeitschrift. Denn "tagtäglich etwas Interessantes aus dem Fußball-Alltagsgeschäft herauszufiltern ist ein Knochenjob", bedauert der ehemalige Jugendspieler des SV Bölhorst-Häverstädt seine Kollegen der Tageszeitungen, "die in ihr 120-Zeilen-Korsett gepresst sind." Im Gegensatz dazu sind Geschichten bei den "11 Freunden" sehr viel länger. Es bleibt genügend Raum für Interessantes und Kurioses.

Wie zum Beispiel über Bojko Borrissow, den ehemaligen Präsidenten Bulgariens, der im Alter von 54 Jahren sein Profidebüt bei einem Zweitliga-Klub feierte. Die Themen entstehen "wie bei jeder anderen Zeitung auch. In der Themenkonferenz." Natürlich gäbe es hin und wieder auch verschlungene Wege, wie "Tipps von anderen Journalisten, die gerne einmal für ,11 Freunde` schreiben möchten." So wie im Fall Bojko Borrissow.

Für Texte über die Fußball-Bundesliga tritt "11 Freunde" an die Pressestellen der Klubs oder die Spielerberater heran. "Inzwischen sind wir so bekannt, dass das in der Regel funktioniert. Denn selbst in dem hartgesottenen Manager und Profi schlummere ein Fußball-Romantiker. "Deswegen mögen die uns eigentlich auch alle."

Und welchen hartgesottenen Akteur mag Jens Kirschneck? "Armin Veh. Der lässt sich nicht verbiegen, redet ungeschminkt und immer so ein bisschen ironisch."

"Es ist alles noch viel schlimmer"

Die Stärke von "11 Freunden" liegt in hintergründigen Artikeln über die Fußballwelt. "Ohne jemanden an die Wand zu stellen", betont Kirschneck. Deswegen habe es auch noch nie Ärger gegeben. Auch wegen der Kolumne über Günther Hetzer nicht. Darin werden Fußball-Größen wie Günther Netzer, Fernsehkommentator Waldemar Hartmann und Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger in einer fiktiven, feuchtfröhlichen Gesprächsrunde auf die Schippe genommen. Waldemar Hartmann habe sich als Einziger persönlich dazu geäußert und meinte: Das wäre nicht so schlimm. "In Wirklichkeit sei alles noch viel schlimmer", sagt Kirschneck und lacht.
Am kommenden Sonntag findet eine Lesung von Jens Kirschneck und Philipp Köster im Mindener Hotel Victoria, Markt 11 statt. Beginn ist um 20 Uhr. Karten im Vorverkauf in der dortigen Thalia-Filiale.

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