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Manche Schulen können wegen Lehrermangels keinen Unterricht abhalten; Klassen sind leer. - © Pixabay
Manche Schulen können wegen Lehrermangels keinen Unterricht abhalten; Klassen sind leer. | © Pixabay

Düsseldorf Zulage für neue Lehrer an Problemschulen

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer versucht mit unkonventionellen Mitteln, Schulen zu helfen, die Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Lehrerstellen haben. Nicht nur im Ruhrgebiet.

Lothar Schmalen
21.11.2019 | Stand 22.11.2019, 08:37 Uhr

Düsseldorf. Dem Grundübel aller Schulpolitik, dem Lehrermangel, versucht NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zu Leibe zu rücken. Dabei greift sie auch zu unkonventionellen Methoden. Ihre neueste Idee: Junglehrer, die sich bereit erklären, Stellen an Schulen anzunehmen, an die sonst niemand will, sollen in den ersten zweieinhalb Jahren eine Zulage von monatlich 350 Euro bekommen. Besonders profitieren könnten davon nicht nur Schulen im Ruhrgebiet, sondern auch solche im ländlichen Raum, die Schwierigkeiten haben, ihre Stellen zu besetzen. Vor allem Grundschulen, an denen der Lehrermangel besonders hoch ist, Haupt-, Real- Sekundar- und Gesamtschulen (Sekundarstufe I) sowie Berufskollegs könnten davon profitieren. An Gymnasien und den Sekundarstufen II der Gesamtschulen ist das Problem, Junglehrer für unbesetzte Stellen zu bekommen, nicht so gravierend. Im Gegenteil: Dort gibt es in bestimmten Fächern sogar einen Überhang. Die Einstellung mit Zulage soll, so erläuterte Ministerin Gebauer, dann möglich sein, wenn keine Versetzung möglich ist und die Schulen 12 Monate lang in Ausschreibungen keine Lehrer gefunden haben. Insgesamt stellt das Land in den Jahren 2020 bis 2022 dafür 17 Millionen Euro bereit. Geplant ist, auf diese Weise 2020 insgesamt 700, 2021 noch einmal 700 und dann 2022 weitere 350 Lehrer an Schulen einstellen zu können, die bislang Schwierigkeiten haben, Lehrer zu finden. Etwa 800 Pensionäre im Schuldienst Eigentlich sieht das Landesbesoldungsrecht die Möglichkeit, Lehrer mit Zulagen an bestimmte Schulen zu locken, schon länger vor. Doch wurde davon bislang kaum Gebrauch gemacht, weil jeder Einzelfall beim NRW-Finanzministerium beantragt werden musste, erläuterte Schul-Staatssekretär Matthias Richter (FDP). Diese Einzelfallprüfung entfällt nun. Ihr sei klar, dass diese Maßnahme keine zusätzlichen Lehrer bringe, aber eine gerechtere Verteilung des Mangels, sagte Schulminister Gebauer. Um mehr Lehrer zu gewinnen, ergreift das Schulministerium noch andere Maßnahmen, zum Beispiel wird die Hinzuverdienstgrenze für pensionierte Lehrkräfte bis 2024 ausgesetzt. Das heißt: Pensionierte Lehrkräfte können damit in den Schuldienst zurückkehren und ohne Abzüge vom Ruhegehalt hinzuverdienen. Wie Gebauer sagte, seien zurzeit bereits rund 800 Pensionäre im Schuldienst tätig. Um den extremen Lehrermangel an Grundschulen zu lindern, hatte das Schulministerium Absolventen der Lehrerausbildung für die Sekundarstufe II, die keine Stelle gefunden haben, angeboten, zwei Jahre an die Grundschule zu gehen, und ihnen dafür anschließend eine Einstellung in der Sekundarstufe II im Umkreis von 35 Kilometer zu garantieren. Davon hätten bislang 391 Junglehrer und -lehrerinnen Gebrauch gemacht. Manche von ihnen wollen nun an ihren Grundschulen bleiben. „Sie erhalten nun die Möglichkeit, ein Lehramtsbefähigung für Grundschulen zu erwerben und damit die Voraussetzung für eine Verbeamtung an der Grundschule zu erfüllen. Langfristig erhofft Gebauer sich eine Verbesserung beim Lehrermangel durch die Schaffung von insgesamt 1.450 neuen Studienplätzen für das Grundschullehramt für das Lehramt für sonderpädagogische Förderung. Wie berichtet, erfolgt der Ausbau der Studienplätze laufend in den nächsten Jahren – unter anderem auch an der Universität Bielefeld.

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