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Die Sennebahn, hier am Halt Kasseler Tor, könnte deutlich schneller zwischen Bielefeld und Paderborn unterwegs sein. Doch dazu bräuchte es ein zweites Gleis.  - © Holger Kosbab
Die Sennebahn, hier am Halt Kasseler Tor, könnte deutlich schneller zwischen Bielefeld und Paderborn unterwegs sein. Doch dazu bräuchte es ein zweites Gleis.  | © Holger Kosbab

So wäre es möglich Experten fordern: In 30 Minuten per Zug von Bielefeld nach Paderborn

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht Mängel im Entwurf des Regionalplans.

Matthias Bungeroth
25.03.2021 | Stand 25.03.2021, 08:39 Uhr

Bielefeld. Die Kritik am Entwurf des Regionalplans, der zentrale Ziele für die Entwicklung Ostwestfalen-Lippes bis zum Jahr 2040 festlegen soll, wird immer lauter. Nachdem jüngst Experten mehr Entschlossenheit beim Umwelt- und Klimaschutz gefordert hatten, meldet sich nun der Fahrgastverband Pro Bahn zu Wort. Dieser bemängelt fehlende Festlegungen zum Ausbau des Schienennetzes, der Bahnhöfe und der weiteren Elektrifizierung des Bahnsystems in OWL.

Rainer Engel, für den Landesverband NRW Referent für den Deutschlandtakt und stellvertretender Vorsitzender von Pro Bahn, OWL, spricht von „gravierenden Mängeln", die der Entwurf des Regionalplans im Bereich Bahn aufweist. „Ursache ist fehlendes eisenbahntechnisches Know-how und mangelhafte Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen für den Regionalverkehr", kritisiert Engel.

"Brücken von neuen Schnellstraßen verhindern ein zweites Gleis"

„Der Ausbau des regionalen Schienennetzes in Ostwestfalen-Lippe leidet vor allem an den Engpässen durch eingleisige Bahnlinien und fehlende Gleise für Begegnungen von Zügen", sagt Engel. Dadurch könne das Zugangebot in vielen Fällen nicht auf Halbstundentakt verbessert werden. „Brücken von neu gebauten Schnellstraßen wie in Bad Salzuflen verhindern ein zweites Gleis. Züge sind unpünktlich, weil sie auf verspätete Gegenzüge warten müssen", so die Analyse. Die Probleme seien beim Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) bekannt und stünden seit gut 20 Jahren in den Nahverkehrsplänen. Engel: „Der Regionalplan nimmt davon keinerlei Notiz und erlaubt so neue Straßen und Baugebiete, die den zukunftsfähigen Ausbau der Bahnlinien blockieren."

"Der Regionalplan ist teilweise auf dem Stand von vor 30 Jahren"

„Während der Aufgabenträger NWL für die Regionalzüge an einem S-Bahn-Konzept für Bielefeld arbeitet und die Reaktivierung vieler Bahnstrecken vorbereitet, ist der Regionalplan teilweise noch auf dem Stand von vor 30 Jahren", moniert Engel. Er fügt hinzu: „Es fehlt in der Detmolder Bezirksregierung anscheinend völlig an aktuellen Informationen, vermutlich aber auch an genügend Personal, das diese Informationen verarbeiten könnte."

"Einige Vorschläge sind massiv unsinnig"

Pro Bahn kritisiert die im Entwurf eingezeichneten Bahnstationen, die noch errichtet werden sollen. „Wir haben Vorschläge gefunden, die unsinnig sind, weil dort zu wenige Fahrgäste ein- und aussteigen würden oder gar kein Platz ist, um Abstellplätze für Fahrräder und Autos einzurichten." Bessere Ideen seien ohne zweigleisigen Ausbau der Bahnlinien nicht realisierbar. „Wenn der Regionalplan nicht nachgebessert wird, dürfen diese Zukunftschancen einfach anders zugebaut werden." Hier einige konkrete Punkte, die der Fahrgastverband Pro Bahn im Entwurf des Regionalplans vermisst:

Strecke Bielefeld-Paderborn
"Die Sennebahn Bielefeld – Paderborn ist trotz aller Ausbauten die langsamste Verbindung zwischen zwei Großstädten in NRW", moniert Engel. Ein Express könne nicht gefahren werden, weil die Strecke eingleisig sei. "Der zweigleisige Ausbau ist daher erforderlich." Der Fahrgastverband Pro Bahn schlägt deshalb vor, das zweite Gleis entlang der Autobahn A 33 zu bauen. "Dort könnten Züge mit 160 km/h die Fahrzeit Bielefeld – Paderborn von heute 53 Minuten auf 30 Minuten verkürzen."

Strecke Paderborn-Höxter

"Vor mehr als einem Jahr hat der Zweckverband Nahverkehr Paderborn – Höxter beschlossen, eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Bahnlinie Paderborn – Büren – Brilon zu finanzieren", berichtet Engel. Dem Regionalplan sei dies genauso unbekannt wie die Ausweitung der Reaktivierung bis Brilon.

Bahnlinie Minden-Hille
Der Zweckverband Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVOWL) hat demnach beschlossen, die Bahnlinie Minden –Hille (Mindener Kreisbahn) auf Reaktivierung untersuchen zu lassen. Dem Regionalplan sei auch dies unbekannt.

Bahnlinie Bad Salzuflen-Lage
Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe sehe den abschnittsweise zweigleisigen Ausbau der Bahnlinie zwischen Bad Salzuflen und Lage (Lippe) als notwendige Voraussetzung, um den Verkehr zu verdichten, berichtet Engel. "Dies ist schon seit 1997 im Nahverkehrsplan für OWL verzeichnet." Die Brücke der Ostwestfalenstraße (L 712) sei jedoch so gebaut, dass ein zweites Gleis hier nicht gebaut werden kann. "Der Regionalplan nimmt keine Notiz davon", kritisiert Engel.

Neuer Halt am Messezentrum Bad Salzuflen
Der Regionalplan sehe einen neuen Bahnhalt am Messezentrum Bad Salzuflen vor, wie Engel berichtet. "Dieser kann dort aber nur errichtet werden, wenn die Strecke zweigleisig ausgebaut wird. Andernfalls würden in Herford im Rahmen des Deutschlandtakts alle Anschlüsse versäumt." Dem Regionalplan sei dieser Zusammenhang offenbar unbekannt.

Überregionale Bahnstrecken
Seit dem ersten Entwurf des Deutschlandtakts vom Oktober 2018 forderten die Fachgutachter, dass ICE-Züge und Regionalexpress zwischen Hamm und Bielefeld auf unterschiedlichen Gleisen fahren sollen, weil der Unterschied der Geschwindigkeiten zu groß sei, wie Pro Bahn berichtet. Schon lange vorher verfolge die Deutsche Bahn das Ziel, langsame und schnelle Verkehre zu trennen. "Im Regionalplan wird gefordert, dass ICE und langsamere Regionalzüge auf den gleichen Gleisen fahren sollen. Dies zeigt, dass der Entwurf ohne Fachkompetenz erstellt wurde", kritisiert Engel.

Internationaler Bahnverkehr
Der Regionalplan befasse sich im Zusammenhang mit dem Neubauprojekt einer Schnellfahrstrecke Hannover – Bielefeld ausführlich mit einem transeuropäischen Korridor vom Ruhrgebiet nach Warschau. "Der zweite transeuropäische Korridor durch OWL von Amsterdam nach Berlin ist dem Regionalplan unbekannt", bemängelt Engel.

Information

Bürgerbeteiligung

Bürger*innen können sich noch bis zum 31. März mit Eingaben und Hinweisen in die Öffentlichkeitsbeteiligung zum Regionalplan einbringen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn OWL kündigt bereits an, dass er die von ihm ausgemachten Mängel in dem Planentwurf im Rahmen dieses Verfahrens rügen werde. (bth)

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