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Eitel Freude: Annalena Baerbock (v. l.), Maike Schaefer und Sven Giegold  freuen sich über das gute Abschneiden bei der Wahl. - © picture alliance/dpa
Eitel Freude: Annalena Baerbock (v. l.), Maike Schaefer und Sven Giegold  freuen sich über das gute Abschneiden bei der Wahl. | © picture alliance/dpa

Wahl Aussicht auf viele grüne Oberbürgermeister in NRW

Analyse: Die Grünen könnten 2020 zahlreiche Oberbürgermeister stellen. Bei der Europawahl wurden sie in acht der zehn größten Städte stärkste Kraft. Die Abschaffung der Stichwahl könnte für die CDU zum Eigentor werden.

Lothar Schmalen
27.05.2019 | Stand 27.05.2019, 16:45 Uhr

Düsseldorf. Nach der Europawahl lohnt der Blick nach Münster: Mit 36,6 Prozent haben die Grünen dort ihr bestes Ergebnis geholt. Und das bei einer Rekord-Wahlbeteiligung von 73,7 Prozent. Gleichzeitig ist Münster besonders resistent gegen die Propaganda der Rechtspopulisten. Die AfD kommt hier gerade einmal auf 4,0 Prozent. Nirgends ist sie schwächer als hier. In Münster zeigt sich der Trend bei den Europawahlen besonders deutlich. Die Grünen sind zur Großstadt-Partei geworden. In acht der zehn größten NRW-Städte sind sie jetzt die stärkste politische Kraft - in Köln, der einzigen Millionen-Stadt in NRW, mit weitem Vorsprung (32,9 Prozent) vor CDU (19,8) und SPD (17,0). Auch hier erreicht die AfD lediglich 6,2 Prozent. Das gleiche Bild in der Landeshauptstadt Düsseldorf: Die Grünen mit 29,2 Prozent klar vorn, die AfD mit 6,9 Prozent vergleichsweise schwach. Wo die Grünen stark sind, ist die AfD schwach Spätestens hier wird ein bemerkenswerter Zusammenhang klar. Überall dort, wo die Grünen besonders stark sind, ist die AfD besonders schwach. Und überall dort, wo es die SPD so gerade noch als stärkste Kraft ans rettende Ufer schafft, ist die AfD besonders stark. Beispiel: Gelsenkirchen. Hier erreichen die Sozialdemokraten mit 25,7 Prozent (!) die meisten Stimmen. Und die AfD erzielt hier ihr landesweit bestes Ergebnis mit 16,4 Prozent. Felix Banaszak, einer der beiden Landessprecher der Grünen, sieht in dem Zusammenhang zwischen eigener Stärke und Schwäche der AfD einen Beleg dafür, dass die Wähler offenbar die Grünen inzwischen als den eigentlichen Gegenpol zur AfD betrachteten. Den Grünen sei es offenbar eine proeuropäische Mobilisierung gelungen. Bis ins Ruhrgebiet hinein schaffen es die Grünen in den Großstädten auf Platz 1. In Bochum verweisen sie mit 24,4 Prozent die SPD (23,0) auf Platz zwei. Auch hier kommt die AfD nur auf 9,5 Prozent - ein für das Ruhrgebiet eher schwacher Wert. Dass die Grünen sogar in Dortmund mit 25,0 Prozent vor den Sozialdemokraten (22,9) liegen, wer hätte das je für möglich gehalten? Frust der Sozialdemokraten sitzt tief Der Frust der Sozialdemokraten dürfte tief sitzen. Nirgendwo im Land erreichen sie noch die 30-Prozent-Grenze. Selbst in ihren "Hochburgen" schaffen sie nicht mehr als 26 oder 27 Prozent. Im Gespräch mit dieser Zeitung betont SPD-Landeschef Sebastian Hartmann, die SPD dürfe nun nicht die Nerven verlieren. Klar sei, dass die SPD massive Probleme bei ihrer Positionierung habe. Aber man werde den Grünen die Führungsrolle als progressive Partei nicht kampflos überlassen. Für die ebenfalls gebeutelte CDU ist es immerhin ein Trost, dass sie in Teilen des Sauerlandes und im westlichen Münsterland in einigen Landkreisen tatsächlich noch mehr als 40 Prozent erreicht hat. Bestes Ergebnis: im Kreis Olpe sind es immer noch satte 46 Prozent. Die Grünen erzielen in NRW insgesamt 23,2 Prozent. Das ist fast viermal so viel wie noch bei der Landtagswahl 2017, als sie um den Wiedereinzug in den Landtag bangen mussten. Dass sie jetzt in NRW sogar fast drei Prozent über dem Bundesschnitt (20,5) liegen, hat sicher mit dem Kampf um den Hambacher Forst zu tun. Hier schlägt das Herz der deutschen Klimaschutzbewegung, die Grünen haben das schneller erkannt als andere. Spannende Kommunalwahlen stehen bevor Das NRW-Ergebnis der Europawahlen zeigt aber auch, dass dem Land im kommenden Jahr spannende Kommunal- und Bürgermeisterwahlen - vor allem in den Großstädten - bevorstehen. "Der Automatismus, dass CDU und SPD unter sich ausmachen, wer Oberbürgermeister wird, gehört der Vergangenheit an", sagt Grünen-Vormann Banaszak. Mit der Abschaffung der Stichwahl bei den Bürgermeister- und Landratswahlen hat die NRW-CDU jetzt vielleicht sogar ein Eigentor geschossen, denn nun scheint es plötzlich so, als vergrößere dies die Chancen der Grünen, in den größten NRW-Städten viele OB-Posten zu erobern

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