Dass das Persönliche in der Pflege verloren geht, ist eine große Sorge im Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Pflege. - © picture alliance/dpa
Dass das Persönliche in der Pflege verloren geht, ist eine große Sorge im Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Pflege. | © picture alliance/dpa

NW Plus Logo Digitalisierung Wie Technik die Pflege verändern kann

In kaum einer Branche wird die Digitalisierung so sensibel behandelt wie in der Pflege. Dabei sind die Möglichkeiten schon heute vielfältig.

Mareike Köstermeyer

Bielefeld. Es ist wie in so vielen Bereichen: Digitale Technologien gibt es viele, doch in der Umsetzung hapert es. Doch gerade in der Pflege ist das Thema besonders heikel. Die Bedenken, dass die Pflege zu einer maschinellen Massenabfertigung wird oder sensible Gesundheitsdaten abgegriffen werden, sind weiterhin groß. Auch die Bürokratie steht der Digitalisierung nicht selten im Weg. Dabei könnten die digitale Technologien schon heute Pflegerinnen und Pflegern sowie Pflegebedürftigen viele Möglichkeiten bieten.

Sowohl auf Seiten der Technologien, die Pflegende bei ihren Tätigkeiten entlasten, als auch bei Technologien, die Pflegebedürftigen ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen, ist die Entwicklung weit vorangeschritten. Von Armbändern, die den Standort ihres Trägers übermitteln, über spezielle Matten, die einen Sturz melden, bis hin zu Robotern, die eine Unterhaltung führen können.

In erster Linie eine Kostenfrage

Susanne Westhoff ist Referentin für ambulante Pflege beim Diakonischen Werk Rheinland-Wesfalen-Lippe. Das Thema Digitalisierung in der Pflege beschäftigt sie seit langem - besonders im Hinblick auf jene Technologien, die Pflegerinnen und Pfleger bei ihrer Arbeit unterstützen sollen. "Unsere ambulanten Pflegedienste sind mit Geräten zur mobilen Datenerfassung ausgestattet", sagt sie. Die komplette Dokumentation von der Verordnung bis hin zur Abrechnung der Leistung sei per Smartphone möglich.

Dass solche digitalen Lösungen nicht flächendeckend zum Einsatz kommen, sei in erster Linie eine Kostenfrage. Damit sensible Daten nicht in falsche Hände geraten, ist ein VPN-Tunnel, also eine besonders geschützte Verbindung, für die sogenannte Kommunikation im Medizinwesen Voraussetzung. Westhoff: "Es gibt eine Telematik-Infrastruktur (TI), die Pflegedienste nutzen können." Auch elektronische Patientenakten seien unter anderem daran angebunden. Für die Überwachung des Datenschutzes ist dann ein vom Gesundheitsministerium geprüfter und zertifizierter Betreiber zuständig. "Noch nutzen nicht alle Pflegedienste die TI, doch ab dem 1. Januar 2024 ist eine Anbindung für die Pflegedienste Pflicht", sagt Westhoff.

Digitalisierung bietet Chancen

Digitale Pflegeanwendungen, die einem Pflegebedürftigen ein weitestgehend selbstständiges Leben ermöglichen können, wie Sturzmatten oder Hausnotrufsysteme sind bereits weit entwickelt. Doch anders als mechanische Hilfsmittel, wie beispielsweise ein Lift zur Lagerung, würden diese erst seit dem vergangenen Jahr als abrechenbare Leistungen im Gesetzbuch geführt, sagt Westhoff. Und wenn eine digitale Pflegeanwendung vom Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte zugelassen werde, dauere es noch einmal, bis es im Hilfsmittelkatalog der Krankenkassen aufgenommen wird, damit es nicht privat bezahlt werden müsse.

Dennoch sehen auch Krankenkassen in der Digitalisierung der Pflege große Chancen, wie Arno Prähler, Sprecher der DAK-Gesundheit, mitteilt: "Die Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten, um den Service und die Versorgung der Menschen zu verbessern." Als erste Krankenkasse habe die DAK den kostenlosen digitalen „Pflegecoach“ entwickelt. Eine App, die jederzeit online nutzbar sei und Fragen zur häuslichen Pflege, Alzheimer und Demenz sowie Wohnen und Leben im Alter beantwortet und so insbesondere pflegenden Angehörigen eine Stütze sein soll. Eine weitere App der DAK bietet Erinnerungsstützen für Demenz-Kranke.

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