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Nach einer langen Hängepartie haben sich Vertreter des Gesundheitswesens auf die weiteren Schritte zur Einführung des E-Rezepts geeinigt. - © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Nach einer langen Hängepartie haben sich Vertreter des Gesundheitswesens auf die weiteren Schritte zur Einführung des E-Rezepts geeinigt. | © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Pilotverfahren Beim E-Rezept soll Westfalen-Lippe voranschreiten

Ursprünglich sollte die Digitalverschreibung schon im Januar bundesweit zur Pflicht werden. Mit neuen Vorgaben soll das Mammutprojekt nun mit mehr Tempo vorangebracht werden.

01.06.2022 | Stand 01.06.2022, 16:44 Uhr

Berlin (dpa). Bei der Einführung des E-Rezepts soll Westfalen-Lippe eine Vorreiterrolle zukommen. Wie die halbstaatliche Firma Gematik am Mittwoch in Berlin mitteilte, startet in der Region am 1. September ein Pilotverfahren. Immer mehr Arztpraxen und Klinken sollen mitmachen, damit die Nutzung der Digitalverschreibung deutlich steigt und schließlich von einer flächendeckenden Anwendung die Rede sein kann. Im Dezember soll die Digitalverschreibung dann zur Pflicht werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Gesellschafter der Gematik - neben dem Bund auch Ärzte-, Klinik- und Kassenorganisationen - das Vorgehen im Herbst als Erfolg werten.

Neben Westfalen-Lippe ist Schleswig-Holstein eine weitere Region, in der ab September mehr Tempo gemacht werden soll beim E-Rezept. Die anderen Regionen und Bundesländer kommen später hinzu. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Dirk Spelmeyer, sagte nach der Entscheidung, es sei sehr wichtig, auf dem Weg zu einer flächendeckenden Nutzung des E-Rezepts Prozesse und Strukturen belastbar zu evaluieren. "Wir wollen Bürokratie und zeitaufwändige Hybridlösungen abbauen, nur so kommt der Nutzen des E-Rezepts auch bei allen Beteiligten an."

Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest, betont, dass die Einführung des E-Rezeptes nur gelingen könne, wenn alle Beteiligten mitarbeiten: "Das betrifft die Ärztinnen und Ärzte, aber auch die Software-Hersteller und natürlich auch die Krankenkassen. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, werden die Leistungserbringer und insbesondere die Patientinnen und Patienten den Nutzen der Digitalisierung garantiert erkennen und wertschätzen."

Eigentlich sollte schon seit Januar eine bundesweite Pflicht gelten

Das E-Rezept ist ein Mammutvorhaben bei der Digitalisierung. Bisher kam es nur schleppend voran, eigentlich sollte schon seit Januar eine bundesweite Pflicht gelten. Nach Kritik aus der Ärzteschaft, die Probleme bei der Umsetzung befürchtete, wurde der Pflichtstart abgesagt. Derzeit läuft eine freiwillige bundesweite Erprobungsphase, in der in einem halben Jahr gut 24.000 E-Rezepte eingelöst wurden. Gemessen an den 500 Millionen Papierverschreibungen pro Jahr ist das ein verschwindend geringer Anteil. Immerhin geht die Nutzungskurve auf niedrigem Niveau nach oben.

Offen war, wann der bundesweite Pflichtstart sein soll. Am Mittwoch verkündete Gematik den Beschluss, demzufolge es eine bundesweite Pflicht vorerst nur für die Apotheken geben wird, und zwar ab dem 1. September. Bei der Einbeziehung der Arztpraxen und Krankenhäuser kommt es nun zu dem regionalen Stufenmodell, in dem Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein voranschreiten sollen.

Das E-Rezept gilt nur für gesetzlich Versicherte und nicht für Privatversicherte. Statt rosa Zettel bekommt der Nutzer einen Code auf sein Smartphone, mit dem er in der Apotheke das Medikament erhält. Wer die dafür nötige App nicht hat oder kein Smartphone benutzt, bekommt den Code ausgedruckt auf einem Zettel.

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