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Das Baugewerbe freut sich über mehr besetzte Ausbildungsstellen. Das liegt auch an der Integration von Zuwanderern. - © picture alliance / Sven Simon
Das Baugewerbe freut sich über mehr besetzte Ausbildungsstellen. Das liegt auch an der Integration von Zuwanderern. | © picture alliance / Sven Simon

Bielefeld Handwerk in OWL wirbt gezielt um Zuwanderer

Im Kampf um Auszubildende und Facharbeiter setzen immer mehr Branchen ihre Hoffnung in Geflüchtete. Eine Entwicklung, die der Integration hilft, sagen Experten. Doch die Suche wird erschwert

Magnus Horn
23.08.2019 | Stand 23.08.2019, 22:57 Uhr

Bielefeld. Unbesetzte Ausbildungsstellen und fehlende Facharbeiter: Viele Branchen klagen über den Fachkräftemangel. Besonders betroffen ist nach wie vor das Handwerk, obwohl die Zahl der Ausbildungsverträge langsam wieder steigt. Viele Betriebe hoffen auf eine Trendwende und werben gezielt um Zuwanderer. Experten sehen in diesem Trend einen wichtigen Beitrag zur Integration, doch die rechtliche Lage erschwert die Suche. Im Baugewerbe freuen sich die Betriebe aktuell über mehr besetzte Ausbildungsstellen. Laut Zentralverband des deutschen Baugewerbes sank die Zahl der unbesetzten Lehrstellen im Baugewerbe 2018 auf 37 Prozent. 2017 waren es noch 45 Prozent. Das liegt auch an der verstärkten Integration von Zuwanderern. Nach Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft ist bundesweit jeder fünfte Auszubildende im Baugewerbe Zuwanderer. Integration im Job „Die Branche bietet große Chancen für Geflüchtete. Vom gemeinsamen Berufsschulweg übers Betonieren bis zur Mittagspause. Integration gelingt vor allem im Job", sagt die Bezirksvorsitzende der IG BAU OWL, Sabine Katzsche-Döring. „Eine Ausbildung zum Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer bietet zudem solide Job-Perspektiven, denn gebaut wird immer." Auch der Vorsitzende des Bielefelder Integrationsrates, Mehmet Ali Ölmez, sieht Potenzial. Seiner Ansicht nach müssten Sozial- und Integrationsstellen jedoch noch intensiver daran arbeiten, Jugendliche an Lehrstellen heranzuführen und die rechtlichen Voraussetzungen zu vereinfachen. „Allein in der Bielefelder Flüchtlingsunterkunft Rütli kenne ich 15 Jugendliche, die eine Ausbildung machen würden", sagt Ölmez. „Berufe im Baugewerbe müssen aber auch schmackhaft gemacht werden." Auch in anderen Branchen erkennen Unternehmen die integrative Kraft des Berufslebens. „Die Bereitschaft von Unternehmen, verstärkt Flüchtlinge auszubilden, steigt. Aktuell bilden 16 Prozent der Unternehmen Geflüchtete aus", sagt die Geschäftsführerin der beruflichen Bildung der IHK Ostwestfalen, Ute Horstkötter-Starke. Dafür müsse allerdings das Ausbildungsengagement der Unternehmen durch Sprachunterricht ergänzt werden. „Insgesamt zeigt sich, dass alle Beteiligten gelernt haben, dass Geflüchtete nicht zu früh in eine Ausbildung gehen sollten, damit sie nicht aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse scheitern." Ölmez sieht hingegen keine großen Verständigungsprobleme. Viele Zuwanderer leben seit 2015 in Deutschland und haben diverse Deutschkurse absolviert. „Sie sind in der Lage, eine Ausbildung zu absolvieren."

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