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Dennis Schröder - © Foto: Swen Pförtner
Dennis Schröder ist der Star der deutschen Basketballer. | © Foto: Swen Pförtner

Schröder wehrt sich WM-Finale um Olympiachance für Basketballer nur Formsache

08.09.2019 | Stand 08.09.2019, 16:40 Uhr

Shanghai - Es rumorte in Dennis Schröder. Mit deutlichen Worten richtete sich der NBA-Star an seine Kritiker, schimpfte über den Rauswurf seines Entdeckers beim Heimatverein - und formulierte eine martialische Kampfansage für den WM-Showdown der deutschen Basketballer um den Olympia-Traum. «Jeder weiß, wie wichtig das ist», betonte der 25 Jahre alte Anführer vor dem Duell mit Kanada zum Finale der WM-Platzierungsrunde am Montag (14.00 Uhr/Magentasport). «Ich glaube, jeder wird ready sein, um in den Krieg zu ziehen.» Zumindest der Sprung zu einem Olympia-Qualifikationsspiel dürfte aber keine große Hürde mehr sein. Als das Team am Sonntag bereits wieder vom Abendtraining Richtung Mannschaftshotel gefahren war, leistete die Konkurrenz Schützenhilfe. Selbst eine Niederlage mit bis zu 48 Punkten würde beim letzten Auftritt in China reichen, mit einem Sieg über Kanada wäre der Sprung zu einem von vier vorolympischen Qualiturnier im nächsten Sommer ohnehin perfekt. Doch rechnen und Korbdifferenzen mit anderen Aspiranten vergleichen will kein Spieler. Auch angesichts des bleibenden Gesamteindrucks nach einem Turnier, das mit großen Ambitionen begann und durch das Vorrundenscheitern zum Fehlschlag der talentierten Generation um Schröder wurde. «Wir sind in einer Situation, in der es ums Überleben geht, um Kampf, um Stolz, Charakter zeigen», sagte Kapitän Robin Benzing. «Ein Spiel müssen wir noch gewinnen - egal wie!» Dafür braucht das Team wohl wieder Schröder in der Form der zweiten Halbzeit gegen Senegal, als er 18 Punkte erzielte und seine Mitspieler immer wieder sehenswert in Szene setzte. Ruhig, aber bestimmt sprach der Aufbauspieler frisch geduscht mit weißen Kopfhörern im Ohr vor der Kabine im Shanghai Oriental Sports Center nach seiner Glanzleistung. Dank 24 Punkten und zwölf Vorlagen trug er nach dem 89:78-Erfolg über Außenseiter Senegal die Trophäe für den besten Spieler des Spiels vom Parkett und vergrößerte maßgeblich die deutschen Hoffnungen auf die Teilnahme an der Sommerspielen 2020 in Tokio. «Jetzt haben wir gewonnen, jetzt ist alles super. Wenn man verliert, wird dann immer alles kritisiert», sagte er spöttisch. «Aber das ist mein Spiel, das werde ich weiterhin machen.» Sein Auftritt in den Katakomben vermittelte den Eindruck eines Sportlers, der Kritik zwar abperlen lassen will, sich aber von der Öffentlichkeit doch missverstanden und zu wenig wertgeschätzt fühlt. Zuletzt hatte beispielsweise Bayern Münchens Geschäftsführer Marko Pesic den NBA-Profi der Oklahoma City Thunder als besten Spieler bezeichnet, aber die Rolle des Anführers abgesprochen. «Ich stehe immer noch hier, spiele immer noch für mein Land, egal, ob sie mich kritisieren, komme mit meiner Familie hier her und investiere Zeit», sagte Schröder. «Es ist alles für Deutschland. Ich mache das schon seit sechs Jahren, habe gar keine Freizeit im Sommer.» Ob das auch in Zukunft so bleibt? Eine bindende Zusage («Commitment») gebe es nicht, sagte Schröder. «Ihr könnt es drehen, wie ihr wollt, um es interessant zu machen. Ich habe es sechs Jahre schon gesagt: Wenn ich fit bin und alles gut läuft, dann spiele ich und wenn nicht, dann nicht.» Einmal in Fahrt geißelte er die Trennung des Bundesligisten Löwen Braunschweig von seinem Förderer Liviu Calin als «Schande» und drohte in seiner Funktion als Hauptgesellschafter dem Club: «Konsequenzen werden kommen.» Um den 65 Jahre alten Ex-Nachwuchschef seines Stammvereins öffentlich zu unterstützen, hatte Schröder sogar die selbstauferlegte WM-Pause seines Instagram-Accounts unterbrochen. Voll fokussiert will das deutsche Team nun auch die allerletzten Mini-Zweifel daran beseitigen, bis zum nächsten Sommer auf das Olympia-Ticket auf Umwegen hoffen zu dürfen. Dann ginge es in einem Turnier mit fünf anderen Mannschaft um einen Platz für Tokio. Kanada mit dem langjährigen Bundesligatrainer Gordon Herbert als Assistenzcoach stimmte sich bei der 126:71-Demontage von Jordanien mit einem Rekord auf das Duell ein. 24 Dreipunktewürfe hatte noch nie zuvor ein Team bei der WM geschafft. «Es ist ein richtiges Endspiel», sagte Bundestrainer Henrik Rödl. «Es ist unsere Mission, das Spiel noch zu gewinnen und zumindest noch mit einem halbwegs guten Gefühl rauszugehen.»

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