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Die Windmühle Senne ist ein seltenes Fotomotiv aus der schützenswerten Sennelandschaft. - © Dave Lubeck/Förderverein
Die Windmühle Senne ist ein seltenes Fotomotiv aus der schützenswerten Sennelandschaft. | © Dave Lubeck/Förderverein

Umweltschutz Umweltverbände fordern Nationalpark Senne kurzfristig als Landesziel

Parallel zu den Koalitionsverhandlungen von CDU und Grünen steigt der Druck zur Umsetzung des Nachhaltigkeitsprojekts.

Matthias Bungeroth
19.06.2022 , 08:00 Uhr

Bielefeld. Es sind spannende Tage für Nordrhein-Westfalen. Hinter verschlossenen Türen verhandeln CDU und Bündnis 90/Die Grünen die Grundlagen für eine neue Koalition im bevölkerungsreichsten Bundesland. Themen wie Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz dürften dabei eine zentrale Rolle spielen. Grund genug für alle großen Umweltverbände im Land, sich gemeinsamen dafür einzusetzen, dass die Bildung eines Nationalparks Senne/Eggegebirge als Landesziel festgeschrieben wird.

„Es geht um ein bedeutendes Projekt für Ostwestfalen-Lippe, aber es geht vor allem auch um unsere Kinder“, sagt Hans Jürgen Wesels, Vorsitzender des Fördervereins Nationalpark Senne-Eggegebirge. Deshalb haben unter Federführung des Vereins die großen Naturschutzverbände NABU, BUND sowie LNU (Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt) und zahlreiche Umweltorganisationen aus OWL einen Forderungskatalog beschlossen, der die zentrale Forderung unterstützen soll, die Gründung eines solchen Nationalparks zu einem Landesziel zu machen.

"Wir wollen einen Anfang setzen"

„Wir wollen einen Anfang setzen“, sagt Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL, vor dem Hintergrund der Tatsache, dass das Gelände des Truppenübungsplatzes (TÜP) Senne unter Hoheit der britischen Streitkräfte für die Ausweisung eines solchen Nationalparks einstweilen nicht in Betracht kommt. Dennoch sei es jetzt dringend Zeit zu handeln, so Otte. „Es ist die Aufgabe von Herrn Wüst als Ministerpräsidenten und dem künftigen NRW-Umweltminister.“

Man brauche Flächen die sich frei entwickeln könnten und groß genug sind, unterstreicht Otte. Diese haben man in OWL im Bereich der nördlichen Egge im Großraum Altenbeken. Dort können sich in einem so genannten Entwicklungsnationalpark zum Beispiel neuer Wald aufbauen. „Naturwälder binden außerordentlich viel CO2“, unterstreicht Otte. Dies gelte insbesondere für die Wachstumsphase eines solchen Waldes. Die Egge Nord sei als Kerngebiet eines Nationalparks geeignet.

"Der größte Hotspot der Biodiversität in NRW"

Wessels erläutert weitere fachliche Hintergründe: Arten- und Klimaschutz seinen „die wohl größten Herausforderungen der Menschheit neben Hungersnöten und Kriegsgefahren“. Doch man bewege sich in beiden Bereichen in eine Sackgasse, aus der es keine Rückkehr mehr gebe. „Der massive Verlust von Lebensräumen für Menschen, Tiere und Pflanzen“ wäre laut Wessels ebenso die Folge wie Hungersnöte und Kriege. Dies seien Erkenntnisse der UN-Klimaschutzkonferenzen.

„In NRW stehen etwa 50 Prozent der Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste“, so Wessels. „Wir werden daher alles daransetzen müssen, auch in NRW unseren Beitrag zum Artensterben zu leisten.“ Die Region Senne-Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald sei der „größte Hotspot der Biodiversität in NRW“, der auch eine herausragende nationale und internationale Bedeutung habe. Sowohl Wessels als auch Otte geben zudem zu bedenken, dass das Projekt eines Nationalparks bei den Menschen in Ostwestfalen-Lippe insgesamt sehr positiv gesehen werde. Otte: „Wir haben eine große Zustimmung in der Bevölkerung.“

Wessels verweist darauf, dass in den vergangenen Jahren zwei repräsentative Umfragen des Emnid-Instituts in der Vergangenheit „unmissverständlich gezeigt“ hätten, dass auch die deutliche Mehrheit der Menschen in der Region einen zweiten NRW-Nationalpark in OWL befürworte. Es gehe auf dem fraglichen Gelände im Bereich Senne, Eggegebirge sowie dem südlichen Teutoburger Wald um Offenlandgebiete Heiden, Sandtrockenrasen, Moore, alte Buchenwaldbestände sowie Fließgewässer. Wessels: „Die Vielfalt, kombiniert mit der Größe des Gebietes und seiner Unzerschnittenheit in wesentlichen Teilen, macht die Einzigartigkeit und internationale Bedeutung für den Artenschutz aus.“

Das sind die Forderungen der Umweltverbände:

Der Schutz der zahlreich vorhandenen Arten ist im Rahmen der weiteren Zielsetzungen bestmöglich zu gewährleisten.

Das Ziel, den britischen Truppenübungsplatz (TÜP) als Nationalpark auszuweisen, ist behördenverbindlich im Landesentwicklungsplan festzuschreiben.

Die militärisch nicht benötigten Gebiete des TÜP (insbesondere Waldgebiete) sind umgehend in eine nationalparkkonforme Bewirtschaftung (Prozessschutz) zu überführen. Mit dem Bund sind dafür Gespräche zu führen.

Im Bereich der nördlichen Egge ist auf landeseigenen Flächen und auf denen kooperationsbereiter öffentlicher oder privater Waldbesitzer bereits während der kommenden Legislaturperiode ein kleiner Nationalpark (NP) auszuweisen, der mittelfristig mit den Flächen des TÜP Senne zu einem großen NP verschmolzen werden soll.

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