Friedensarbeit statt Vergessen: Hauptschüler gestalten Gedenkveranstaltung für die Opfer des NS-Regimes in Salzkotten und setzen sich mit Schicksalen auseinander. Besuch der Synagoge in Paderborn Staffelstab der Erinnerung weitergeben

Kreis Paderborn. Die tägliche Zeitungslektüre der vergangenen Wochen hat den Schülern der Hauptschule Niederntudorf/Wewelsburg durch Meldungen, Reportagen,
Berichte, Kommentare und Interviews deutlich vor Augen geführt, dass die Geschichte nur durch Auseinandersetzung
mit den individuellen Schicksalen der Menschen begreifbar und nachvollziehbar wird. Auch sie wollen den Staffelstab der Erinnerung an die nächste Generation weiter reichen, da jede Zeit leider ihre  Formen von Fremdenfeindlichkeit
und Ausgrenzung habe.
„Dass es immer wichtiger wird, sich in Toleranz zu üben und Toleranz zu leben, zeigt die dunkle Vergangenheit unserer Geschichte und aktuell die Diskussion um die große Anzahl von Flüchtlingen, die um Aufnahme bitten und unsere Hilfe und unseren Schutz benötigen", sagt Schülerin Alena. Dass jedes Opfer eine persönliche Vergangenheit hat und man es keinesfalls nur über den Opferstatus während des Holocausts definieren darf, war unter anderem Tenor des Besuches der Vorsitzende des Vereins Judentum in Salzkotten, Elisabeth Kloke-Kempe. Sie besuchte die Schreibwerkstatt der Schule und berichtete mittels Bild- und Kartenmaterial ausführlich und anschaulich über den Alltag,
soziale Aktivitäten und Profession der Salzkottener Juden.
Im Rahmen der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung
an die jüdischen Opfer des NSRegimes in Salzkotten hat die Schule in diesem Jahr ein Gedenkelement übernommen. Die Schüler verlasen Namen und Daten der deportieren
Salzkottener Juden. „Geschichte muss ein persönliches und menschliches Gesicht bekommen", sagt Lehrerin Ilona Vorwald, Leiter in der Schreibwerkstatt. Durch die Vorbereitung auf die Gedenkveranstaltung leisteten die Schüler einen wichtigen Beitrag zur Toleranz- und Holocausterinnerung. „Die jüngsten Ereignisse in Paris zeigen, dass Friedensarbeit auch weiterhin unverzichtbarer Bestandteil unseres pädagogischen Auftrages ist." Eine weitere Sensibilisierung für die existenzielle Notsituation von Menschen erfuhren die Hauptschüler durch den Besuch der Synagoge in Paderborn. Nachdem sie Informationen über die Architektur des Gotteshauses, sakrale Gegenstände und religiöse Rituale erhalten hatten, wurde ihr Augenmerk auf das Schicksal der Menschen gerichtet, die im Naziregime gedemütigt, geknechtet, ermordet, deportiert oder vertrieben
wurden. „Mir und meinen Mitschülern wurde in der Synagoge klar, dass es wichtig ist, dass die Namen der ermordeten Menschen nicht vergessen und auch richtig ausgesprochen
werden", sagt Henrike, „deshalb nehme ich an der
Gedenkfeier aktiv teil."

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