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Zum Auftakt des Ausbildungsjahres führt Nordrhein-Westfalen das landesweite Azubi-Ticket ein. - © Christian Weische
Zum Auftakt des Ausbildungsjahres führt Nordrhein-Westfalen das landesweite Azubi-Ticket ein. | © Christian Weische

Mobilität NRW wirbt für Azubi-Ticket

Auszubildende haben ihr Ziel erreicht – sie bekommen endlich ein günstiges landesweites Nahverkehrsticket. Nur am Preis gibt es noch Kritik

Florian Pfitzner
16.07.2019 | Stand 16.07.2019, 21:24 Uhr

Düsseldorf. Zum Auftakt des Ausbildungsjahres führt Nordrhein-Westfalen das landesweite Azubi-Ticket ein. Es soll helfen, jungen Leuten auch außerhalb ihrer Wohnorte eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen. „Mit dem Ticket verbessern wir die Mobilität der Auszubildenden über Tarifgrenzen hinaus", sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU). Die Ausbildung werde künftig nicht mehr am Ticket scheitern. In Düsseldorf haben Industrie, Handwerk und Gewerbe gemeinsam mit Wüst eine Informations- und Werbekampagne für das Azubi-Ticket „NRWupgrade" eingeläutet. Das Zusatzticket gibt es ab dem 1. August für maximal 82 Euro je Monat. Wer nur innerhalb eines Verkehrsverbunds unterwegs ist, zahlt höchstens 62 Euro. Die Verbünde garantieren für das 20 Euro teure Zuschlagsticket Preisstabilität bis 2023. Im Gegensatz zum Semesterticket ist das Azubi-Ticket freiwillig Die DGB-Jugend NRW begrüßte die Einführung des Azubi-Tickets, kritisierte aber gleichzeitig den Preis. Im Vergleich zu den Studenten und ihrem Semesterticket blieben Azubis im Nachteil, sagte Eric Schley, Jugendsekretär des DGB NRW. Die Ausbildungsbetriebe seien daher gefordert, sich an den Kosten zu beteiligen. Im Gegensatz zum Semesterticket, das Studenten mit dem AStA-Beitrag begleichen, ist das Ticket für die rund 300.000 Azubis freiwillig. Wüst forderte die Betriebe auf, sich an dem Angebot zu beteiligen. Wenn Arbeitgeber einen Teil der Kosten zuschießen, liege das Azubi-Ticket ungefähr bei vergleichbaren Konditionen wie das Semesterticket für Studenten, sagte der Landesverkehrsminister. Industrie und Handwerk zeigten sich offen. Der Ausbildungsmarkt habe sich zuletzt stark verändert, sagte Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer IHK Nordrhein-Westfalen. Unternehmen ließen sich deshalb „immer mehr einfallen, um für Auszubildende attraktiver zu werden". Die Förderung ihrer Mobilität könne da eine gute Idee sein. "Großer Fortschritt, tolles Angebot" Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages, lobte die Einführung des Tickets. Es sei „ein großer Fortschritt und ein tolles Angebot, das Verkehrsverbundgrenzen überwindet", sagte er. „Wir hoffen, dass viele Ausbildungsbetriebe das Angebot prüfen und ihren Auszubildenden anbieten." Das Ticket sei zumindest ein kleiner Beitrag, um mit der Attraktivität der akademischen Ausbildung gleichzuziehen, sagte Hund. Derzeit gingen 60 Prozent der Schulabgänger in eine akademische Ausbildung. Das sei „nicht gut für Deutschland und seine Wirtschaft". Große Nachfrage herrsche derzeit unter anderem im Baubereich, sagte Hund. Es gebe landesweit Klagen über den leer gefegten Azubi-Markt, etwa im Münsterland und in Ostwestfalen-Lippe oder im Sauer- und Siegerland. Arbeitgeber, die das Azubi-Ticket bezuschussen, könnten die Zulage als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen, hieß es vom Verkehrsministerium. Azubis müssten Zuschüsse nicht als geldwerten Vorteil versteuern.

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