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Feuerwehrleute löschen bei Düren ein brennendes E-Auto, das während des Ladevorgangs in Flammen aufgegangen ist. - © Polizei Düren
Feuerwehrleute löschen bei Düren ein brennendes E-Auto, das während des Ladevorgangs in Flammen aufgegangen ist. | © Polizei Düren

Einsätze Warum brennende Akkus in Elektrofahrzeugen eine Herausforderung sind

Die Rettungskräfte in der Region stehen einem neuen Aufgabenfeld gegenüber. Brennende Stromzellen können nur im Wasserbad gelöscht werden.

Dirk-Ulrich Brüggemann
03.12.2019 | Stand 03.12.2019, 10:42 Uhr

Detmold/Paderborn. Die freiwilligen und hauptberuflichen Kräfte der Feuerwehren in Ostwestfalen-Lippe sehen sich neuen Einsatzgebieten gegenüber: Durch den wegen der Energiewende zunehmenden Einsatz von Elektro-Autos müssen die Feuerwehrleute sich auch in der Brandbekämpfung von Akkus auskennen.

Detmold/Paderborn. Die freiwilligen und hauptberuflichen Kräfte der Feuerwehren in Ostwestfalen-Lippe sehen sich neuen Einsatzgebieten gegenüber: Durch den wegen der Energiewende zunehmenden Einsatz von Elektro-Autos müssen die Feuerwehrleute sich auch in der Brandbekämpfung von Akkus auskennen. Im Kreis Lippe etwa hat die Wehrführung die neue Aufgabe bereits früh erkannt, so dass die Schulungen der Einsatzkräfte im Umgang mit Batteriebränden schon weitgehend abgeschlossen ist, erklärt Lippes Kreisbrandmeister Karl-Heinz Brakemeier. In überhitzten Akkus sieht er eine akute Gefahr, die nicht nur Elektro-Autos betrifft, sondern auch Elektrofahrräder, E-Scooter und Mobiltelefone. „Für uns wird es nicht einfacher", sagt Brakemeier. Zwei Auto-Akku-Brände habe es im Kreis Lippe auch schon gegeben. Die Feuerwehren in Detmold und Lage verfügen über wasserdichte Container, die sich fluten lassen, um darin ein Fahrzeug in Löschwasser zu setzen. Auch geparkte Elektrofahrzeuge in Tiefgaragen sind für den erfahrenen Feuermann „ein heikles Thema". Ein Parkverbot im Keller ist aus seiner Sicht nicht notwendig. Paderborns Kreisbrandmeister Elmar Keuter erinnert sich an den Fall eines brennenden Akkus eines Gabelstaplers,. Das Fahrzeug stand 14 Tage in einem Spezialcontainer, in den es mit einer Seilwinde harbgelassen wurde. „Die Akkus machen uns Sorgen", sagt Keuter. „Vor Ort ist keine Löschung möglich. Es bleibt nur das Fluten". Nur Wasser löscht brennende Akkus Das erlebte jetzt auch die Düsseldorfer Feuerwehr: Sie benötigte nach eigenen Angaben 9.000 Liter Wasser, um einen brennenden Lithium-Ionen-Akku eines Luxuswagens zu löschen. Zunächst sprach die Polizei davon, dass es sich in Düsseldorf um ein Hybridfahrzeug gehandelt haben soll. Diese Angabe berichtigte die Polizei später. „Wenn der Brand in einem Gebiet ohne Hydranten ist, etwa auf der Autobahn, könnte man gleich ein zweites Tanklöschfahrzeug mitschicken", empfiehlt Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes. Auch am Großbrand am Flughafen Münster-Osnabrück soll der Akku eines Hybridfahrzeugs die Ursache für das Feuer gewesen sein. Dort wurden insgesamt 73 Autos beschädigt. Anders als bei brennendem Treibstoff, dem die Einsatzkräfte meist durch Löschschaum den notwendigen Sauerstoff entziehen, ist Wasser das Löschmittel der Wahl bei Akkus. „Es reicht nicht, die sichtbaren Flammen zu ersticken", sagt Knorr. Gefahr der Wiederentzündung Die eigentliche Energie werde im Innern des Akkus freigesetzt, wo sich der Brand wie bei einem Dominoeffekt von Teilzelle zu Teilzelle fortsetze, „thermal runaway" nennt das der Experte. „Da hilft nur kühlen, kühlen, kühlen. Sie müssen dem Akku mehr Energie entziehen als er freisetzt, sonst kann er sich wieder entzünden." Damit das gelinge, sei in der Regel mehr Wasser nötig als gewöhnlich. Ein Problem der brennenden Akkus liegt darin, dass sich gelöschte Speicher bis zu 24 Stunden lang wieder entzünden können. „Man kann nicht in die Akkus hineinblicken", sagte Knorr. Es könne daher sinnvoll sein, die Batterie in ein Wasserbad zu legen, um auf Nummer sicher zu gehen.

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