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Minister Stamp: "Unter unser aller Augen." - © picture alliance
Minister Stamp: "Unter unser aller Augen." | © picture alliance

Lügde-Urteil NRW-Familienminister dringt auf Verschärfung des Strafrechts

So verblüfft Joachim Stamp auf den ersten Richterspruch im Fall Lügde reagiert hat, so erleichtert scheint er nun angesichts der Entscheidung gegenüber den beiden Hauptangeklagten. Die NRW-Landesregierung verpflichtet sich, härter gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen vorzugehen.

Florian Pfitzner
05.09.2019 | Stand 06.09.2019, 09:48 Uhr

Düsseldorf. So verblüfft Joachim Stamp auf den ersten Richterspruch im Fall Lügde reagiert hat, so erleichtert scheint er nun angesichts der Entscheidung gegenüber den beiden Hauptangeklagten. Er sei über die verhängten hohen Haftstrafen und die anschließende Sicherungsverwahrung "sehr froh", sagte der nordrhein-westfälische Minister für Kinder und Familie, Joachim Stamp, in Düsseldorf. Damit sei zu hoffen, dass von den Tätern keine Gefahr mehr ausgehe. Zugleich verwies Stamp auf die Bewährungsstrafe für den Mittäter, die im Juli verhängt worden war. Aus seiner Sicht könne es "für die Mitwirkung an sexuellem Missbrauch von Kindern keine Bewährungsstrafe geben". Dies sei ausdrücklich nicht als Gerichtsschelte zu verstehen, betonte der FDP-Politiker im Fachausschuss des Landtags. Vielmehr sei "die Politik gefordert, über das Strafrecht nachzudenken". Wenn Menschenleben zerstört werden, müsse sich das "auch im Strafrecht niederschlagen". Kleinstadt Lügde als Chiffre Der Name der Kleinstadt Lügde ist seit der Veröffentlichung der Vorwürfe im Januar zu einer Chiffre für Verbrechen und Behördenversagen geworden. Dabei sei er "nur ein Synonym für ein deutlich größeres gesellschaftliches Problem", sagte Stamp. Er pflichtete NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei, der festgestellt hatte: "Sexueller Missbrauch passiert unter unser aller Augen, und zwar vermutlich überall." In NRW seien im vergangenen Jahr 2.422 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern unter 14 Jahren aktenkundig geworden. "Das sind 2.422 Fälle zu viel", sagte Stamp. "Und doch wissen wir, dass das Dunkelfeld leider noch viel größer sein dürfte." Die schwarz-gelbe Landesregierung verpflichtete sich, schärfer gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen vorzugehen. Stamp versprach verbindliche Schutzkonzepte unter anderem in Kindergärten, Schulen und bei der Jugendarbeit. Vorbehaltlich der Zustimmung des Parlaments seien dafür im kommenden Haushalt rund 4,8 Millionen Euro vorgesehen. Kindesmissbrauch sei ein "gesellschaftliches Versagen" In der Opposition schätzt man die Lage ganz ähnlich ein. Man müsse sich vor Augen führen: "Missbrauch passiert jeden Tag", sagte der familienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dennis Maelzer. Missbrauch sei ein gesellschaftliches Versagen, sagte der Abgeordnete aus Detmold. "Deshalb fordern wir mit Nachdruck eine Kinderschutzkommission, die gemeinsam mit Experten und den Mitgliedern des Landtags Handlungskonzepte zum Kinderschutz entwickelt."

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