Historische Filme DVD-Reihe der NW "Historische Filme": Jubiläums-DVD-Box zum 800. Geburtstag der Stadt Bielefeld

Zum 800. Geburtstag der Stadt Bielefeld brachte die Neue Westfälische eine Jubiläums-DVD-Box mit vier der besonders interessanten historischen DVDs heraus, die in fast 30 Jahren innerhalb der Historischen Reihe der Stiftung Tri-Ergon Filmwerk erschienen sind. Es sind vor allem bewegte Bilder und einzelne Aspekte aus der Stadtgeschichte, die das Publikum interessieren.

"Das sind manchmal sensationelle Filmausschnitte wie die Bombardierung des Schildescher Viaduktes oder der Einmarsch der Amerikaner 1945 aber auch Erinnerungsstücke vom Umbau des Jahnplatzes 1957 oder Straßenbahnfahrten lange vor der Eröffnung des Tunnels", erklärt Frank Bell, der als NW-Redakteur die Reihe seit 1985 betreut.

Mit Kameramann und Cutter Michael Wiegert-Wegener von der „Stiftung Tri-Ergon Filmwerk" ist er seit vielen Jahren immer auf der Suche nach neuem, verwertbarem Filmmaterial aus der Stadtgeschichte. Im Schneideraum ist es dunkel und mucksmäuschenstill.

Information
Alle DVDs zur historischen Reihe der NW gibt es hier im Online-Shop sowie in den NW-Geschäftsstellen zu erwerben. Informationen zu den Öffnungszeiten finden Sie hier.

Informationen zu allen Teilen der Reihe

Nur das gleichmäßige Rattern des ein wenig betagten 35mm-Steenbeck-Schneidetisches ist zu hören. Auf dem Bildschirm flackern schwarzweiße Bilder aus dem Bielefeld der 1950er Jahre: Besucher drängen vom Wochenmarkt. Steht dort heute nicht das Telekom-Hochhaus? In der nächsten Einstellung ist der Kesselbrink von Bäumen umsäumt zu sehen.

Davor warten Überlandbusse – einige sogar mit Anhängern. Lloyd, Borgward und VW-Käfer fahren an Generotzkys Bratwurststand an der Ecke Wilhelmstraße vorbei. Dazu jede Menge schwarze Fahrräder der Marken Anker, Dürkopp oder Miele. Aufnahmen vom Jahnplatz zeigen den Abriss des Mertens-Hauses. Es stand etwa dort, wo heute die Bronze-Uhr die Zeit anzeigt.

Bewegte Bilder aus Bielefelds Vergangenheit beeindrucken immer wieder den Historiker Dr. Holger Schettler und Michael Wiegert-Wegener, die zusammen mit Frank Bell die Stiftung gegründet haben und gemeinsam an der Filmreihe weiter arbeiten. Die ältesten erhaltenen Filmaufnahmen aus der Stadt sind fast 100 Jahre alt.

Zusammen haben die drei seit den 1980er Jahren zahlreiche dieser Schätze für die historische DVD-Reihe der Neuen Westfälischen gesichtet und restauriert. Die Macher greifen dabei nicht nur auf eigene Archivbestände zurück, von Anfang an haben sie gern die Unterstützung Bielefelder Bürger in Anspruch genommen. Auf manchem Dachboden verstauben Normal- und Super-8-Filme aus dem Nachlass der Großeltern. Oder in flachen Weißblechdosen mit vergilbten Aufklebern ruhen vergessene Schätze auf 16- und 35-mm-Film.

Dass die Filmschätze aus Bielefeld inzwischen jedermann auf DVD zugänglich werden, ist ihrer unermüdlichen Arbeit zu verdanken, die in der Stiftung gebündelt wird. In ihrem Berufsalltag arbeiten sie mit modernster Digitaltechnik, produzieren Industrie- und Werbefilme und sind für das Fernsehen unterwegs. Wenn es um historische Filmdokumente geht, kommt allerdings altbewährte analoge Technik zum Einsatz.

Damit kennen sich nur noch Wenige aus. "Wir sichten das Material, überlegen seinen Einsatz für verschiedene Themenbereiche und beurteilen die optischen und mechanischen Eigenschaften der alten Filme. Auch die abgebildeten Orte und Personen versuchen wir zu identifizieren", erklärt Wiegert-Wegener, der seine Laufbahn mit der Filmkamera und am 6-Teller-Tisch im Schneideraum begonnen hat.

"Wenn die Filmbüchsen schon leichten Essiggeruch verströmen", ergänzt Bell, "ist schnelles Handeln gefragt. Der unumkehrbare Zersetzungsprozess der Trägerschicht eines Films ist ein Schrecken für jeden Archivar. Das historische Material ist dann kaum noch zu retten und muß umgehend digitalisiert und die sich zersetzende Filmkopie anschließend vernichtet werden." Die redaktionelle Arbeit mit den digitalen Duplikaten unterscheidet sich kaum von der mit anderen Filmen, erklärt Historiker Schettler. Akribische Recherche ist selbstverständlich. Und wenn möglich, sind aktuelle Interviews von Zeitzeugen das Salz in der Suppe.

Gerade die kleinen Geschichten aus dem Alltag ergänzen oft die seltenen Bilder. So zeigte Rolf Meister, ehemals Wirt der "Hammer Mühle", dem Team im Keller der Gastwirtschaft zugemauerte Fenster, die einst den Blick auf die Lutter freigaben, als die noch nicht fünf Meter unter dem Straßenniveau floss. Und natürlich gehört auch die Suche nach interessantem Filmmaterial dazu.

Bereits 1985 haben die NW-Redakteure Axel Frick (später Geschäftsführer des Zeitungsverlages) und Frank Bell mit den ersten drei Produktionen aus dem damaligen NW-Videostudio den Grundstein für die Historische Reihe gelegt. "Schon damals haben wir altes Filmmaterial gesichtet und gesichert, wie etwa Schützenfestfilme ab 1929 oder Originalaufnahmen aus britischen und US-amerikanischen Archiven, auf die wir noch heute für viele lokale Themen zurückgreifen können", erläutert Bell. "Wir arbeiten dabei hervorragend mit dem Bielefelder Stadtarchiv und dem Historischen Museum zusammen."

Kontakte gebe es auch mit dem Bundesarchiv und dem Filmarchiv des Landschaftsverbandes Münster.
"Im Laufe der Zeit haben auch wir selbst immer wieder Stadtgeschichte mit der Kamera dokumentiert", ergänzt Schettler. "Tri-Ergon drehte in den 1980er Jahren am Klosterplatz, als dort an Stelle des Gesellschaftshauses das Astoria-Kinocenter gebaut wurde, und dokumentierte später die Entstehung des neuen Bahnhofsviertels und den Abriss des Güterbahnhofs. Das sind jetzt auch schon historische Aufnahmen."

Bell und Wiegert-Wegener haben seit den 1970er-Jahren viele Aufnahmen in Bielefeld gemacht: "Auch auf dieses Material können wir zurückgreifen", betont der Kameramann. "Die Themen werden uns schon angesichts der Zahl der alten Filme nicht ausgehen", sagt Schettler.

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