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Der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands und Sprecher für den Bereich der Schweinehaltung im Deutschen Bauernverband, steht in einem Stall auf seinem Hof in Vreden zwischen Mastschweinen.Das Foto entstand 2016. - © picture alliance / dpa
Der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands und Sprecher für den Bereich der Schweinehaltung im Deutschen Bauernverband, steht in einem Stall auf seinem Hof in Vreden zwischen Mastschweinen.Das Foto entstand 2016. | © picture alliance / dpa

Agrarlobby Westfalens Bauernpräsident tritt überraschend zurück

Dem CDU-Bundestagsabgeordneten und Bauernlobbyisten Johannes Röring wurde zuletzt Interessenverquickung und Ämterhäufung vorgeworfen

Andrea Frühauf
12.06.2019 | Stand 12.06.2019, 18:06 Uhr

Münster. Der westfälische Bauernpräsident Johannes Röring, der erst im vergangenen Jahr von den Delegierten für weitere drei Jahre im Amt bestätigt wurde, stellt überraschend im Frühjahr sein Amt zur Verfügung. Dies teilte Röring den Delegierten in der gestrigen Verbandsausschusssitzung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) in Münster mit. Sieht seine Ziele erreicht Röring, der zugleich CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Borken ist und im Präsidium des Deutschen Bauernverbandes sitzt, wolle sich mit 60 Jahren nur noch auf eine Aufgabe konzentrieren, sagte WLV-Sprecher Hans-Heinrich Berghorn. Der WLV-Präsident, der im Mai Geburtstag hatte, sehe seine drei Ziele im Wesentlichen erreicht: Die Initiative Tierwohl, die Offensive Nachhaltigkeit (nachhaltige Produktionsverfahren der Landwirte) und die Kommunikationsoffensive. Dies habe Röring den Delegierten am Mittwoch mitgeteilt. Das Amt soll im März 2020 in der Verbandsausschusssitzung neu besetzt werden. Zwei seiner Nebentätigkeiten nicht korrekt angegeben Röring, der für die CDU seit 2005 als Agrarexperte im Bundestag sitzt und seit 2012 als Präsident die Interessen der Landwirte in Westfalen-Lippe vertritt, war in den vergangenen Monaten „Ämterhäufung" und eine Verquickung von Interessen vorgeworfen worden. Der westfälische Bauernpräsident, der laut SWR-Recherchen 15 Nebenjobs in Unternehmen, Verbänden und der agrar-nahen Kreditwirtschaft hat, habe zwei Nebentätigkeiten nicht korrekt angegeben, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Nach Informationen des Blattes hat das Bundestagspräsidium offiziell einen Verstoß Rörings gegen Verhaltensregeln des Bundestags festgestellt. Trotz Ermahnung habe er Nebeneinkünfte aus der Agrarbranche nicht rechtzeitig angegeben. Konkret gehe es um Tätigkeiten bei der Landwirtschaftsverlag GmbH und der Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank AG in Hamburg. Beiratsmitglied bei Agravis „Ich habe diese Meldungen, sobald es mir bekannt wurde, schnellstmöglich nachgeholt und mich beim Bundestagspräsidenten entschuldigt", habe Röring der SZ mitgeteilt. Allerdings sei in der von Wolfgang Schäuble unterzeichneten Verstoßmeldung die Rede davon, dass Röring trotz „erfolgter Ermahnung" die geltenden Fristen verstreichen ließ. Als Mitglied des Landwirtschaftsausschusses werde der CDU-Abgeordnete früh über Gesetzentwürfe informiert, die Landwirte betreffen, so die Kritik. Der CDU-Obmann im Agrarausschuss des Bundestages sitze gleichzeitig im Beirat der Agravis AG – dem Händler von Düngemitteln, kritisierte der SWR im TV-Bericht „Gekaufte Agrarpolitik?" Für eine Stellungnahme war Röring nicht erreichbar.

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