0
Hans-Josef Becker ist seit 2003 Erzbischof von Paderborn. - © Besim Mazhiqi
Hans-Josef Becker ist seit 2003 Erzbischof von Paderborn. | © Besim Mazhiqi

Paderborn Erzbistum widerspricht: Becker wusste nichts von Kindesmissbrauch

Der Erzbischof soll frühzeitig von einem Missbrauchsfall erfahren haben, aber den Fall nicht gemeldet haben. Das Erzbistum in Paderborn widerspricht jedoch.

15.07.2022 | Stand 15.07.2022, 12:02 Uhr

Paderborn. Wusste der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker von Missbrauchstaten? Das zumindest berichtete das Nachrichtenportal katholisch.de vor wenigen Wochen. Das Paderborner Erzbistum widerspricht dem Bericht aber nun.

Becker soll 1999, damals in seiner Rolle als Personaldezernent, von Kindesmissbrauch durch einen Geistlichen erfahren haben, das strafbare Verhalten aber nicht angezeigt haben, hieß es in dem Medienbericht. Demnach habe er lediglich eine Rüge ausgesprochen und dem Priester die Pfarrerseelsorge untersagt. Doch ein Erzbistums-Sprecher betont mit Blick auf Niederschriften zu den Unterredungen, dass der Beschuldigte gegenüber Becker keinerlei Taten an unter 14-Jährigen eingeräumt habe, wie katholisch.de schreibt.

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet von Prozessakten des 2002 wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Vikars. Das Landgericht Dortmund habe in der Urteilsbegründung unter Berufung auf die Gesprächsniederschrift festgehalten, dass der Priester im September 1999 in einem Gespräch mit Becker den Missbrauch eines Minderjährigen unter 14 Jahren gestanden habe.

Studie untersucht Umgang des Bistums Paderborn mit Missbrauch

Das Erzbistum erklärt derweil, man könne zu Formulierungen in später erstellten staatlichen Vernehmungsprotokollen keine Wertung abgeben. Der Beschuldigte sei damals umgehend aus dem Dienst genommen worden, ein Verfahren seitens des Erzbistums sei nach den damals geltenden Regelungen geführt worden. Man habe erst Kenntnis von dem Kindesmissbrauch erhalten, als die Staatsanwaltschaft bereits ermittelt habe. Diese Ermittlungen habe Vorrang vor dem kirchlichen Verfahren.

Der Vorgang, so zitiert katholische.de das Erzbistum weiter, soll in einer unabhängigen Studie der Universität Paderborn behandelt werden. Darin wird der sexuelle Missbrauch im Erzbistum Paderborn zwischen 1942 und 2002 untersucht. Die zentrale Frage: Wie gingen Geistliche mit Verdachtsfällen um? Ein Ergebnis solle in eineinhalb Jahren vorliegen.

Mehr zum Thema

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.