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Alle Gesundheitsdaten an einem Ort: Versicherte können die App Vivy seit dem 17. September nutzen. - © Angelina Kuhlmann
Alle Gesundheitsdaten an einem Ort: Versicherte können die App Vivy seit dem 17. September nutzen. | © Angelina Kuhlmann

Bielefeld Krankenkassen entwickeln erste elektronische Gesundheitsakte - als App

Innovation: Mit der elektronischen Gesundheitsakte Vivy können Patienten Arzttermine, Impfungen, Röntgenbilder oder Medikamentenpläne auf ihrem Smartphone speichern. In OWL sind viele Krankenkassen mit dabei.

Angelina Kuhlmann
17.09.2018 | Stand 17.09.2018, 09:27 Uhr |

Bielefeld. Patienten möchten einfach, sicher und mobil auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen. Die Digitalisierung im Gesundheitsbereich kommt in Deutschland allerdings nur schleppend voran: Eine elektronische Gesundheitsakte will die Bundesregierung schon seit Jahren einführen, bislang jedoch erfolglos. Ein Bündnis aus gesetzlichen und privaten Krankenversicherern hat nun eine Lösung entwickelt: Vivy ist eine digitale Gesundheitsakte mit persönlicher Gesundheitsassistentin und vernetzt als Teil eines Gesundheitsökosystems die Nutzer mit Ärzten, Krankenhäusern, Laboren sowie Krankenkassen und Versicherungen. Vivy ist die erste E-Patientenakte, die in Deutschland auf den Markt kommt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen: Ab wann kann wer die App nutzen? Vivy steht Versicherten der ostwestfälischen Betriebskrankenkassen Bertelsmann BKK, BKK Diakonie, BKK Dürkopp Adler, BKK HMR sowie der BKK Melitta Plus ab heute kostenfrei zur Verfügung. Zudem sind auch weitere gesetzliche und private Krankenversicherungen dabei (www.vivy.com). Versicherte, deren Krankenkasse nicht dabei ist, steht Vivy gegen einen monatlichen Kostenbeitrag von 4,90 Euro zur Verfügung. Bislang können sich nur Versicherte ab 18 Jahren eine Akte erstellen. Die App läuft auf den Smartphone-Betriebssystemen IOS und Android. Was ist neu an Vivy? Seit 2014 gibt es in Deutschland elektronische Gesundheitskarten mit Lichtbild. Auf den Karten wird bis auf Geburtsdatum, Name, Geschlecht und Versichertennummer jedoch nichts gespeichert. Vivy ist die erste elektronische Gesundheitsakte in Deutschland, die den Versicherten das Speichern und Verwalten ihrer Kranken- und Gesundheitsdaten ermöglicht und damit auch das Übermitteln von Informationen. Wer hat die elektronische Gesundheitsakte entwickelt? Hinter Vivy steht das gleichnamige Unternehmen mit Sitz in Berlin. Es wurde 2017 von Christian Rebernik und Rowanto Rowanto gegründet. Ziel des Teams ist es, eine Plattform zu schaffen, die die Kommunikation zwischen Patient, Versicherung und Arzt vereinfacht und es dem Patienten ermöglicht seine Gesundheitsdaten zu organisieren. Welche Möglichkeiten bietet Vivy für mich? In der App lassen sich Termine, Notfalldaten, Arztbriefe und Dokumente wie Röntgenbilder, Blutbilder oder Ultraschallvideos verwalten, hochladen, anfordern und austauschen. Auch Medikamentenpläne können übertragen werden. Dafür muss nur die Matrix auf dem ausgedruckten Plan mit dem Smartphone gescannt werden. Die Daten werden dann automatisch in der elektronischen Patientenakte abgespeichert. In der Rubrik Impfungen können zudem die Informationen aus dem eigenen Impfpass übertragen werden. „Die App erinnert dann, wann wieder eine Impfung fällig ist", erklärt Rebernik. Neben den Erinnerungsfunktionen erkennt Vivy laut Rebernik auch, ob Medikamente sich gegenseitig negativ beeinflussen. Werde ein neues Medikament in den bestehenden Plan eingefügt, werden Informationen zu Unverträglichkeiten zur Verfügung gestellt. „Zudem verfügt Vivy über eine Arztsuche und der Patient kann neu vereinbarte Termine sofort hinterlegen." Was hat mein Arzt davon? Zur Verwaltung der Daten kommt hinzu, dass die Kommunikation mit Ärzten mit der elektronischen Patientenakte gekoppelt werden kann. „Patient, Versicherung, Arzt", nennt Rebernik die drei Akteure, die durch Vivy eine neue Schnittstelle erhalten. Ärzte können Dokumente per E-Mail an Vivy senden, dort werden sie dann abgespeichert. Möchte ein Patient Daten, wie zum Beispiel ein Röntgenbild mit einem Arzt teilen, kann er das über die App tun. Der Arzt erhält diese dann wiederum als Mail. Zudem können Patienten über Vivy auch Dokumente beim Arzt anfordern. Ärzte benötigen für die Nutzung keine neuen Systeme. Solange ein Patient über die elektronische Patientenakte verfügt, kann der Arzt mit ihm per E-Mail kommunizieren. Sind meine Daten sicher? Die elektronische Gesundheitsakte kommt laut Rebernik einem digitalen Ökosystem gleich. Ist die App installiert, müsse sich jeder Nutzer zuerst identifizieren. Danach könne die App entweder per Passwort, Fingerabdruck oder Gesichtsscan geöffnet werden. Datensicherheit spiele in diesem Bereich die größte Rolle und die Identifizierung sei der erste Schritt, um Missbrauch vorzubeugen. „Nur der Besitzer des Handys kann auf die Daten zugreifen", erklärt Rebernik. Gespeichert werden alle Daten auf Servern in Frankfurt. „Ein Arzt kann auch nur das Dokument sehen, das man selbst mit ihm geteilt hat. Mehr nicht", erklärt Rebernik. Gibt es Zusatzfunktionen? Zusätzlich hat Vivy laut Rebernik auch eine persönliche Assistentin, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Führt man einen wissenschaftlich fundierten Gesundheitscheck durch, gibt die App basierend auf den Ergebnissen Tipps und Hinweise, wie man die eigene Gesundheit verbessern kann. Rebernik: „Es wird zum Beispiel ein biologisches Alter berechnet". Wieso machen die Krankenkassen aus OWL mit? „Vom Gesetzgeber ist bis 2021 gefordert, dass wir ein digitales Angebot schaffen", erklärt Rolf Kauke, Vorstand der BKK Melitta Plus. Und mit Vivy könne man den Versicherten eine Nutzung auf selbstbestimmter Basis bieten. „Die Digitalisierung ist in Deutschland ins Hintertreffen geraten", so Kauke. Für Stefan Lang, stellvertretender Vorstand der BKK Dürkopp Adler, ist es zudem wichtig, dass der Patient souveräner wird.

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