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Die Klärschlammverordnung des Bundes sieht vor, dass während der Entsorgung Phosphor zurückgewonnen wird. - © Roland Thöring
Die Klärschlammverordnung des Bundes sieht vor, dass während der Entsorgung Phosphor zurückgewonnen wird. | © Roland Thöring

Paderborn Westfalen Weser Energie gibt Klärschlamm-Projekt überraschend auf

Die Mengenzusagen von Gemeinden und Städten seien zu gering, so der kommunale Energieversorger

Mareike Gröneweg
09.10.2019 | Stand 08.10.2019, 20:18 Uhr

Kreis Paderborn. Klärschlamm betrifft jeden: Händewaschen oder Toilettengänge verursachen Abwässer, die wiederum Klärschlamm erzeugen. Da dessen Entsorgung sich aber zunehmend kompliziert gestaltet, wird Abwasser immer teurer. Nun ist eine Option zur regionalen Entsorgung von Klärschlamm weggebrochen: Westfalen Weser Energie hat das Großvorhaben eingestellt. Grund dafür: Die Mengenzusagen von Gemeinden und Städten seien zu gering, so der kommunale Energieversorger. "Mich hat es überrascht, dass die Mindestmenge nicht erreicht wurde", sagt Martin Hübner, Technischer Dezernent des Kreises Paderborn. Alle zehn Städte und Gemeinden im Kreis seien nun zu Gesprächen eingeladen, um sich über die Absage auszutauschen und andere Optionen auszuloten. Probleme bei der Entsorgung von Klärschlamm würden den Gemeinden und Städten im Kreis jedoch nicht drohen. "Bis 2024 haben wir die Entsorgung des Klärschlamms für alle Gemeinden und Städte bis auf Paderborn gesichert", so Hübner. Die Entsorgung des Paderborner Klärschlamms ist für die nächsten neun Jahre gesondert geregelt, da die Stadt einen eigenen Entsorgungsvertrag geschlossen hat. 20.000 Tonnen Klärschlamm jährlich im Kreis "Die übrigen neun Gemeinden und Städte im Kreis Paderborn können, müssen aber nicht, ihren Klärschlamm über ein Kreiskontingent in der Müllverbrennungsanlage Bielefeld verbrennen lassen", erklärt Hübner. Bis zu 9.000 Tonnen können so entsorgt werden. Da im gesamten Kreis Paderborn 20.000 Tonnen entstehen, 12.000 Tonnen davon jedoch auf die Stadt Paderborn entfallen, geht die Rechnung laut Hübner auf. Westfalen Weser Energie verfolgt das Entsorgungs-Projekt nach eigenen Angaben seit 14 Monaten. In zahlreichen kommunalen Gremien wurde das neu erarbeitete Konzept vorgestellt und beworben. Konkurrent in Ostwestfalen-Lippe war für Westfalen Weser Energie die von Kommunen in der Region gegründete "Klärschlammkooperation OWL". Im Kreis Paderborn gab es zwar stellenweise Kritik, aber auch viel Zuspruch für das Konzept von Westfalen Weser Energie. Noch Mitte September hatten SPD und CDU im Hauptausschuss des Paderborner Stadtrats für das Klärschlamm-Entsorgungskonzept von Westfalen Weser Energie gestimmt und verhalfen dem Plan des kommunalen Energieversorgers zu einer Mehrheit. Wie kam es zum Abbruch? Wieso entschied sich das Unternehmen dennoch für den Abbruch? In der Pressemitteilung heißt es: "Nach aktueller Analyse der bereits zugesagten und der im besten Fall noch zu erwartenden Klärschlammmengen aus den Kommunen ist leider festzustellen, dass lediglich bis zu zwei Drittel der erforderlichen Mindestmenge für das kommunale Gemeinschaftsunternehmen realistischer Weise zustande kämen." Über die Pressemitteilung hinaus wollte Westfalen Weser Energie auf Nachfrage keine Auskunft zu den Hintergründen geben. Das Thema wird nach Einschätzung von Martin Hübner auf der Agenda bleiben: "Die Entsorgung von kommunalem Klärschlamm liegt in den Händen von Städten und Kommunen. Sie wird aber immer schwieriger." Das sei einerseits durch die Düngeverordunng erklärbar, die die Entsorgung von Klärschlamm in der Landwirtschaft reguliert. Andererseits sehe die Klärschlammverordnung des Bundes vor, dass während der Entsorgung Phosphor zurückgewonnen wird. "Phosphor wird weltweit immer knapper, daher soll der im Klärschlamm enthaltene Phosphor erhalten bleiben", so Hübner. Während Phosphor bei der Düngung in der Landwirtschaft eine große Rolle spielt, gehe er aber bei der Klärschlamm-Verbrennung in Kohlekraftwerken und Zementkraftwerken verloren. "Man wird daher in Zukunft Monoverbrennungsanlagen für die Klärschlamm-Entsorgung brauchen", sagt Hübner.

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