0
Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Ostwestfalen-Lippe bekommen teilweise eine Aufwandsentschädigung, die sie für Auslagen nutzen sollen. - © picture alliance / dpa
Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Ostwestfalen-Lippe bekommen teilweise eine Aufwandsentschädigung, die sie für Auslagen nutzen sollen. | © picture alliance / dpa

Reaktion auf Gütersloh Bezahlung der Freiwilligen Feuerwehr löst Nachwuchsproblem nicht

In Gütersloh sollen bald alle freiwilligen Einsatzkräfte Geld bekommen. Bislang erhalten das nur Führungskräfte

Nadine Uphoff
12.06.2019 | Stand 12.06.2019, 15:50 Uhr

Gütersloh/Bielefeld/Herford/Lippe/Minden. Sie retten Menschen aus dem Feuer, schneiden Verletzte aus Autowracks und retten Katzen von Bäumen: die Feuerwehr. Laut Statistik des Deutschen Feuerwehrverbandes gibt es 62.000 hauptamtliche Kräfte in Deutschland. Etwa eine Million Freiwillige engagieren sich hingegen ehrenamtlich im aktiven Einsatzdienst. Die Stadt Gütersloh will ihrer Freiwilligen Feuerwehr jetzt 70.000 Euro zahlen. Aufgeteilt auf die 250 Aktiven in den fünf Löschzügen ergäbe das im Schnitt 280 Euro für jeden. Ein Punktesystem soll gewährleisten, dass "die Eifrigen" eine höhere Entschädigung bekommen als andere. Das Vorhaben ist umstritten. In OWL sind Zahlungen an die Feuerwehr unterschiedlich geregelt. Eher Auslagenerstattung Laut Karl-Heinz Brakemeier, Kreisbrandmeister beim Lippischen Feuerwehrverband, gibt es solche Aufwandsentschädigungen in Lippe schon lange. Jedoch hält er den Begriff für missverständlich: "Es ist eigentlich eine Auslagenerstattung. Das fängt an bei den gefahrenen Kilometern, geht weiter über die Handygebühren bis hin zur Kinderbetreuung." Aufs Jahr gerechnet würden sich die Kosten schon summieren. Daher hält Brakemeier die Zahlung für positiv, um das Ehrenamt zu fördern. Als Anreiz, um neue Kräfte zu mobilisieren, sieht er den Vorstoß jedoch nicht: "Wegen Geld geht keiner zur Feuerwehr. Wer hier tätig ist, will helfen." Doch die Belastung für die Feuerwehrleute steigt: "Die Mitgliederzahlen stagnieren, während die Einsatzzahlen landesweit steigen", sagt Karl-Heinz Brakemeier. Trotzdem hält er die Aufwandsentschädigung für "gut angelegtes Geld", das immer noch günstiger als eine Pflichtfeuerwehr sei. Auf ein gemeinsames Konto Auch in Bielefeld gibt es einen Pauschalbetrag für die Feuerwehren, weiß Detlev Eikelmann, Gesamtsprecher der Freiwilligen Feuerwehr Bielefeld. Dieser werde in der Regel jedoch nicht an den Einzelnen ausgezahlt, sondern lande auf einem gemeinsamen Konto. Von dem Geld würden beispielsweise gemeinsame Aktivitäten bezahlt werden. Außerdem würden die Kameraden freien Eintritt in die Hallen- und Freibäder bekommen. Eikelmann hält die Aufwandsentschädigung nicht für ein Allheilmittel, um neue Einsatzkräfte zu gewinnen: "Ich denke, man kann junge Leute eher mit vernünftiger Ausrüstung, modernen Unterkünften und Fahrzeugen locken." Das habe in Altenhagen und Senne bereits funktioniert. "Wir haben in Moment eine sehr, sehr starke Jugendfeuerwehr", ergänzt der Sprecher. Ein Problem sieht er eher in der Tagesverfügbarkeit, wenn die Einsatzkräfte woanders arbeiten. Dieser Umstand lasse sich eben nicht mit Geld lösen. Nur für Führungskräfte In Herford gibt es, wie bislang in Gütersloh, nur für Führungskräfte eine pauschale Aufwandsentschädigung, die einzeln ausgezahlt wird, so Kreisbrandmeister Bernd Kröger. Das sei wie bei Übungsleitern im Sport. "Ich finde das wichtig und anerkennend, aber es muss eine Grenze geben, denn es handelt sich immer noch um ein Ehrenamt", meint Kröger. Wegen 200 bis 300 Euro im Jahr würde eh keiner zur Feuerwehr kommen. Aktuell sei die Feuerwehr im Kreis Herford gut aufgestellt und die Arbeitgeber bereit, ihre Mitarbeiter für die Brandbekämpfung freizustellen. "Weniger Verständnis gibt es aber für das Abstreuen von Ölspuren. Da versuchen wir schon mit dem Bauhof zusammenzuarbeiten", weiß der Kreisbrandmeister. Außerdem habe es sich bewährt, drei Fahrzeuge bei externen Firmen stehen zu haben, bei denen einige Mitarbeiter bei der Feuerwehr sind. Nachwuchsgewinnung durch Plakate und Flyer Bei der Feuerwehr in Minden bekommen ebenfalls alle Kameraden eine pauschale Aufwandsentschädigung: Jeder Ehrenamtliche erhält im Jahr 45 Euro plus 7,50 Euro pro Einsatz. Führungskräfte werden mit einer Zulage bedacht, weiß Heino Nordmeyer, Leiter der Feuerwehr Minden. Im vergangenen Jahr musste die Mindener Feuerwehr samt hauptamtlichen Kräften zu 1200 Einsätzen ausrücken. Eine Bezahlung nach Stunden sieht Nordmeyer kritisch. Für einen Anreiz, um zur Feuerwehr zu gehen, hält er die Aufwandsentschädigung nicht: "Wir wollen natürlich nicht, dass eigenes Kapital für das eherenamtliche Engagement aufgebracht werden muss , aber die Motivation muss woanders herkommen." Für den Feuerwehrleiter steht fest, dass man schon bei den jungen Leuten mit der Nachwuchsgewinnung einsteigen muss. Durch eine Plakataktion und Flyer, auf denen Feuerwehrleute aus Minden zu sehen sind, hätten die Blauröcke schon ein paar Neue dazugewinnen können, so Heino Nordmeyer. Steuerrechtliche Unterschiede Christoph Schöneborn, Landesgeschäftsführer des Verbandes der Feuerwehren in NRW, sagt, dass die Aufwandsentschädigungen für Feuerwehren in den Kommunen sehr unterschiedlich geregelt sind: "Die Zahl derer, die für alle Feuerwehrkräfte pauschalisiert zahlen nimmt zu." Der Anteil liege aber noch unter einem Drittel. Er weist außerdem darauf hin, dass es steuerrechtliche Dinge zu beachten gibt. So sei es besser, wenn die Stadt direkt an die Leute zahlt und nicht die Feuerwehr, sowie der Betrag zeitunabhängig berechnet wird. Kritisch sieht Schöneborn ebenfalls Beträge, die über den Mindestlohn hinausgehen. "Wir bleiben eine ehrenamtliche Einrichtung."

realisiert durch evolver group