0
Amtsgericht Herford: Hier mussten sich die Erpresser verantworten. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Amtsgericht Herford: Hier mussten sich die Erpresser verantworten. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Dreifachmord Haft für Erpressung nach Bluttat in Hille

Bad Oeynhausener wollten aus der Not einer Familie, die ihren Angehörigen vermisste, Kapital schlagen

Beriwan Ali
13.02.2019 | Stand 13.02.2019, 20:17 Uhr

Herford/Hille. Weil sie von einer Familie, die einen Angehörigen vermisste, Geld erpressen wollten, sind zwei Männer aus Bad Oeynhausen zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden. Ziel der beiden Erpresser war die Familie von Fadi S. - eines der Opfer im spektakulären Verfahren um den Hiller Dreifachmord. Amtsrichterin Alea Blöbaum fand in Herford drastische Worte für die Angeklagten: Ihre Tat sei "von krimineller Energie nicht zu übertreffen". In der Tat war das Vorgehen der 23-Jährigen perfide. Sie hatten am 5. März auf Facebook den verzweifelten Aufruf der Familie gelesen, die nach Fadi S. (30) suchte. Der war zu dem Zeitpunkt bereits tot, das aber wussten die Angeklagten nicht. Per Mail nahmen sie Kontakt zur Familie auf und behaupteten, der Vermisste sei in der Gewalt einer Gruppe Albaner - auch Fadi S. war Albaner. Für dessen Freilassung werde 45.000 Euro verlangt, erklärten die Bad Oeynhausener, und boten sich als Vermittler zu den erfundenen Albanern an. Treffen im Werre-Park Die Familie hielt das immerhin für so glaubhaft, dass sie ein Treffen im Einkaufszentrum Werre-Park verabredete. Vor der Geldübergabe aber verlangten die Angehörigen ein Lebenszeichen - das die Erpresser natürlich nicht liefern konnten. Die Erpressung scheiterte. Zwei Tage darauf bekamen die Täter offenbar kalte Füße und stellten sich selbst der Polizei. Fadi S. wurde nur wenige Tage später tot auf einem Bauernhof in Hille gefunden. Mit dem Tod des 30-Jährigen hatten die Bad Oeynhausener aber nichts zu tun. Die Trittbrettfahrer wollten lediglich von seinem Verschwinden profitieren und schnell viel Geld machen. Vor Gericht waren die Täter - früher Mitarbeiter eines Sicherheitsdienst - geständig, bestritten allerdings, der Familie mit dem Tod von Fadi S. gedroht zu haben. In einem Telefonat, das einer der Angeklagten mit der Familie führte, sei lediglich davon die Rede gewesen, den Vermissten solange festzuhalten, bis das Geld bezahlt würde. Angst der Familie ausgenutzt Das glaubte das Gericht nicht - und nahm dafür einen Telefonmitschnitt zum Beweis, der im Prozess abgespielt wurde. Darin fragt der ältere Bruder des Vermissten: „Lebt er noch?" Das, so urteilte das Gericht, zeige deutlich, dass die Familie die ganze Zeit fürchtete, ihr Angehöriger werde sterben, wenn nicht gezahlt werde. "Man konnte das gar nicht anders verstehen", sagte Blöbaum. Sie warf den Tätern vor, die Angst der Familie gnadenlos ausgenutzt zu haben. Das Geständnis der beiden wertete sie aber als strafmildernd. Mutmaßliche Mörder in Bielefeld vor Gericht Der Angeklagte der das Telefongespräch geführt hatte, wurde wegen räuberischer Erpressung zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt, sein Mittäter bekam ein Jahr und drei Monate, ebenfalls zur Bewährung. Beide müssen darüber hinaus Sozialstunden leisten. Die mutmaßlichen Mörder von Fadi S., Jörg W. (51) und Kevin R. (24), stehen zurzeit in Bielefeld vor Gericht. Sie sollen in Hille aus Habgier nicht nur ihren Geschäftspartner Fadi S., sondern auch den Nachbarn Gerd F. (71) und den Hilfsarbeiter Jochen K. (65) auf dem Hof brutal erschlagen haben.

realisiert durch evolver group