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Beim Wechsel zurück auf G9 gibt es weiter Konflikte zwischen den Beteiligten. - © picture alliance/dpa
Beim Wechsel zurück auf G9 gibt es weiter Konflikte zwischen den Beteiligten. | © picture alliance/dpa

Düsseldorf Neuer Streit um G9: Eltern kritisieren die Lehrpläne

Der Verband der Gymnasialeltern geht auf Konfrontation zur Schulministerin und übt massive Kritik an den Kernlehrplänen für Latein, Deutsch und Co. auf den Gymnasien

Lothar Schmalen
05.04.2019 | Stand 05.04.2019, 22:53 Uhr

Düsseldorf. Bislang sind die NRW-Landeselternschaft (LE) der Gymnasien die schwarz-gelbe Landesregierung und Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) enge Verbündete im Kampf für die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit (G9). Jetzt geht der Verband der Gymnasialeltern auf Konfrontation zur Ministerin und übt massive Kritik an den Kernlehrplänen für die verlängerte Schulzeit auf den Gymnasien. Ein Ziel der Rückkehr zu G9 sei immer gewesen, wieder mehr fachliche Bildung an den Gymnasien zu erreichen. Dies sei aber mit den bisher vorliegenden Lehrplanentwürfen nicht erreicht. Offenbar sei der Zeitdruck wegen des Starts von G9 im Schuljahr 2019/20 so groß, dass die Lehrpläne mit heißer Nadel gestrickt seien. Qualität müsse aber vor Schnelligkeit gehen. Vernichtende Lehrplan-Kritik „Besonders die Fächer Latein, Deutsch, Wirtschaft/Politik, Kunst und die Naturwissenschaften halten wir für verbesserungsbedürftig", sagt LE-Vorsitzende Jutta Löchner. Am stärksten kritisiert der Verband, dem die Schulpflegschaften an 445 der insgesamt 625 Gymnasien in NRW angehören und der damit nach eigenen Angaben rund 750.000 Eltern vertritt, das neue Fach Wirtschaft/Politik. Die Lehrpläne seien viel zu einseitig auf Unternehmersicht und Verbraucherbildung ausgerichtet. Hier fehle der gesamtgesellschaftliche, soziale und ökonomische Zusammenhalt. Den Lateinunterricht zur Übersetzungshilfe degradiert, im Deutschunterricht zu wenig Literatur, der Chemie-Unterricht dem 20. Jahrhundert verhaftet – vernichtender kann eine Lehrplan-Kritik nicht ausfallen. Die Landeselternschaft vermisst vor allem die Einbeziehung von Wissenschaftlern und Experten in die Erarbeitung der neuen Lehrpläne "Stattdessen wurden intransparente Gruppen aus Fachlehrern und Seminarleitern gebildet, die offenbar in bestimmten Bereichen der Fachlichkeit des 20. Jahrhunderts verhaftet geblieben sind oder länger keine fachliche Fortbildung mehr genießen konnten", tadelt der Vorstand der Landeselternschaft. Deutliche Stärkung der Fachlichkeit Die Vorwürfe seien pauschal, oberflächlich und damit nicht zielführend, reagierte Schulministerin Gebauer. Vor allem die Kritik, die Lehrplankommissionen seien nicht ausreichend mit fachlicher Expertise besetzt, sei nicht nachvollziehbar. In einem Punkt widersprach die Ministerin dem Elternverband direkt: Die vorliegenden Kernlehrpläne sähen durchaus eine deutliche Stärkung der Fachlichkeit vor.

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