Die Krankenhäuser in NRW sollen sich auf Leistungen spezialisieren.
© Daniel Bockwoldt

Große Reform Krankenhäuser in NRW stehen vor massivem Umbruch - drohen Schließungen?

Gesundheitsminister Laumann gibt den Startschuss für tiefgreifende Reform. Die Qualität der Patientenbehandlung im Land soll erhöht werden.

Ingo Kalischek

2022-08-10 19:55:59

Düsseldorf. Das Land NRW will die Struktur der Krankenhauslandschaft massiv verändern, um so die Qualität der Patientenversorgung zu erhöhen. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat gestern den Startschuss der Krankenhausreform gegeben.

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Ziel ist es, dass künftig nicht mehr jedes Krankenhaus jede Leistung von der Herzinfarktbehandlung bis zur Hüft-OP anbietet, sondern dass sich die Einrichtungen abstimmen und spezialisieren. Dafür könnte es nötig werden, dass sich Abteilungen bis hin zu ganzen Häusern zusammentun. Dadurch sollen die Patienten künftig sicher sein dürfen, dass ein Krankenhaus ausreichend Erfahrung hat, wenn es eine Leistung anbietet, so Laumann. Oberstes Ziel sei es, dass eine medizinische Leistung in „bester Qualität“ erbracht werde.

Die konkreten Planungsschritte sollen jetzt die Krankenhäuser in einer Region gemeinsam mit den Krankenkassen einleiten. Die Bezirksregierungen werden die Beteiligten Mitte Oktober dazu auffordern. Die Verhandlungen starten Mitte November und sollen spätestens nach sechs Monaten abgeschlossen werden, so Laumann. Bis dahin soll klar sein, welches Krankenhaus künftig welche Leistungen anbietet. In letzter Konsequenz entscheidet das Land.Laumann will damit auch dem zunehmenden Wettbewerb der einzelnen Häuser ein Ende bereiten. „Ich möchte, dass der Wahnsinn aufhört, dass die Krankenhauslandschaft durch Wettbewerb geordnet wird“, so Laumann.

Die Reform dürfte Jahre dauern

Die Reform dürfte Jahre dauern. Ziel sei es aber nicht, Häuser zu schließen, betont Laumann. Großen Wert legt der Minister darauf, dass 90 Prozent der Bevölkerung ein Krankenhaus mit Grundversorgung innerhalb von 20 Autominuten erreichen.

Beteiligte des Gesundheitswesens begrüßen die Reform. Der neue Plan solle wohnortnahe Grundversorgung und sinnvolle Spezialisierung auf regionaler Ebene „wieder in Einklang bringen“, sagt Johannes Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Als „nötig“ und „nicht zu vermeiden“ bezeichnet die Reform Ingo Morell, der Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW. Zugleich löse das Thema auch Ängste und Sorgen aus, sagt Morell im Gespräch mit dieser Zeitung und warnt vor allem davor, Krankenhäuser im ländlichen Raum zu schließen. Das Klinikum Bielefeld „begrüßt“ die Zielvorstellungen der neuen Krankenhausplanung und sieht sich gut aufgestellt für die Zukunft, so Geschäftsführer Michael Ackermann.

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